Veröffentlicht am 08.06.2021

Deine Einarbeitung in Corona Zeiten - was kannst Du tun, wenn sich niemand um Dich kümmert?

1. Warte nicht lange, um Deine Ansprechpartner*innen zu identifizieren

Im besten Fall wird Dir Deine Kanzlei gleich am ersten Tag Deines Jobs genau erläutern, wie genau Deine Einarbeitung aussieht und wer Deine Ansprechpartner*innen sind. Aber – und darauf sei bitte auch eingestellt – es kann auch gut sein, dass eine derartige Organisation nicht vorhanden ist. Und dann „sitzt“ Du ab sofort im Home Office oder in einem sehr leeren Büro und hast nur sehr wenig Anbindung und Orientierung. Dann werde bitte sofort alleine tätig und warte nicht darauf, bis man sich um Dich kümmert. Du kannst nun die folgenden Personen ansprechen und Dir Orientierung und Unterstützung holen:

·      Deine/n Chef*in
Als erstes solltest Du Dich immer an den/die Partner*in wenden. Diese Person ist für Dich zuständig und soll offiziell Deine Einarbeitung und Ausbildung übernehmen. Aber nicht immer passiert das – je nachdem, wie sehr diese Person sich Zeit für Dich nimmt. Suche bitte gleich am Anfang das Gespräch und frage explizit danach, wie genau die Einarbeitung geplant ist und ob es einen offiziellen Plan dafür gibt. Lass Dich bitte nicht mit allgemeinen Floskeln wie „das sehen wir dann“ oder „das ergibt sich schon“ vertrösten. Genau dies ist meistens nicht der Fall.

Bitte gehe aber empathisch vor. Wenn Du feststellst, dass trotz mehrfacher konkreter Frage der/die Partner*in Dir kein klares Feedback hierzu gibt, dann wende Dich an eine der weiteren genannten Personen. Möglicherweise ist es dann in dieser Praxisgruppe üblich, dass die Einarbeitung über einen anderen Weg erfolgt.

·      Anderen Kolleg*innen in Deiner Praxisgruppe
Auch Deine Kolleg*innen sind für Dich der Schlüssel zu einer guten Einarbeitung. Sollte sich hier keiner bewusst für Dich anbieten, dann frage auch hier konkret nach, an wen Du Dich bei Fragen und Wünschen wenden darfst. Häufig ist in der Praxisgruppe für neue Mitarbeiter*innen eine Person definiert, die sich darum kümmern wird.

·      Die HR-Abteilung in Deiner Kanzlei
Solltest Du auch hier kein Glück haben und alle mit Arbeit beschäftigt ein, dann wende Dich doch einfach an die interne HR-Abteilung. Wahrscheinlich hattest Du hier schon Kontakt während Deines Bewerbungsprozesses, so dass Du mindestens eine Person mittlerweile kennen solltest. Stelle auch hier ganz direkt die Frage, wie genau Deine Einarbeitung geplant ist und an wen genau Du Dich bei Fragen wenden darfst. Bitte stelle diese Frage aber möglichst neutral und füge nicht den Unterton dazu, dass sich in Deinem Bereich keiner um Dich kümmert. Bitte spreche diese Abteilung auch immer als letzten Ansprechpartner an und gehe zunächst den oben beschriebenen Weg. Die HR-Abteilung ist normalerweise nicht für Deine fachliche Einarbeitung in der Kanzlei zuständig, sie kann Dir aber vielleicht dabei helfen, Dich in den ersten Wochen zurecht zu finden und in der Kultur „Fuß zu fassen“. Auch ist es möglich, dass von dort aus ein/e Ansprechpartner*in für Dich organisiert wird.

2. Suche Dir gerne auch parallel eine/n Mentor*in
Unabhängig davon kannst Du Dich natürlich auch für Deine Einarbeitungszeit um eine/n Mentor*in kümmern. Hierzu solltest Du zunächst die Frage stellen, ob eine bestimmte Person für Dich als Mentor*in zur Verfügung steht. Sollte dieses nicht der Fall sein, dann darfst Du die Person Deines Vertrauens auch gerne – höflich – selbst ansprechen. Dabei solltest Du jedoch beachten, dass Du nicht gleich den Managing Partner ansprichst – sicherlich ist dieser ein hervorragender Mentor – wird jedoch meistens viele andere Arbeitsaufgaben zu vollrichten haben.

3. Definiere Deine Ausbildung als Deine persönliche „Holschuld“

Solltest Du feststellen, dass trotz Deinen Bemühungen und Nachfragen sich keine Person so richtig um Dein Onboarding und Deine Einarbeitung bzw. Ausbildung kümmert, dann solltest Du schnell selbst „das Heft in die Hand“ nehmen. Es ist Deine Karriere und daher ist es sehr wichtig, dass Du gleich Verantwortung dafür übernimmst. Frage Dich also durch die Strukturen in der Kanzlei durch, „löchere“ Deine Kolleg*innen mit Fragen und versuche auch immer wieder, von Deinem Chef bzw. Chef*in ein Feedback zu Deinen Arbeitsergebnissen zu bekommen. Zugegeben – das ist ein anstrengendes Unterfangen und es ist sicher angenehmer, wenn auch andere Menschen auf Dich aktiv zutreten und sich um Dich kümmern. Aber diese Erwartung wird leider nicht in jeder Kanzlei erfüllt.



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