Veröffentlicht am 28.11.2025
Jetzt statt später: So besiegst du die Aufschieberitis im Jurastudium
Besonders im Jurastudium ist sie weit verbreitet. Der Stoff scheint endlos, der Berg an Entscheidungen und Meinungen unüberwindbar – da erscheint das Aufschieben oft als harmlose Pause. Doch wenn Du ehrlich bist, weiß Du: Es ist ein schleichender Selbstbetrug, der später teuer wird – spätestens im Examen.
1. Warum Jurastudierende besonders betroffen sind
Du als JurastudentIn kämpfst mit einem besonderen Problem: Der Stoff ist nicht nur umfangreich, sondern auch abstrakt und langfristig angelegt. Es gibt selten kurzfristige Erfolgserlebnisse. Während andere Studiengänge regelmäßig Tests oder Praxisübungen haben, arbeitet man im Jurastudium oft monatelang auf ein Ziel hin, das noch in weiter Ferne liegt. Diese Struktur begünstigt das Aufschieben.
Hinzu kommt der Perfektionismus. Vielleicht denkst Du auch „Ich muss erst alles perfekt verstanden haben, bevor ich anfangen kann.“ Doch das ist eine Falle – weil „perfekt vorbereitet“ im Jurastudium nie existiert.
2. Was in Deinem Kopf passiert
Psychologisch betrachtet ist Aufschieberitis keine Faulheit, sondern ein Selbstschutzmechanismus. Unser Gehirn versucht, unangenehme Gefühle zu vermeiden – zum Beispiel Überforderung, Versagensangst oder Langeweile. Statt uns der Aufgabe zu stellen, wählen wir kurzfristig angenehmere Aktivitäten. Das Problem: Diese kurzfristige Erleichterung führt langfristig zu mehr Stress und Schuldgefühlen. Ein Teufelskreis entsteht.
3. Fünf Strategien, damit Du ins Tun kommst
3.1 Die 5-Minuten-Regel
Sag Dir: „Ich fange nur für 5 Minuten an.“ Meist ist der schwerste Teil der Anfang. Wenn Du einmal begonnen hast, läuft es oft von selbst weiter. So trickst du Dein Gehirn aus.
3.2 Den Stoff in Portionen zerlegen
Statt „Heute: Verwaltungsrecht lernen“, formuliere: „Heute: Wiederholung der Klagearten bis Seite 40“. Kleine, klare Ziele machen den Fortschritt sichtbar – und das motiviert.
3.3 Realistische Lernzeiten planen
Niemand kann acht Stunden konzentriert Fälle lösen. Plane feste Lernzeiten mit Pausen, z. B. 90 Minuten Lernen, 15 Minuten Pause. So bleibst Du länger leistungsfähig und vermeidest Frust.
3.4 Perfektionismus ablegen
Dein Ziel beim Lernen ist nicht, alles zu wissen, sondern prüfungsrelevant vorbereitet zu sein. Arbeite mit einer 80 %-Regel: Lieber solide und vollständig als perfekt und nie fertig.
3.5 Rituale schaffen
Ein fester Lernort, eine bestimmte Uhrzeit oder ein kleines Startsignal (z. B. Musik, Tee, Timer) helfen, in den „Lernmodus“ zu kommen. Je mehr Du Routinen aufbaust, desto weniger musst Du Dich jedes Mal neu überwinden.
4. Mentale Strategien gegen Druck
Es hilft, die eigene Einstellung zu überprüfen: Statt „Ich muss heute lernen“ sag Dir „Ich entscheide mich, zu lernen, weil ich mein Ziel erreichen will.“
Sprache prägt Denken – und Denken prägt Verhalten. Mach Dir bewusst, warum Du das Studium machst. Das gibt Sinn und Energie.
Wenn Du merkst, dass Du Dich regelmäßig blockierst, kann es helfen, mit Kommilitonen zu lernen oder eine Lerngruppe zu gründen. So entsteht soziale Verbindlichkeit – ein sanfter wirkungsvoller Druck.
Am Ende zählt: anfangen
Niemand erwartet, dass Du immer hochmotiviert bist. Entscheidend ist nicht, ob Du Lust hast, sondern ob Du handelst. Prokrastination ist kein Charakterfehler, sondern eine Gewohnheit – und Gewohnheiten lassen sich ändern.
Mach den ersten Schritt – heute, nicht morgen. Ich wünsche Dir viel Erfolg!
