Veröffentlicht am 04.08.2020

„RECHT persönlich“ Verena Witzke im Interview

1. Verena, wie beginnt ein optimaler Arbeitstag für Sie?

Nach einer Laufrunde mit dem Hund schmeckt der erste Kaffee im morgendlichen Team-Meeting doppelt so gut.

2. Wenn Sie an Ihren Karrierestart als Associate denken... Woran denken Sie zuerst?

An die vielen hilfreichen Feedbackgespräche mit den erfahreneren Team-Kollegen: Wenn der eigene Vorschlag einer E-Mail an die Mandantin vom Partner oder Counsel Wort für Wort auseinander genommen und wieder zusammen gesetzt wird, wirkt das zunächst mühsam, ist aber unglaublich lehrreich. Gleichzeitig denke ich an all die Situationen, in denen es plötzlich hieß: „Mach Du mal allein!“, und es dann stets irgendwie doch funktioniert hat. In kaltem Wasser kann man eben doch schneller schwimmen lernen.

3. Warum ist eigentlich Arbeitsrecht der beste Fachbereich überhaupt?

Im Arbeitsrecht sind wir sehr nah am Mandanten. Hinter jeder arbeitsrechtlichen Problematik steckt letztlich ein Mensch, der diese Arbeit erbringt – das rückt die Fragen und Probleme manchmal doch in ein anderes Licht. Der berufliche Alltag als Anwältin im Arbeitsrecht ist zudem sehr vielfältig: Von Calls mit Kollegen aus anderen Standorten oder Jurisdiktionen, mit HR-Mitarbeitern oder Geschäftsführern über die Teilnahmen an Restrukturierungsverhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft bis hin zu Gerichtsverhandlungen in Hamburg oder anderen Orten ist alles dabei. Zudem finde ich es immer wieder spannend, die Entwicklung der Rechtsprechung zu verfolgen, ist unser Fachbereich doch stark davon geprägt, wie Bundesarbeitsgericht, Bundesverfassungsgericht und nicht zuletzt der Europäische Gerichtshof die oftmals vom Gesetzgeber nur rudimentär normierten Regelungen auslegen. Aus all dem ergibt sich eine sehr dynamische und dadurch jeden Tag wieder spannende Gemengelage, die den beruflichen Alltag im Arbeitsrecht prägt.

4. Ihre Tätigkeit bei Allen & Overy in drei Worten:

1. abwechslungsreich

2. herausfordernd

3. persönlichkeitsformend  

5. Was war bisher die beste Entscheidung Ihrer beruflichen Laufbahn?

Im Studium stand für mich immer fest: Bloß nicht in die Großkanzlei! Mein Plan für die Anwaltsstation war dann, mich dessen noch einmal abschließend zu versichern, getreu dem Motto „Jetzt weiß ich definitiv, was ich nicht will." Das hat dann allerdings (im Nachhinein: glücklicherweise) so gar nicht geklappt, denn während meiner Zeit als Referendarin im Hamburger Arbeitsrechts-Team von Allen & Overy habe ich gemerkt, dass Großkanzlei eben nicht gleich Großkanzlei ist, sondern dass es maßgeblich auf den Partner und das jeweilige Team ankommt. Die spannenden Aufgaben, der respektvolle Umgang miteinander auch in stressigen Zeiten sowie die ständige Bereitschaft, von- und miteinander zu lernen und Herausforderungen mit dem notwendigen Teamgeist anzugehen, haben mich glücklicherweise eines Besseren belehrt, sodass ich mich letztlich doch für den Job als Associate entschieden habe.

6. Ganz ehrlich: Wie oft fragen Sie Freunde oder Familie nach juristischen Rat, weil Sie sich damit doch bestens auskennen?

Zugegebenermaßen recht häufig. Fast genau so häufig muss ich dann aber auch meine Antwort mit dem Disclaimer „Ich bin allerdings kein Miet-/Straf-/Erb-/…-rechtler…“ einleiten. 

7. Wenn Sie nicht Jurist geworden wären, was würden Sie heute machen?

Dann wäre ich wohl Tierärztin geworden und würde eine kleine Praxis betreiben.

8. Was sollte Ihr zukünftiger Kollege (m/w/d) bei Allen & Overy unbedingt mitbringen?

Teamgeist, jederzeit Lust auf kleine und große Herausforderungen sowie Interesse an praxis- und länderübergreifender Zusammenarbeit mit Kollegen und Mandanten.

9. Welche wissenschaftliche Entdeckung hat Sie am meisten beeindruckt?

Die Entwicklung des Buchdrucks: Egal, wie praktisch Handy und Tablet sind, das Gefühl, das man beim Umblättern der letzten Seite eines gutes Buches hat, ist nicht ersetzbar.

10. Was ist Ihre absolute Lieblingsstadt? Und warum?

Meine Wahlheimat Hamburg. Nirgendwo anders sind die Menschen so entspannt nach dem Motto „Leben und leben lassen“, ohne dass das Gegenüber ihnen egal ist. Diese Einstellung prägt die Stimmung in der Stadt und war mir von Anfang an sympathisch.

11. Wie sieht ein perfekter Sonntag für Sie aus?

Ausschlafen, eine entspannte Runde mit Freund und Hund um die Alster drehen, z.B. in der Schanze mit Familie oder Freunden frühstücken gehen und dann den größten Luxus genießen: Ohne Termine spontan schauen, was der Sonntag so bringt.

Verena, vielen Dank für das Interview.



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