Veröffentlicht am 28.12.2020

Dr. Norbert Heier berät in allen Fragen des Immobilienwirtschaftsrechts

Sie sind Partner eines unserer Real Estate Teams. Was macht diesen Rechtsbereich für Sie so besonders?

Norbert Heier: Beim Thema Immobilien können alle – wenn auch unterschiedlich tiefgründig – mitreden. Jeder schließt irgendwann einmal einen Mietvertrag ab, kauft sich eine Wohnung oder ein Haus. Die Entwicklungen und Veränderungen der städtischen Bebauung sind für alle Menschen von Interesse. Schließlich ist es die Umgebung in der wir leben. Es macht Spaß, durch die Stadt zu fahren und dabei Objekte zu sehen, mit denen man beruflich schon zu tun hatte.  

Welche Schwerpunkte kennzeichnen den Bereich Real Estate?

Norbert Heier: Überwiegend beschäftigen wir uns mit Immobilientransaktionen, also der Beratung beim An- und Verkauf. Das können Büros, Hotels, Wohnungen, Logistikparks, Arenen und so weiter sein. Teilweise sind es einzelne Immobilien, teilweise Portfolien mit einer Vielzahl von Immobilien. Man findet als Berufsanfänger*in relativ schnell einen Zugang zu der Materie, weil jeder an der Universität die Auslegung von Verträgen gelernt hat. Wir prüfen Kaufverträge, Mietverträge, Generalunternehmerverträge, Architektenverträge und vieles mehr. Auch im öffentlichen Recht müssen wir uns auskennen, weil stets Baugenehmigungen zu prüfen sind, und viele Fragen rund um das öffentliche Baurecht oder auch Umweltrecht auftauchen. Beim Kauf eines kontaminierten Industrieparks z.B. muss geklärt werden, wer für die Kontaminationen haftet.


Was war Ihr spannendster oder skurrilster Fall / Anfrage / Situation?

Norbert Heier: Da gibt es mittlerweile viele. Originell war als jemand, der am Gebäude unser Kanzleischild sah, einfach zur Tür rein kam und unserem Empfang mitteilte, er hätte einen feuchten Keller und bräuchte jetzt den besten Anwalt oder die beste Anwältin der Welt. 
Am anspruchsvollsten war die Beratung eines US-Investors beim Erwerb eines Portfolios von 72 Pflegeheimen in Deutschland, an denen das Eigentum jedoch durch eine Vielzahl von Gesellschaften nach luxemburgischem Recht gehalten wurde. Der Verkäufer war in der Schweiz ansässig, die Finanzierung sollte aus England erfolgen. Das kann man nur mit einem internationalen und erstklassigen Team umsetzen, und es macht großen Spaß, wenn man am Ende gemeinsam erfolgreich ist.


Wie abwechslungsreich ist Ihr Bereich und wo sind die Schnittstellen mit anderen Rechtsbereichen?

Norbert Heier: Keine Transaktion funktioniert ohne die Hilfe der Kolleg*innen aus dem Steuerrecht. Häufig wird auch nicht die Immobilie selbst, sondern die Gesellschaft gekauft, der die Immobilie gehört. Hier arbeiten wir mit unseren Gesellschaftsrechtler*innen zusammen. Da wir häufig für institutionelle Investoren (Immobilienfonds) tätig sind, treten oft Fragen aus dem Investmentrecht auf, für die wir ebenfalls Expert*innen haben. Auch für Finanzierungsfragen brauchen wir Spezialist*innen, denn es ist eher die Ausnahme, dass Immobilien komplett aus Eigenkapital bezahlt werden. Weitere Schnittstellen gibt es zum Kartellrecht, Arbeitsrecht, Datenschutzrecht oder dem geistigen Eigentum (wenn z.B. Webseiten einer Immobilie übertragen werden sollen). Mir fällt kaum ein anderer Bereich ein, der so vielfältig ist und in dem sich so viele Möglichkeiten bieten, im Team mit Kolleg*innen aus verschiedenen Rechtsgebieten zusammenzuarbeiten.


Womit kann ein Trainee Sie überzeugen und sind Vorkenntnisse notwendig?

Norbert Heier: Vorkenntnisse sind erst einmal nicht erforderlich, wir haben schon Praktikant*innen gehabt, die sofort sinnvoll und hilfreich unterstützen konnten. Außerdem erfolgt an der Universität keine explizite Ausbildung für den Bereich Real Estate. Ein Trainee muss daher grundsätzlich Interesse an unserem Bereich mitbringen und neugierig und engagiert sein. Am besten überzeugt mich ein Trainee, wenn ich das Talent erkenne, nicht nur ein gute*r Jurist*in, sondern auch ein*e gute*r Anwalt*in zu sein. Wenn ich um eine Stellungnahme zu einem Thema bitte, dann freue ich mich, wenn nicht vier unterschiedliche Theorien dargestellt werden, sondern wenn ich einen Antwortentwurf bekomme, mit dem auch ein*e Mandant*in etwas anfangen kann. Manchmal geht es auch nicht darum, eine abschließende Lösung zu finden, die auch einer gerichtlichen Prüfung standhält, sondern darum, eine Argumentation zu formulieren, die so gut ist, dass der / die Mandant*in dadurch vielleicht eine für ihn vergleichsweise vorteilhafte Lösung erreichen kann, obwohl er/sie vor Gericht schlechte Karten hätte.


Was glauben Sie, wie könnte Ihre Arbeit in 15 Jahren aussehen?

Norbert Heier: Ich hoffe, dass ich in 15 Jahren nicht mehr arbeiten muss, aber wenn das der Fall sein sollte, werde ich vermutlich weniger beruflich reisen als jetzt. Vertragsverhandlungen, für die ich jetzt nach Frankfurt, Zürich oder einen anderen Kontinent fliegen müsste, werden wohl nur noch als Videokonferenzen stattfinden. Blockchain wird stark zunehmen und man darf gespannt sein, welche Legal Tech Produkte es geben wird, um z.B. Mietverträge zu prüfen. So etwas wurde schon vor einigen Jahren eingeführt, ist mittlerweile aber wieder vom Markt verschwunden, weil das Produkt nicht wirklich erfolgreich war. Aber in diesem Bereich wird es sicherlich einige Entwicklungen geben. Vielen Dank für das Interview und diesen spannenden Einblick!



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