Mein Auslandsemester in Lyon

Vorbereitung in Deutschland

Anmeldung
Nach der Zusage zum Erhalt des Studienplatzes und der ersten großen Freude mussten diverse, nicht unkomplizierte Arbeitsschritte bewältigt werden. Zunächst galt es, sich an der Universität einzuschreiben. Dies erfolgte online mithilfe eines Leitfadens, der einem von der Universität zur Verfügung gestellt wurde. Hier mussten Fragen beantwortet werden und Angaben zur Person gemacht werden. Anschließend wurde das Bewältigte ausgedruckt und per Post an die Uni geschickt. Die gesamte Angelegenheit war insgesamt relativ langwierig und nervenaufreibend, weil man natürlich nichts falsch machen wollte. Nachdem die Unterlagen dann aber endlich verschickt waren, war es Zeit nach einer Unterkunft zu suchen.

Die Wahl der Unterkunft
Zunächst habe ich von der Universität in Lyon eine E-Mail mit verschiedenen Möglichkeiten zur Unterbringung bekommen. Dabei handelte es sich um Wohnheime und Gastfamilien. Viele Wohnheime jedoch hatten eine Mindestmietzeit von sechs Monaten. Da ich nur ca. vier Monate bleiben wollte, war die Auswahl schnell sehr begrenzt. Zudem muss ich anmerken, dass die Zimmer ab 500 Euro aufwärts relativ teuer waren. Die Gastfamilien waren preislich noch höher angesiedelt, jedoch war hierbei Verköstigung mit inbegriffen. Ich entschied mich, privat im Internet auf die Suche zu gehen. Diese Wohnungssuche war allerdings auch nicht einfach, da auch private Wohnungen eine Mindestmietzeit von einem Jahr vorsahen. Am Ende fand ich eine Seite namens habitatjeune.org. Dieses Unternehmen unterhält einige Wohnheime in Lyon. Ich konnte nach erneuter Anmeldungsprozedur einen Platz in „Moulin-à-Vent“ bekommen und erhielt ein 11 qm großes Zimmer mit eigenem Bad und einer Mikrowelle für unter 400 Euro im Monat. Das Wohnheim lag 20 Minuten mit Bus und Bahn und 15 Minuten mit dem Fahrrad von der Universität entfernt. Jedoch gibt es noch besser gelegenere und auch schönere Wohnheime des Unternehmens. Meine Unterkunft erfüllte für die relativ kurze Zeit die erforderlichen Ansprüche und war absolut bezahlbar. Rückblickend hätte ich mich aber lieber nach einer WG umsehen sollen. Im Erasmus-Studium gibt es recht viel Leerlauf und auch wenn man sehr einfach und schnell Bekanntschaften schließt, kann es doch sein, dass man mal zwei Tage nichts zu tun hat. Da können dann 11 qm bald etwas eng werden, in einer WG dagegen hat man immer Leute um sich. Auch kann man sich sprachlich durch ständige Kommunikation schnell stark verbessern. Letztlich hat sich auch herausgestellt, dass man sich ein wenig anstrengen musste, wenn man tatsächlich Franzosen kennenlernen wollte. Bei Erasmus besteht nämlich die Gefahr, dass man am Ende zwar massenhaft Spanier, Brasilianer, Engländer und Niederländer kennengelernt hat, aber keine Franzosen. Auch hier war, wie ich bei Freunden beobachten und mittelbar auch  erleben durfte, eine WG der Integration sehr förderlich.

In Lyon Erste Schritte

Ich kam am 28. August in meiner Unterkunft in Lyon an. Die nächsten Tage verbrachte ich damit, die wirklich schönen Seiten der Stadt zu erkunden und mich insgesamt einzurichten. Im Vorhinein erhielt man die Anweisung, ab 01. September an der Universität präsent zu sein. Weitere Informationen hinsichtlich Ort, Zeit und Zweck meines Erscheinens waren nicht zu bekommen, weshalb ich verständlicherweise sehr gespannt war, was folgen würde. Im Endeffekt handelte es sich um die finale Einschreibung an der Universität, bei der man auch den Studentenausweis der Uni erhielt. Die Ausgabe des Studentenausweises erfolgte allerdings nur gegen Vorlage einer Bescheinigung meiner deutschen Haftpflichtversicherung, dass der Versicherungsschutz auch im Ausland Gültigkeit besitzt. Alternativ war es möglich, vor Ort bei jeder Bank zu günstigen Tarifen ein Erasmus- Konto samt Haftpflichtversicherung zu eröffnen.

Das Studium
Mein Ziel in Lyon war es, den großen Schein im öffentlichen Recht angerechnet zu bekommen. Dafür musste ich neben den Pflichtfächern (Methodenlehre, Sprachkurs und Einführungskurs ins französische Rechtssystem)
ausreichend Kurse im öffentlichen Recht belegen, um die notwendigen 25 ECTS Punkte zu erhalten, die für eine Anrechnung nötig waren. In Lyon wurden jedoch pro Fach vergleichsweise wenig (maximal und selten 5) Punkte vergeben. Dies führte dazu, dass ich vier Kurse wählen, und somit insgesamt sieben Prüfungen absolvieren musste. Bei mir waren die Kurse ausschließlich sogenannte Cours Magistraux (= Vorlesungen). Teilweise gab es auch sogenannte Travaux Dirigés (= Arbeitsgemeinschaft), mit denen ich jedoch nicht in Berührung kam. Die Vorlesungen in Frankreich beinhalten keine graphischen Darstellungen oder schriftliche Orientierungshilfen, sondern bestehen vielmehr aus einer Art Diktat des Professors, bei dem jedes Wort mitgeschrieben wird. Die französischen Studenten sitzen dort allesamt mit Laptops, wodurch sich bei jedem Satz des Professors ein kurioses monotones rattern der Tasten erhebt Das war für uns ausländische Studenten nur schwer korrekt zu bewältigen. Wenn man einen Satz des juristischen Fachjargons nicht verstanden hatte, verstand man meistens das Folgende auch nicht. Und relativ bald war man dann etwas lost in translation. Abhilfe schaffen konnten jedoch die sehr hilfsbereiten französischen Studenten, die einem gerne ihre auf dem Computer geschriebenen Mitschriften zur Verfügung stellten. Das führte dann dazu, dass wir unter dem Semester die Zeit etwas freier einteilen und viele Unternehmungen machen konnten, um Land und Leute besser kennenzulernen. Wir unternahmen einige Ausflüge, u. a. nach Marseille, Nimes und Bordeaux. Dabei war die Seite ouigo.com sehr hilfreich, da man dort sehr billige Zugtickets erwerben kann. Mehrmals nutzte ich auch Carsharing über Blablacar.fr. Die Prüfungsphase war vom 15. – 20. Dezember. In meinem Fall waren es zwei mündliche und fünf schriftliche Prüfungen. Dafür habe ich gute zwei Wochen vor Prüfungsbeginn mit der finalen Vorbereitung begonnen, da pro Fach ein "Skript" zu bewältigen war. Dieser zeitliche Aufwand reichte aus, musste aber schon diszipliniert investiert werden, da die Prüfungen durchaus ernstzunehmend wirkten. In den Prüfungen geht es nämlich darum, den Inhalt des Mitgeschriebenen aus der Vorlesung wortgetreu wiederzugeben, was somit zwar (nur) eine Fleißarbeit ist, aber etwas langwierig werden kann. Letztlich will einem aber wohl kein Professor durchfallen lassen, wenn man sich Mühe gibt. Für die Organisation und Koordination der Erasmus Studenten waren die MitarbeiterInnen des Büros für internationale Angelegenheiten zuständig. Diese waren hilfsbereit und freundlich, aber meist schwer anzutreffen oder wochenlang nicht auffindbar, ohne dass man in Erfahrung bringen konnte, warum. Auch die Mitteilungen über Ereignisse oder Pflichten kamen meist recht spät und wurden oft wieder umgeändert. Größere Probleme entstanden jedoch nie.

Leben in Lyon
Lyon ist eine an vielen Ecken sehr schöne und weltoffene Stadt mit großartigen und einzigartigen Plätzen von besonderem Flair. Besonders hervorzuheben sind die Wiesen auf dem Berg neben der Kapelle Fourvière, von denen man einen wunderschönen Blick über die Stadt hat und wo, solange es warm ist, viele schöne Abende verlebt werden können. Auch die Stufen am Rhôneufer sind ein sehr beliebter und ansprechender Ort. Im Park Tête d’Or bieten sich tolle Möglichkeiten für ein Picknick oder einen Spaziergang im Grünen. Hier kann man  auch Fußball, Frisbee, etc. spielen. In der Nacht gibt es unzählige Bars in allen Vierteln. Am Ufer der Rhône befinden sich zudem Boote auf denen gefeiert werden kann. Der Stadtteil Vieux Lyon besticht durch seine alten Gemäuer und engen Gässchen mit unzähligen kleinen Läden und den für Lyon typischen Bouchons, den Restaurants mit typisch lyoneser Küche, die man jedenfalls probieren sollte. Auf der sogenannten Presqu’île, dem Stadtteil zwischen Rhône und Saône findet sich die moderne Fußgängerzone mit vielen Bekleidungsgeschäften und Kaufhäusern. Bekannt ist auch der Place Bellecour, der als einer der schönsten Plätze Frankreichs gilt. Besonders interessant und sehenswert ist auch das alte Weberviertel Croix-Rousse das von unter- und überirdischen, in Häusern versteckten Gängen, den Traboules durchzogen ist. Diese dienten ursprünglich dem trockenen Transport der gewebten Stoffe, wurden jedoch während des zweiten Weltkrieges vom französischen Widerstand als Versteck genutzt. Seine persönlich bevorzugten Ecken zu entdecken und aufzusuchen machte großen Spaß und wurde niemals langweilig. Auch das finanzielle Auskommen war durch die Erasmus-Förderung grundgesichert, auch wenn das Bier in den Bars teurer war, als auf dem Oktoberfest. Hervorheben sollte man auch den sehr feinen Wein von den Ufern der Rhône (Côtes du Rhône), der in jedem Supermarkt zu sehr moderaten Preisen erworben werden kann, und immer von hoher Qualität ist. Meinen besonderen Spaß hatte ich persönlich  daran, die an jedem Wochentag auf irgendeinem Platz stattfindenden Märkte zu finden, um zu versuchen, mich durch alle jeweiligen Käsespezialitäten zu schlemmen. Charles de Gaulle hat einmal gesagt "Wie soll ich ein Land regieren, in dem es mehr Käsesorten als Tage im Jahr gibt?", und tatsächlich, mein Aufenthalt hat bei weitem nicht ausgereicht, um auch nur einen nennenswerten Bruchteil probieren zu können.

Fazit
Mein Aufenthalt in Lyon war in allen Bereichen eine aufschlussreiche und weiterführende Erfahrung, die sehr viel Spaß gemacht hat. Neben dem Erleben des französischen Lebensstils und der damit verbundenen
kulinarischen Genüsse konnte ich mich auf sprachlicher, juristischer und persönlicher Ebene weiterentwickeln. Ich konnte viele tolle neue Leute aus allen Ecken der Welt kennen lernen und blicke auf unvergessliche Erlebnisse zurück. Lyon ist eine sehr warmherzige Stadt in der man sich von Beginn an wohlfühlen kann. Jedem, der Spaß an neuen Erfahrungen und anderen Ländern hat, kann ein Aufenthalt in Lyon nur empfohlen werden.