Veröffentlicht am 27.02.2019

Mein Studienaufenthalt in Istanbul (1)

Bevor man für längere Zeit in die Türkei geht, müssen einige Formalitäten geregelt werden. Mir war gesagt worden, dass ich ein Studentenvisum beim Konsulat der Türkei in Hamburg beantragen sollte. Andernfalls drohe mir in der Türkei bei der Beantragung der Aufenthaltserlaubnis eine Strafzahlung, die die Kosten für ein Studentenvisum um ein Vielfaches übersteige. Also musste ich mich insgesamt fünf Mal zum Konsulat der Türkei in der Nähe des Bahnhofs Dammtor begeben, bis ich endlich das Visum in meinem Pass vorfinden konnte. Dies lag zum einen an den mangelhaften Angaben zu den notwendigen Materialien in dem Erasmus-Erfahrungsbericht, den ich gelesen hatte, zum anderen an der schlechten beziehungsweise nicht vorhandenen telefonischen Erreichbarkeit des Konsulats sowie an meiner schlechten Kommunikation mit der Sachbearbeiterin im Konsulat. Unter anderem wurde dort erwartet, dass man all seine Dokumente ausgedruckt vorzeigen kann. Als ich einmal fragen wollte, ob das von allen Seiten unterschriebene Learning Agreement als Bestätigung der Gastuniversität ausreichend sei für das Visum und ich dieses Learning Agreement auf meinem Laptop der Sachbearbeiterin zeigen wollte, weigerte sich diese, irgendetwas auf meinem Laptop anzugucken und die Gültigkeit zu bewerten. Also musste ich noch zwei Mal wiederkommen. Beim insgesamt dritten Besuch stellte sich heraus, dass das Learning Agreement nicht ausreichte und beim vierten Besuch konnte ich dann im letzten möglichen Moment die eigentlich notwendige „Letter of Acceptance“ vorweisen, die eigentlich per Post von der Yeditepe Universität verschickt wird, mir dann aber doch noch per Mail von dem „Incoming Coordinator“ des International Office der Yeditepe Universität geschickt wurde. So konnte ich dann zum letzten möglichen Zeitpunkt, obwohl ich mit der Planung früh begonnen hatte, alle notwendigen Dokumente einreichen und eine Woche später das Visum abholen. Die notwendigen Dokumente waren die Folgenden: das T/A 11 Formular meiner Krankenkasse, mein Reisepass, das Antragsformular für das Visum, die Bestätigung der Gastuniversität (= „Letter of Acceptance“), eine Kopie des Reisepasses, Passfotos, eine Erklärung meiner Eltern für meinen Unterhalt aufzukommen und die Bestätigung der Heimatuniversität. Außerdem mussten 60€ bezahlt werden.

Schlussendlich stellte sich in der Türkei dann heraus, dass zu dem Zeitpunkt meiner Einreise es nicht mehr notwendig war, ein Studentenvisum zu beantragen. Die Strafzahlung bei der Beantragung der Aufenthaltserlaubnis in der Türkei war mittlerweile nämlich entfallen. Ich hätte mit dem weitaus einfacher erhältlichen (am türkischen Flughafen bei der Einreise) und günstigeren Touristenvisum einreisen können. Leider wurde mir dies von keiner Seite gesagt. Besonders das türkische Konsulat hätte mich darüber aufklären müssen, was aber unterblieb. In Istanbul berichteten mir beispielsweise Spanier, dass sie zum selben Zeitpunkt vom türkischen Konsulat in Spanien aufgeklärt wurden, dass ein Studentenvisum nicht mehr notwendig ist. Ich hatte also leider unnötiger Weise viel Geld und Zeit investiert. Ein vermeidbarer Fehler. Immerhin konnte ich einige der Formulare, Passfotos und Ausweiskopien dann auch später nutzen.

Gegebenenfalls sollte man nochmal sicher gehen, ob man seinen Schutz der Krankenversicherung im Ausland für ausreichend erachtet. Das T/A 11-Formular bestätigt die Übernahme der Kosten für grundlegende medizinische Kosten – mehr aber auch nicht. Mir genügte dies, andere Deutsche haben noch eine extra Auslandskrankenversicherung abgeschlossen.

Neben den Formalitäten beschränkten sich meine Vorbereitungen vor allem auf das richtige Packen: Der türkische Winter ist auch recht kalt, einige Male schneite es. Warme Kleidung ist also notwendig für das Ende des Wintersemesters beziehungsweise den Anfang des Sommersemesters. Motiviert packte ich auch ein paar Unibücher ein, was sich später als vertane Mühe herausstellte und eher auf der Rückreise Mühe bereitete.

Zu guter Letzt versuchte ich meine Kontakte in der Türkei aufzufrischen. In Deutschland haben viele Leute Verwandte oder Freunde in Istanbul, die einem gut weiterhelfen können. Ich selbst hatte in der Schulzeit einen Schüleraustausch nach Italien gemacht. Eine Türkin aus Istanbul hatte ich damals kennengelernt. Nach fünf Jahren schrieb ich ihr wieder. Sie organisierte mir ein Zimmer in einer Wohnung, die direkt bei der Yeditepe Universität liegt. Dort konnte ich dann ab meinem ersten Tag bis zum Ende meines Aufenthalts wohnen. Viele suchen zwar erst in Istanbul eine Wohnung, in den Schlafräumen der Universität darf man ein paar Tage kostenlos übernachten, allerdings kostete dies einigen auch viel Zeit und Nerven. Während meines Aufenthalts in der Türkei traf ich mich dann auch noch oft mit meiner türkischen Freundin, sie konnte mir bei vielen Problemen weiterhelfen und sie zeigte mir viel von der Stadt.

Anreise, Ankunft, erste Anlaufstellen

Ich bin mit dem Flugzeug von Hamburg zum Flughafen Sabiha Gökçen geflogen, der tief auf der asiatischen Seite Istanbuls liegt. Da meine Wohnung und die Universität auch auf der asiatischen Seite liegen, war mir dies empfohlen worden. Allerdings kann man genauso gut zum Atatürk-Flughafen reisen, da dieser mit der Metro sehr gut angebunden ist. Vom Flughafen Sabiha Gökçen fährt man am besten mit den Bussen des Unternehmens „Havabus“ bzw. „Havataş“. Dieser ist schneller und kaum teurer als der öffentliche Bus (Nr. E-10). Ich bin mit der Airline „Pegasus“ geflogen. Die ist sehr günstig, dafür mangelt es aber beim Komfort. Es lohnt sich sehr, bei der Airline einen Account zu erstellen und Flugpunkte zu sammeln. Schon beim nächsten Flug erwarten einen große Vergünstigungen.

Während ich direkt zu meiner Wohnung fuhr, verbrachten andere die ersten Nächte im „Hush“ -Hostel in Kadıköy, dem Studentenviertel der asiatischen Seite, das direkt am Bosporus liegt oder in den Dorms der Universität.

Eine sehr schöne andere Möglichkeit, um in die Türkei zu reisen, ist das Interrail-Ticket. Schon für 200€ kann man an fünf Reisetagen in einem Zeitraum von 15 Tagen quer durch Europa reisen und sich veranschaulichen, was eigentlich zwischen der Türkei und Deutschland liegt. Auf meiner Rückreise habe ich diese Möglichkeit gewählt und die vielen Länder vom Balkan bis zu den Alpen besichtigt.

Eines der ersten Dinge, die man in Istanbul erledigen sollte, ist es, sich die „Istanbul-Card“ zuzulegen. Diese erhält man an zentralen Bus-, Fähr- und Metrostationen. In größeren Bahnhöfen und in kleinen Läden kann man sie mit Geld aufladen. Die öffentlichen Verkehrsmittel können nur mit dieser Karte kostengünstig genutzt werden. Wenn man schon ein Studentenzertifikat hat, kann man versuchen, schon die Studenten-Card zu erhalten, mit der die günstigen Fahrten nur die Hälfte kosten. Andere Studenten schafften es direkt am Anfang des Semesters, diese begehrten Karten zu erhalten. Allerdings war es wenig später nur noch möglich, diese Karten über die Universität zu ergattern. Ich beantragte sie also leider in der Universität und musste über zwei Monate auf die Studenten-Card warten.

Ein anderer der ersten Schritte ist es, sich eine Simcard zuzulegen. In der Türkei gibt es sehr günstige Angebote. Ich bezahlte ca. 23 Türkische Lira (nicht mal 8€) im Monat für 2GB Internet, 1000 Freiminuten und 1000 SMS. Allerdings muss man mit Problemen mit ausländischen Handys rechnen. Nach 120 Tagen werden diese gesperrt und können nicht mehr mit einer türkischen Simcard benutzt werden. Um dies zu verhindern, muss man in Bürgerbüro eine Steuer zahlen, um das Handy zu registrieren. Das kostet ca. 135 Türkische Lira. Im Anschluss muss das eigene Handyunternehmen nochmals die Zahlung der Steuer registrieren. Weil dies gerade bei Vodafone Probleme berei ten kann, empfehle ich, von Anfang an einen zentralen Shop des Unternehmens aufzusuchen, weil man später immer wieder zum selben Laden zurückgehen muss, wenn Probleme auftauchen. Bei mir hatte etwas mit der Registrierung nicht funktioniert, woraufhin nach 120 Tagen mein Handy gesperrt wurde. Nach viel hin und her musste ich bei der Post (ich weiß nicht genau, warum dort gezahlt wird, meine türkische Freundin half mir) nur 2 TL zahlen, um das Handy wieder zu entsperren.

Betreuung und Aufnahme

Kurz nach der Ankunft gab es eine Willkommensveranstaltung für die mehr als 250 Erasmus-Studenten an der Yeditepe Universität. Der Erasmus-Club der Uni, genannt ESN (Erasmus Network), stellte sich selbst, die Uni und die Stadt vor. Über ESN wurden in der ersten Zeit sehr viele Kennenlern-Abende, Partys, Städtetouren, soziale Unternehmungen und Reisen organisiert. Die Mitglieder, genannt Buddies, halfen uns darüber hinaus bei allem Organisatorischen. Da die Türkei ja nicht in der EU ist, muss man eine Menge beantragen. Uns wurde erklärt, dass wir für die Aufenthaltsgenehmigung eine Steuernummer vom Einwohnermeldeamt, ein Führungszeugnis, das besagte T/A 11 Formular, einen Beleg über eine Zahlung von 55 TL beim Einwohnermeldeamt, ein paar unterschriebene Formulare von der Uni, den Reisepass, die Studentenbescheinigung der Yeditepe Universität (auf richtig angegebene Daten achten!) und eine Kopie der Internetregistrierung für die Aufenthaltsgenehmigung vorzeigen mussten. Sehr wichtig ist es, in dem Antrag für die Aufenthaltsgenehmigung die korrekte Adresse oder der Einfachheit halber die Adresse der Yeditepe Universität anzugeben, da die Genehmigung dann per Post an die Adresse versendet wird.

In meinem ersten Semester an der Uni machten die Buddies von ESN einen tollen Job und wir unternahmen viele lustige Dinge gemeinsam. Im zweiten Semester ließen sie zwar etwas nach, aber die von ihnen zu unfassbar günstigen Konditionen organisierte Reise nach Kappadokien war eines der Highlights meines Aufenthalts.


Unterbringung

Ich wohnte zu Fuß fünf Minuten entfernt von der Universität mit drei türkischen Studenten. Mein Ziel war es, mit ihnen mich irgendwann auf Türkisch zu unterhalten, was leider nicht geklappt hat. Allerdings schafften es die Jungs, mir das Leben junger Türken in Istanbul näherzubringen.

Viele andere Studenten entscheiden sich, in Kadıköy zu wohnen. Von dort muss man zwar ca. 45 Minuten bis eine Stunde zur Uni fahren – und zwar in jede Richtung –; dafür wohnt man aber direkt am Bosporus in der Nähe vieler schöner Cafés, Läden, Parks, Fährableger und Bars. Es ist das Studentenviertel der asiatischen Seite und weitaus alternativer als viele andere Stadtteile. Mich hat es in manch einer Woche fast täglich dorthin verschlagen, wobei ich mich auch fragte, ob ich nicht lieber dort wohnen sollte. Wenn man an der Yeditepe Universität studiert, hat beides seine Vor – und Nachteile. Man sollte aber beachten, dass, wenn man weit weg wohnt von der Uni, die Gefahr groß ist, gar nicht erst dorthin zu fahren, wenn nur wenige Vorlesungen an einem Tag stattfinden.

 

Nächste Woche erfahrt Ihr in Teil 2 mehr über das Jura-Studium in der Türkei sowie Arnes Fazit zu seinem Auslandsstudium.



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