Veröffentlicht am 01.01.2019

Gewinner werden vor der Wettkampfsaison gemacht

1. Du hast während Deiner Zeit als Spitzen-Ruderin bestimmt wahnsinnig viel erlebt. Was war Dein schönstes Erlebnis in Deiner sportlichen Karriere?


Das kann ich ehrlich gesagt gar nicht so genau sagen. Es gab nicht den einen Moment. Klar ist es toll zu gewinnen, ein gestecktes Ziel zu erreichen. Aber das sportliche Leben besteht aus viel mehr. Die schönste Erfahrung in dieser Zeit war es, gemeinsam als Team auf ein Ziel hinzuarbeiten. Immer zusammen zu stehen und gemeinsam alles zu geben.

2. Letztendlich wurdest Du mit vielen Medaillen und sogar der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 belohnt. Was war auf Deinem Weg zu diesem sportlichen Erfolg die größte Entbehrung?


Leistungssport auf diesem Niveau bedeutet auf Vieles zu verzichten. Freizeit ist ein wertvolles Gut. Auch am Wochenende ausschlafen steht eher selten auf dem Plan. Jeden Tag absolvierte ich zwischen ein und drei Einheiten. Häufig ging es morgens schon um sieben Uhr mit der ersten Einheit los. Anschließend ging es in die Universität und nachmittags erneut zum Training. In den Semesterferien, war ich oft in ganz Europa unterwegs, um mich in Trainingslager auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. Außerdem wechselte ich den Studienort, um in Dortmund am Ruderleistungszentrum mit anderen Kaderathleten trainieren zu können. Aber an all das gewöhnt man sich. Man nimmt es im Prinzip gar nicht mehr als Entbehrung wahr.

Eine Sache aber gab, an die ich mich nur schwerlich gewöhnen konnte. Als Leistungssportlerin konnte ich über meine Zeit nicht frei verfügen. Andere Personen bestimmten, wann ich wo und wie lange zu sein hatte. An diese Vorgaben war man stets gebunden. Dadurch verpasste ich viele Geburtstage, Familienfeiern und andere einmalige Ereignisse. Das war für mich die größte Entbehrung.

Aber ich wusste immer, dass es notwendig ist und habe diese in Kauf genommen. Wenn man ein Ziel erreichen will, ist das unvermeidlich.


3. Für Top-Athleten stehen Disziplin und Motivation an oberster Stelle. Welche Motivationstechniken kannst Du Nachwuchsjuristen in der Examensvorbereitung empfehlen?

Ich versuche immer Spaß bei dem zu haben, was ich mache. Bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit, Konzentration und Fokussierung, sollte man sich auch immer ein bisschen Lockerheit bewahren. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht kann man alles schaffen. Man muss versuchen, sich immer daran zu erinnern. Gerade auch dann, wenn man einmal wieder das Gefühl hat, dass man es nicht schaffen kann. Am Ende wird auch in der „Jurawelt“ nur mit Wasser gekocht.

4. In Kombination mit Deinem Hochleistungssport war Dein Jurastudium doch sicher eine große Herausforderung. Wie hast Du Training, Wettkampfphasen, Hochschulalltag und Prüfungsvorbereitung unter einen Hut gebracht?


Das konnte nur mit geregelten Strukturen, Fleiß und Kompromissen funktionieren. So musste die universitäre Ausbildung oft hintenan stehen. Ich lernte viel von zu Hause aus und belegte nur die Kurse, die notwendigerweise belegt werden mussten.

Außerdem unterstützte mich die Ruhr-Universität Bochum immer sehr. So wurde mir unter anderem die Möglichkeit geboten, meine Examensseminararbeit zu einem späteren Zeitpunkt zu bearbeiten. Während des eigentlichen Bearbeitungszeitraums war ich noch bei den Weltmeisterschaften in Südkorea.

Das funktionierte in der universitären Ausbildung wirklich gut. Ich wusste aber von Anfang an, dass eine angemessene Examensvorbereitung nicht mit Leistungssport in dieser Form vereinbar ist. Auch war mir immer klar, welche Bedeutung die Examensnote für meine berufliche Zukunft hat. So entschied ich mich 2013 dazu, meine sportliche Laufbahn zu beenden und mich auf die Examensvorbereitung zu konzentrieren.

5. Was sind Deine 3 optimalen Tipps zur Prüfungsvorbereitung? Hast Du im Profisport Vorbereitungsstrategien kennengelernt, die Dir auch bei der Examensvorbereitung weitergeholfen haben?


Im Wettkampfsport ist es so, dass in der Zeit vor der Wettkampfsaison Gewinner gemacht werden. Man muss frühzeitig die Grundlagen legen und konsequent arbeiten. Wer erst kurz vor dem Wettkampf anfängt zu trainieren, wird nicht gewinnen können. In dieser Zeit kann man nur noch an den Feinheiten arbeiten. Außerdem machte ich die Erfahrung, dass mich Wettkampfsimulationen im Training immer voran brachten. Sich immer wieder in die Anspannungssituation zu versetzten hilft dabei, seine Fähigkeiten und sein Leistungsvermögen besser kennen zu lernen. So weiß man besser, worauf man im Wettkampf achten muss.

Außerdem war es für mich immer wichtig, einen Ausgleich zu haben. Ab und zu den Kopf frei bekommen hilft dabei, anschließend wieder mit voller Energie arbeiten zu können.

All diese Erfahrungen habe ich auf die Examensvorbereitung übertragen und habe deshalb folgende Tipps:

Tipp 1: Fangt frühzeitig an, schreibt euch einen langfristigen Lernplan und arbeitet euer Tagespensum konsequent ab.

Tipp 2: Schreibt Klausuren zur Übung.

Tipp 3: Gönnt euch jeden Tag etwas Freizeit und bewahrt euch ein bisschen Lockerheit.

6. Wie geht es für Dich jetzt weiter?


Nachdem ich im Juli mein erstes Staatsexamen bestanden habe, habe ich im Oktober mein Referendariat am Landgericht Dortmund begonnen. Das ist nun meine nächste Aufgabe. Aktuell befinde ich mich in der Zivilstation, wo ich die Arbeit einer Zivilkammer am Landgericht kennen lerne.

Lisa, vielen Dank für das Gespräch!



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