Meine Verwaltungsstation in Bratislava

Nachdem ich bereits als Austauschschüler ein Jahr lang an der Westküste der USA gelebt hatte und während des Jurastudiums begleitend das Zertifikat im US-Amerikanischen Recht an der Universität zu Köln erlangte (Certificate in US Law „CUSL“) wollte ich es nicht verpassen im Rahmen des Referendariats erneut einen Lebensabschnitt in einem anderen Land zu verbringen und die Perspektive zu wechseln. Um keine Zeit zu verlieren wollte ich auch nicht bis zur Wahlstation warten, sondern die erste Chance ergreifen, sodass ich mich für die Verwaltungsstation beim Auswärtigen Amt in Berlin bewarb. Nachdem ich die erste Hürde genommen hatte und wenig später dann die Zusage für die Botschaft in Pressburg erhielt konnten die Vorbereitungen beginnen. Reiseführer und Geschichte der Slowakei statt Urteil oder Anklageschrift waren von nun an meine Abendlektüre.

Die Reise über Wien nach Bratislava erfolgte ohne Probleme. Bei winterlichen Temperaturen durfte ich direkt am ersten Tag mein Büro beziehen und den Botschafter Herrn Bleicker sowie alle Kollegen und Kolleginnen kennen lernen. Die Botschaft in Pressburg ist eine mittelgroße Botschaft, die in der Regel einen Referendar und 1 – 2 Praktikanten beschäftigt. Aufgrund der Größe wird man von Anfang als Vollzeitkraft in die tägliche Arbeit eingebunden und erhält täglich Gelegenheit den Alltag eines Diplomaten kennen zu lernen. Statt einem Referat fest zugeordnet zu sein ist die Arbeit vom täglichen Wechsel bestimmt, der eine spannende Abwechslung garantiert. Meine Aufgaben teilten sich in regelmäßige Tätigkeiten wie die Pressearbeit und Tätigkeit im Konsularbereich. Es gab jedoch fast täglich Aufgaben, die tags zuvor nicht vorhersehbar waren und aus jedem Referat stammen konnten. So nahm ich als Vertreter der Botschaft an Pressekonferenzen und Diskussionen teil und durfte auch Studenten über die Tätigkeit eines Referendars in Deutschland berichten. Auch das juristische Handwerk sollte nicht zu kurz kommen, wenn es um die Bearbeitung und Überprüfung von Verträgen ging. Besonders prägend war die während meines Aufenthaltes ausbrechende Regierungskrise, die mit Rücktritten, Vertrauensfragen und täglichen Fragestellungen insbesondere des Politikreferates verbunden war. Spannend und typisch juristisch waren auch die Tage, an denen ich als Jurist die Verfassung der Slowakischen Republik auf diverse Fragen, die im Zusammenhang mit der Regierungsneubildung standen, analysieren und aufbereiten durfte. Es gab keinen Tag, an dem ich nicht wertvolle Erfahrungen im Arbeitsalltag sammeln konnte und an dem ich nicht ganztägig beschäftigt war. Hinzu kamen auch diverse Abendveranstaltungen, auf denen man Deutsche, aber insbesondere Slowaken mit ganz unterschiedlichen Ausbildungen und Hintergründen kennen lernen durfte. Dort konnte ich viele Verbindungen knüpfen, die über meine Zeit in Bratislava hinaus andauern.

Als Fazit kann ich festhalten, dass die Tätigkeit in der Deutschen Botschaft in Pressburg eine authentischen Eindruck der Beschäftigung im Auswärtigen Amt geliefert hat und mein Interesse und meine Begeisterung für diese Form der Tätigkeit als Jurist gesteigert haben. Zudem war die Zeit eine willkommene Abwechslung vom vorgegebenen Alltag im Referendariat. Allen Interessierten kann ich den Entschluss diese Erfahrung zu machen nur ans Herz legen.