Veröffentlicht am 08.01.2019

Welche Unternehmenskultur passt zu mir?

Stellen Sie sich bitte einmal selbst die Frage, auf welche Faktoren achten Sie bei der Auswahl Ihres Arbeitgebers bzw. der Kanzlei, in der Sie zukünftig arbeiten möchten? Die meisten Juristen bewerten in dem Vorstellungsgespräch Faktoren wie thematisches Gebiet, Persönlichkeit des Chefs, Gehalt und Möglichkeiten der Weiterentwicklung. Dies sind sicher auch alles Kriterien, die für Sie weiterhin wichtig sind. Dennoch wird oftmals von Bewerbern unterschätzt, wie entscheidend die Karriere – und auch die persönliche Zufriedenheit – davon abhängt, ob die Kultur des zukünftigen Arbeitgebers auch zu den eigenen Werten passt.

Unter der Organisationskultur einer Kanzlei oder eines Unternehmens versteht man die Entstehung und Entwicklung kultureller Wertmuster innerhalb einer Organisation. Das bedeutet, wie geht man miteinander um, was ist erlaubt und was ist verboten. Beispiel: Darf man vor 18.00 die Kanzlei verlassen? Werden die Bürotüren geöffnet oder geschlossen? Geht man gemeinsam Mittagessen? Wird die persönliche Weiterentwicklung von den Partnern vorgelebt? Oftmals achten wir bei der Wahl des Arbeitgebers nur auf die „harten“ Fakten, wissen aber genau, dass die Atmosphäre in einer Organisation uns gefallen muss, um gerne und mit Freude zu arbeiten und uns einzubringen. Die Kanzleikultur ist daher ein wesentlicher Baustein in Ihrer Karriere und daher sollten Sie immer darauf achten, dass diese für Sie stimmig ist.

Aber woran können Sie die Kultur – die oft gar nicht so leicht greifbar ist – eigentlich erkennen? Natürlich bekommen Sie in jedem Bewerbungsgespräch nur ein Ausschnitt der Kultur mit, aber auch diese Signale werden Ihnen ein erstes Bild verschaffen, ob Sie in der richtigen Kanzlei sind. Folgende Signale sollten Sie beobachten: Wie gehen die Mitarbeiter miteinander um? Wie offen, authentisch und freundlich werden Sie vom Empfang begrüßt? Sind die Räume in der Kanzlei so gestaltet, dass Sie sich darin wohlfühlen? Wie sehen die Konferenzräume aus? Gibt es eine gemütliche Kaffeeküche? Welche gemeinsamen Aktivitäten veranstaltet die Kanzlei, um den Austausch untereinander zu ermöglichen? Wie geht die Kanzlei mit Arbeitszeiten, Anwesenheit, virtueller Arbeitsplatz um? Dürfen Fortbildungen auch von den Mitarbeitern in Anspruch genommen werden? Wie trennt man sich von Mitarbeitern? Werden Konflikte ausgetragen und Versprechen eingehalten? Ist es eine deutsche, englische oder amerikanische Kanzlei und welchen Einfluss hat England bzw. die USA auf den deutschen Kanzleistandort? Wie selbständig dürfen Sie am Mandat arbeiten? Wie wird Ihrer Rolle als Junior Associate beschrieben?

Sie haben weiter die Möglichkeit, sich die Kanzleileitsätze auf der Homepage oder in der Broschüre durchzulesen. Wobei Sie gut darauf achten sollten – Papier ist geduldig! – welche der dort beschriebenen Werte Sie tatsächlich wiederfinden.

Um es vorwegzunehmen – es gibt nicht die eine richtige Kanzleikultur! Vielmehr ist es für Ihr Wohlbefinden, Ihre Zufriedenheit und damit auch Ihren weiteren Karriereweg entscheidend, dass Sie sich vorab Gedanken darüber machen, welche Werte Sie in einer Kanzlei finden möchten und was Ihnen wichtig ist.

Wenn Sie das in einem ersten Schritt für sich geklärt haben geht es darum, abzugleichen, ob Ihr potentieller neuer Arbeitgeber das gleiche Verständnis davon hat. Wenn ja, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie gerne dort arbeiten werden und sich positiv weiter entwickeln können. Wenn das jedoch nicht der Fall ist, sollten Sie ernsthaft überlegen, warum ganz genau es unbedingt diese Kanzlei bzw. dieser Bereich sein sollte. Denn in einer Kultur, in der Sie sich nicht wiederfinden, wird es nur schwer möglich sein, sich zu öffnen und dauerhaft und nachhaltig engagiert am Ball zu bleiben.



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