Mein Auslandssemester auf Hawaii

Bevor ich zu den akademischen  Gegebenheiten komme, möchte ich zunächst ein paar Worte über die Flora und Fauna verlieren. Entgegen eines weit verbreiteten Vorstellungsbildes erschöpft sich Hawaii nicht bereits in malerischen Sandstränden und bunten Riffen. Vielmehr kann man auf der Inselkette zwölf der weltweit vierzehn Klimazonen erleben und entsprechend abwechslungsreich gestaltet sich das Landschaftsbild auf einer Fläche, die insgesamt ungefähr so groß ist wie Brandenburg. Die Inselkette besteht aus acht Teilinseln. Eine davon darf nur auf Einladung hin bereist werden, da sie sich im Privatbesitz befindet und den Ureinwohnern vorbehalten ist. Die restlichen Inseln habe ich allesamt besucht und war erstaunt über die Authentizität und Ursprünglichkeit, die sich trotz der Reisebeliebtheit noch vorfinden lassen. Die geringe Besiedelungsdichte lässt der Natur viel Raum zur Entfaltung und entsprechend abenteuerliche Wanderungen und Ausflüge können unternommen werden.

Als Höhepunkte will ich zum einen die Wanderung auf den Haleakala Vulkan auf Maui nennen. Unzählige Krater in einer apokalyptischen Landschaft aus porösem Vulkangestein prägten die insgesamt 17 km lange Wanderung. Auch die Na Pali Küste auf Kauai war atemberaubend schön. Die riesigen, mit Grashängen übersäten und zerklüfteten Klippen, die sich unmittelbar hinter dem Küstenstreifen steil anhoben, wirken surrealistisch vor einem lieblichen Sandstrand, der von Land aus in großen Teilen unzugänglich ist. Während der Bootstour vor der Küste wurden wir von einer Delfinschule bestehend aus ca. 20 Tieren überrascht, die neugierig im kristallklaren Wasser wenige Meter vor uns in der Bugwelle schwammen. Ebenfalls sehenswert war der Vulkanausbruch auf der Big Island. Die glühenden Lavaströme bahnten sich über mehrere Kilometer den Weg vom Krater in das Meer und hinterließen eine Masse, die wie halbflüssiger, schwarzer Teig aussah, der alles unter sich begrub. Die Lava erlosch schließlich zischend im Meer. Auf allen Inseln finden sich zahlreiche Wildschweinrotten, wobei die im Vergleich zum Festland kleineren Exemplare mit ihrem schwarzen Fell eher harmlos wirken. Außerdem stolzieren an jeder Straßenecke wilde Hähne in buntem Gefieder umher und lassen sich mittlerweile nicht mehr von Menschen verunsichern.

Eine weitere Eigenheit der Inseln besteht darin, dass sich nahezu keine giftigen Tiere oder Pflanzen finden lassen, so dass man (fast) alle Früchte essen kann, die man in den schwülen Regenwäldern findet. Attraktiv gerade auch für Studenten waren die vielen “Camp-Outs” an den einsamen Stränden der Westküste, die regelmäßig mit einem morgendlichen Schnorcheln endeten, bei dem man die Delfine bei der Jagd beobachten konnte. Die Erlebnisse in der Natur kann ich nicht alle aufzählen ohne den Rahmen zu sprengen, ich hoffe, dass die Beispiele ausreichen, um euch ein Vorstellungsbild davon zu vermitteln, wie viel Hawaii zu bieten hat.

Die Universität liegt auf der Insel Oahu. Studenten aus aller Welt hatten sich für ihre Collegezeit beziehungsweise ihr anschließendes Studium an einer Law School auf dem großen Campus eingefunden, der über 28 Fakultäten umfasst. Ich würde das Durchschnittsalter des Jurastudenten auf Ende 20 schätzen, so dass ich mit deutlichem Abstand zu den Jüngsten gehörte. Da die Juragemeinde auf der Insel eine verhältnismäßig kleine ist und sich die Rechtsarbeit weitestgehend auf Honolulu beschränkt, funktionierte die Kommunikation zwischen praktizierenden Juristen und Studenten sehr gut. Es wurden Kurse von Rechtsanwälten angeboten, die Möglichkeiten Praktika zu absolvieren waren exzellent und die Vorträge von einflussreichen Persönlichkeiten regten jedes Mal neu zum Denken an. Vor allem ein “Litigation” Übungskurs eines regional bekannten Anwalts, der sich unter anderem auf Versicherungsrecht spezialisiert hatte, lehrte mich viel Neues. Die fremdsprachigen juristischen Fachtermini machten das Auslandsstudium gerade anfangs zu einer Herausforderung. Diese verstehen zu lernen bedeutete, ein Stück weit das fremde Rechtssystem zu erfassen. Es war interessant zu sehen, welch unterschiedliche Denkansätze im Vergleich zum kontinentaleuropäischen System vertreten werden. Andererseits finden sich trotz des Case Laws aber auch überraschend viele Gemeinsamkeiten.

Das halbe Jahr ist leider zu schnell vergangen, doch was bleibt sind die erlebten Eindrücke, die ich sowohl auf dem Campus als auch beim Reisen gesammelt habe.