Veröffentlicht am 11.12.2019

Mein Auslandssemester in Viña del Mar, Chile

Die Universidad Adolfo Ibañez hat einen Campus in Viña del Mar und einen in Santiago de Chile. Da mich als Münsteranerin die Millionenstadt Santiago doch etwas abgeschreckt hat, fiel meine Wahl auf den Campus in Viña del Mar und ich wurde davon nicht enttäuscht. Die Stadt liegt zwischen dem Meer und Weinbergen und hat gemeinsam mit der direkt angrenzenden Stadt Valparaíso einiges an Lebensqualität zu bieten.

Die Universität ist verglichen mit vielen deutschen Universitäten klein, recht neu und für ein Auslandssemester wirklich zu empfehlen. An erster Stelle ist das Kurssystem zu nennen, das sich doch erheblich von den Vorlesungen in Deutschland unterscheidet. Die Kurse sind mit etwa 15 bis 20 Personen sehr überschaubar. Dadurch bietet sich stets die Möglichkeit, mit dem Professor und den Kommilitonen zu diskutieren – etwas, das ich aus Deutschland nicht wirklich kannte. Zugegebenermaßen war ich zunächst etwas abgeschreckt vom sonstigen Aufbau des Semesters mit seiner Anwesenheitspflicht, den regelmäßigen Tests und den Gruppenarbeiten. Das System ist wesentlich verschulter als man es aus den Vorlesungen zu Hause gewöhnt ist, aber das machte es einem leichter, Einblicke in eine fremde Rechtsordnung zu bekommen. Und für Reisen blieb auch trotz dieser ungewohnten Verpflichtungen noch ausreichend Zeit.

Der Anteil ausländischer Studierender war mit ca. 130 auf insgesamt 2.000 Studenten am Campus in Viña recht hoch. Insgesamt waren dort alle den Austauschstudenten gegenüber sehr hilfsbereit und aufgeschlossen. Man kam sowohl in den Vorlesungen als auch in den Pausen immer schnell mit Kommilitonen ins Gespräch. Die Professoren waren um den Lernfortschritt ihrer Kursteilnehmer sehr bemüht und Unterhaltungen über die Leistungen in Klausuren oder die weiteren Ziele waren keine Seltenheit.

Zu guter Letzt möchte ich noch die tolle Ausstattung der Universität hervorheben: Diese liegt auf einem Berg mit Blick über ganz Viña, Valparaíso und das Meer. Es werden dort jeweils eigene Busse der Universität eingesetzt, um die Studenten aus der Stadt hoch zum Campus zu befördern. Außerdem gibt es ein eigenes Fitnessstudio mit stündlichen wechselnden Kursen, viele Arbeitsgemeinschaften (vom Barista-Kurs bis zur Kunst-AG) und einen malerischen Ausblick.

Zusammenfassend kann ich die Universidad Adolfo Ibañez deshalb für einen Auslandsaufenthalt wärmstens empfehlen. Nichtsdestotrotz halte ich es für wichtig zu betonen, dass die Universität und ihre (häufig sehr gut betuchten) Studenten nicht unbedingt repräsentativ für Chile sind. Wenn man oben auf dem Berg in den Kursen sitzt, kann man leicht vergessen, dass nicht alle Hochschulen in dem Land von dieser Qualität sind und viele Menschen dort auch wesentlich fundamentalere Probleme haben. Deshalb kann ich dringend nur empfehlen, die freie Zeit zu nutzen, um viel zu verreisen, sich mit Menschen zu unterhalten und sich auch ein Bild vom „wirklichen Chile“ zu machen. 

Das Land hat vor allem landschaftlich wahnsinnig viel zu bieten: Von Skigebieten in den Anden über Weinberge, die Salzwüste im Norden des Landes bis hin zu den Flüssen und Seen im Süden hat Chile viel zu bieten. Ich habe mir meine Kurse so gelegt, dass ich jeweils vier Tage „Wochenende“ hatte, um das Land etwas besser kennenzulernen. Allerdings darf man die Entfernungen nicht unterschätzen – die extreme Nord-Süd-Ausdehnung macht weitere Reisen in nur vier Tagen nahezu unmöglich. Deshalb empfiehlt es sich auf jeden Fall, sich nach seinem Auslandssemester bzw. in den Semesterferien noch Zeit für weitere Reisen, etwa nach Patagonien, einzuplanen. Das Land ist so facettenreich und es lohnt sich, jede einzelne Region einmal bereist zu haben. Egal wo man hinkommt, sind die Chilenen immer offen, freundlich und voller Lebensfreude.



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