Veröffentlicht am 15.06.2020

Ist Homeoffice auch nach Corona für Dich möglich?

1. Warte erst einmal ab, was Dir angeboten wird

Du solltest nicht zu schnell aktiv mit Deiner neuen Forderungsliste an Deinen Partner bzw. Chef herantreten. Warte erst einmal ab, wie er sich die zukünftige Zusammenarbeit vorstellt und was er Dir aktiv anbieten möchte. Viele Partner sind überrascht, wie gut die virtuelle Arbeit funktioniert hat und haben ihre Vorurteile gegenüber dem Homeoffice deutlich reduziert. Möglicherweise bist Du überrascht über diese neue Offenheit und brauchst gar nicht mehr verhandeln.

2. Frage aktiv nach, welche Erfahrungen Dein Partner gesammelt hat

Wenn Du allerdings vergebens darauf wartest, dass Dein Partner über die „neue“ Zusammenarbeit ein Wort verliert, dann solltest Du dieses aktiv ansprechen. Im ersten Schritt stelle bitte auch hier noch keine Forderungen, sondern frage ihn, wie genau er die Zusammenarbeit in der Homeoffice Zeit empfunden hat. Was waren aus seiner Sicht die Vor- aber auch Nachteile? Ziel dieser Fragen von Dir sollte es sein, dass Du verstehst, wie es in ihm aussieht und welche Argumente er anführt. Denn nur dann hast Du eine Chance, diese auch gewinnbringend für Dich aufzunehmen.

3. Versuche ein win-win Verhältnis zu kreieren

Du weißt jetzt, welche Gedanken sich Dein Partner macht und wie er die virtuelle Zusammenarbeit mit Dir und dem Team erlebt hat. Nun hast Du die Möglichkeit zu entscheiden, wo Du mit Deinen Argumenten ansetzen möchtest. Beachte hierbei bitte folgendes – es geht nicht darum, Deinen Partner bzw. Chef in eine Richtung zu drängen, die er nicht leben möchte. Es geht darum, geschickt mit starken Argumenten ihm deutlich zu machen, dass auch er die Vorzüge des Homeoffice sieht und gerade angeführt hat.

Vielleicht äußert Dein Partner bzw. Chef sich wie folgt „Grundsätzlich hat ja alles virtuell geklappt, aber mit fehlte manchmal der unkomplizierte Zugriff auf die Mitarbeiter“, „Ich hatte das Gefühl, dass alle gut arbeiten, die Effizienz im Office ist aber dennoch größer“ oder „Die Aufgaben und Projekte sind alle gut abgearbeitet worden, die virtuelle Kommunikation und das Briefing ist aber nicht ganz so optimal, da bleiben Themen auf der Strecke“. Sicher gibt es noch viele andere Argumente, die Dein Partner bzw. Chef „in den Ring“ werfen wird. Überlege Dir vorab, welche Einwände Du von ihm aufnehmen möchtest und entkräften kannst. Es reicht nicht aus, wenn Du entgegnest „Das stimmt nicht“.

Wahrnehmung ist immer subjektiv und insofern haben weder Du noch Dein Partner recht. Versuche vielmehr, den Einwand aufzulösen indem Du Vorschläge bringst. Sollte Dein Partner Dir zum Beispiel entgegnen „Die Aufgaben und Projekte sind alle gut abgearbeitet worden, die virtuelle Kommunikation und das Briefing ist aber nicht ganz so optimal, da bleiben Themen auf der Strecke“, dann kannst Du ihm anbieten, das Briefing neuer Projekte immer persönlich in der Präsenz entgegenzunehmen, die Abarbeitung aber punktuell von Zuhause.

4. Wieviel Homeoffice Tage sind realistisch zu verhandeln?

Solltest Du merken, dass Dein Partner bzw. Chef durchaus bereit ist, mit Dir über virtuelles Arbeiten auch nach Corona zu verhandeln, dann stellt sich die Frage, wie viele dieser Tage Du einfordern kannst. Meine Erfahrung ist, dass die Partner bzw. Chefs bereit sind, über ein bis zwei Tage pro Woche zu sprechen. Dieses natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die aktuelle Projektsituation dieses möglich macht und die Teamauslastung gewährleistet ist.

Vielleicht machst Du ihm den Vorschlag, in den kommenden drei Monate einen Tag Homeoffice mit ihm auszuprobieren – und ihr stimmt euch jede Woche hierzu ab. Danach folgen ein Erfahrungsaustausch und eine offene Diskussion, wie es geklappt hat und ob dieses Modell weitergelebt werden kann, sogar eine Erweiterung möglich ist oder es in der Zusammenarbeit sich als nicht erfolgreich dargestellt hat. Wichtig ist, dass Du Deinem Partner bzw. Chef in Aussicht stellst, dass es eine Testphase ist mit offenem Ausgang.

5. Was tust Du, wenn Dein Partner bzw. Chef sich nicht darauf einlässt?

Du kannst noch so gute Argumente anbringen und Einwands Behandlung betreiben- dennoch wird es sicher nicht so sein, dass alle Partner bzw. Chefs bereit sind, eine kooperative Lösung zu finden. Insofern kannst Du jetzt für Dich noch einmal genau reflektieren, in welcher Kanzleikultur Du arbeitest und was Du benötigst, um zufrieden zu sein. Alle Partner hatten und haben aktuell die Chance, flexibles und virtuelles Arbeiten und Führen noch einmal intensiv auszuprobieren. Das ist eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit danach neu zu definieren – aber nicht alle werden dieses als Notwendigkeit oder einen Mehrwert ansehen.

Auch Du hast Dich in den letzten Wochen ausprobieren können und erfahren wie es ist, in dieser Form zu arbeiten. Vielleicht kommst Du zu dem Ergebnis, dass Du froh bist, wieder in den Kanzleiräumen Deine Projekte zu bearbeiten, möglicherweise ist nach dieser Erfahrung für Dich aber das Arbeiten aus dem Homeoffice heraus eine Standard Anforderung an Deinen Arbeitgeber geworden. Wenn Deine Forderung hier nicht erwidert wird, dann musst Du am Ende entscheiden, ob Du in der richtigen Kanzleikultur arbeitest oder noch einmal wechseln solltest.

Wie auch immer das Ergebnis ist – sei aktiv und gehe in die Verhandlung. Ich wünsche Dir viel Erfolg!

 



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