So wehrt Ihr Euch gegen unfaire Kollegen

1. Die Delegation der Arbeit an andere
Sicher sind die meisten Juristen sehr fleißig und ehrgeizig. Aber es gibt auch den einen oder anderen, der ganz genau schaut, dass er nicht zu viel arbeitet. Da werden Arbeitsaufträge schnell im Team weiter verteilt. Zunächst fühlt Ihr Euch vielleicht geschmeichelt, dass Ihr als Experte ausgewählt werdet. Irgendwann bemerkt Ihr dann aber, dass die Arbeitslast sehr ungerecht verteilt ist.

2. Sich bei dem Partner in den Vordergrund rücken
Ärgert Ihr Euch auch manchmal darüber, dass der ein oder andere Kollege sich in den täglichen bzw. wöchentlich stattfindenden Besprechungen immer sehr in den Vordergrund rückt und mit seinem Erfolgen „prahlt“?
Sicher, Selbstmarketing ist wichtig und man kann gar nicht früh genug damit anfangen, seine Erfolge auch sichtbar zu machen. Es wird aber unangenehm, wenn immer nur einer redet oder sich vielleicht sogar mit fremden Federn schmückt und Erfolge zeigt, die er selbst gar nicht zu verantworten hat.

3. Andere Kollegen beim Partner schlechtmachen
Eine auch sehr unangenehme Erfahrung ist es, wenn Euch ein Kollege bei einem Partner schlechtmacht. Vielleicht berichtet er über die Art und Weise wie Ihr arbeitet oder Euch gegenüber Mandanten verhaltet und hat Euch selbst noch nie darüber informiert, dass er mit Eurer Arbeit nicht zufrieden ist. Nun geht er mit dieser Nachricht aber direkt zum Chef und macht Euch „schlecht“.
Sicher gibt es noch weitere unkollegiale Situationen. Aber bleiben wir zunächst bei diesen genannten. Was genau solltet Ihr nun tun, um Euch zu wehren?
Im ersten Schritt solltet Ihr zunächst immer versuchen, den Konflikt mit der Person zu klären, die es betrifft. Stellt Ihr also fest, dass ein Kollege eines der oben genannten Handlungen vornimmt, dann solltet Ihr das direkte Gespräch mit ihm suchen. Im besten Fall ist ihm selbst gar nicht klar, was genau er gerademacht und hat gar nicht das Gefühl, unkollegial zu handeln.
Sucht Euch für das Gespräch einen ruhigen Raum und versucht aus der „Ich“ Position heraus zu beschreiben, was genau Ihr wahrgenommen habt. Nennt dabei klare Beispiele und stellt dar, wie genau sich was für Euch ändern sollte, damit Ihr zufrieden seid. Beispiel: „Stefan, ich habe wahrgenommen, dass Du in der Mandatsarbeit immer viele Aufgaben an mich delegierst, die Du direkt vom Partner übertragen bekommen hast. Das führt dazu, dass ich mit dem Arbeitsaufkommen deutlich überlastet bin. Ich möchte zukünftig mit Dir und dem Partner kurz darüber sprechen, falls Du wieder Aufgaben an mich abgeben möchtest. Dann soll gerne der Partner entscheiden, wie ich meine Kapazitäten ausfülle.“
Solltet Ihr bei Eurem Kollegen kein Gehör finden, dann könnt Ihr auch Eure Kollegen bitten, ein ähnliches Feedback abzugeben. Vielleicht braucht Euer Mitstreiter von mehreren ein Feedback, um die Kritik auch annehmen zu können. Sollten Eure Kollegen hierzu aber nicht bereit sein und die Situation sich nicht ändern, dann bleibt Euch gar nichts anderes übrig, als den Partner mit einzubeziehen.
Vereinbart mit dem Partner ein Gespräch zu zweit und schildert die Situation. Stellt dabei deutlich heraus, dass Ihr nicht unfair handeln möchtet, sondern gemeinsam mit dem Partner einen Weg suchen möchtet, der die Kritik in einer kollegialen Form herüberbringt.
In den meisten Fällen wird der Partner dann ein Gespräch zu Dritt vorschlagen, da er ja direkt die Situation nicht erlebt hat und Euch braucht, um dem Kollegen ein differenziertes Feedback zu geben.
Sicher, das ist alles andere als angenehm. Beachtet dabei aber bitte immer, dass es in Eurem Arbeitsleben immer wieder Situationen geben wird, in denen Ihr Kritik in einer angemessenen Form äußern müsst. Tut Ihr dieses nicht, dann kann sich eine Situation verfestigen, in der Ihr Euch überhaupt nicht wohl fühlt.
Daher – wehret den Anfängen, stellt klar, was genau Ihr möchtet und gebt Eurem Kollegen auch die Chance, sich selbst zu reflektieren und weiter zu entwickeln.

Viel Erfolg und Mut bei Euren kommenden Kritikgesprächen!