Veröffentlicht am 17.04.2019

"Labour Law and Corporate Governance" an der University of Bristol - clavisto-LL.M.-Stipendiatin Sophia Gottschlich im Interview

1. Sophia, was waren Deine Hauptgründe für ein spezialisiertes LL.M.-Studium im Bereich „Labour Law and Corporate Governance“?

Das Arbeits- und Gesellschaftsrecht hat mir schon während meines Studiums in Deutschalnd am meisten Spaß gemacht. Ich möchte gerne in einem dieser Bereiche arbeiten und die University of Bristol bietet genau diese Fächerkombination an, sodass ich an das im Schwerpunktstudium in Deutschland Gelernte anknüpfen und meine Kentnisse vertiefen und erweitern kann. Deshalb war klar, dass dies das optimale LL.M.-Programm für mich ist.

 

2. Warum hast Du Dich genau für diese Universität entschieden?

Die University of Bristol ist eine der renomiertesten Universitäten Englands für das Jurastudium und ist in allen Rankings auf einem der oberen Plätze zu finden. Zudem wurde nur in Bristol genau der LL.M. Schwerpunkt angeboten, den ich gerne machen wollte. Außerdem ist die Stadt schön, jung und lebendig. Als nach London zweitgrößte Stadt im Süden Englands bietet sie alles, was man zum angenehmen Studieren und Leben benötigt. Die Entscheidung ist mir daher sehr leicht gefallen.

 

3. Nach den ersten Monaten bist Du voll in Deinem Studien-Alltag. Vielleicht magst Du uns einen typischen Wochentag an der University of Bristol kurz beschreiben:

An einem typischen Wochentag habe ich vormittags ein Seminar und/oder eine Vorlesung. Im Anschluss treffe ich mich oft mit Freunden zum Mittagessen, bevor ich mich dann in unserer sehr schönen, alten und stilvollen Bibliothek mit guter Lernatmosphäre auf Seminare vorbereite oder an einem Essay arbeite. Abends gehe ich regelmäßig zum Yoga oder zu einem der anderen Sportkurse, welche die Uni anbietet.

 

4. Was sind für Dich die größten Unterschiede zum Studium an einer deutschen Uni?

Der größte Unterschied ist, dass hier in Seminaren in Kleingruppen von sechs bis 20 Studenten gearbeitet wird. Aktive Teilnahme wird vorausgesetzt und die Professoren, die die Seminare leiten, kennen alle Studenten mit Vornamen.

Ganz anders als in Deutschland bereitet man sich hier hauptsächlich im Vorfeld auf eine Veranstaltung vor. Die "reading lists" sind lang und sollen vor dem jeweiligen Seminar abgearbeitet werden, um aktiv teilnehmen zu können. Auch Essays (ähneln deutschen Hausarbeiten) werden hier zum größten Teil nicht in der vorlesungsfreien Zeit geschrieben, sondern parallel zu laufenden Vorlesungen und Seminaren.

 

5. Das erste halbe Jahr in Bristol ist gerade vorbei... Hoffentlich hattest Du schon Gelegenheit England besser kennenzulernen und viele Eindrücke zu sammeln. Was waren Deine bisherigen Highlights?

Während meiner bisherigen Zeit in England konnte ich schon einige Ausflüge machen. Eines meiner Highlights war ein Ausflug nach Oxford. Dort haben wir u.a. das College besucht, in dem für Harry Potter gedreht wurde. Orte wie Stonehenge, Bath oder Cheddar sowie andere Tagesausflugsziele in Wales sind ebenfalls sehenswert und London ist in weniger als zwei Stunden mit dem Zug schnell erreichbar.

Auch in Bristol kann man immer wieder neue Eindrücke sammeln: Die Stadt ist für ihre Graffiti-Kunst bekannt. Im Alltag läuft man oft an Graffitis vorbei, ohne diese richtig wahrzunehmen. Achtet man einmal bewusst darauf, kann man immer wieder etwas Neues und verblüffend Schönes oder Interessantes entdecken.

 

6. Was möchtest Du unbedingt noch unternehmen in den kommenden Monaten?

Sobald es wärmer wird, möchte ich unbedingt ans Meer. Von Bristol aus ist es nicht weit. Mal schauen, ob ich mich traue zu schwimmen oder ob es zu kalt ist. Außerdem möchte ich gerne noch einige weitere Ausflüge machen. Eine Schottland-Tour ist schon geplant.

 

7. Gibt es einen Lieblingsort an Deiner Uni? Oder in England?

Es fällt mir schwer, nur einen Lieblingsort zu nennen:

Auf dem Campus gibt es ein kleines Café, das zu studentischen Preisen sehr leckeren Kaffee und Kuchen anbietet. Dort schaue ich immer gerne mal wieder vorbei.

Auch im sehr hübschen Stadtteil Clifton gibt es einige gemütliche Cafés, Pubs und Restaurants und es ist schön, sich dort mit einer Decke nach draußen zu setzen und einen Kaffee zu trinken oder auch nur entlang zu schlendern.

Ein besonders schöner Ort und eine Neuheit für mich ist auch das Brettspiel-Café in Bristol mit hunderten Gesellschaftsspielen, die man sich erklären lassen und auch nach Empfehlungen fragen kann. Für einen verregneten Sonntagnachmittag optimal geeignet.

 

8. Du bist jetzt mittendrin und hast schon viele Erfahrungen gesammelt. Bestimmt hast Du wertvolle Tipps für alle, die gerade in den Vorbereitungen Ihres LL.M.-Studiums stecken. Deine drei ultimativen Tipps:

1. Überlegt euch gut, wo ihr hinzieht: Ihr wollt sicherlich einen kurzen Weg zur Uni haben und gleichzeitig stadtnah wohnen. Gerade in Städten wie Bristol mit sehr hohen Mietpreisen solltet ihr euch frühzeitig nach geeigneten Unterkünften umschauen. Unter den nationalen Studenten ist es nicht unüblich, jedes Jahr umzuziehen. Zu jedem akademischen Jahr sind also sehr viele Studenten auf Wohnungssuche. Seid früh dabei!

2. Wenn ihr dann an eurem Studienort angekommen seid, schaut, was eure Uni für die internationalen Studenten anbietet: Pub Crawls, Touren durch die Stadt, Ausflüge ins Umland usw. So lernt ihr nicht nur das Land besser kennen, sondern trefft auch viele andere internationale Studenten, könnt schnell Kontakte knüpfen und internationale Freundschaften schließen.

3. Seid euch bewusst, dass die Lebenshaltungskosten in England weitaus höher sind als in Deutschland. Zudem sind studentische Nebenjobs, z.B. als wissenschaftliche Mitarbeiter in Kanzleien, unüblich und es ist allgemein schwer als Ausländer, einen Nebenjob zu finden. Achtet also darauf, dass ihr über ein ausreichend dickes finanzielles Polster vor Beginn des LL.M.-Studiums verfügt.

 

9. Mal kurz in die Zukunft gedacht: Worauf freust Du Dich schon jetzt am meisten, wenn Du zurück in Deutschland bist?

Ich freue mich darauf, ins Referendariat zu starten, um meine juristische Ausbildung in Deutschland abzuschließen. Dabei werde ich hoffentlich von meinen in England gemachten Erfahrungen profitieren.

Bezüglich der simpleren Dinge freue ich mich vor allem auf guten und trotzdem recht preiswerten Wein, auf deutsche Bäckereien und natürlich darauf, meine Familie, meinen Freund und meine Freunde in Deutschland wieder zu sehen.
Sophia, vielen Dank für das Interview und noch eine ganz tolle, spannende Zeit in England.



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