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Veröffentlicht am 24.01.2022

Wie ehrlich sollte ich als Jurist*in beim Feedback geben eigentlich sein?

Das neue Jahr ist gestartet und damit auch Zeit, sich neu zu sortieren und in den vielen GesprĂ€chen und Austauschrunden, die stattfinden, ein Feedback zu geben. FeedbackgesprĂ€che sind sehr wichtig, das bezweifelt sicher keiner. Es stellt sich allerdings immer die Frage, wie ehrlich man sein sollte. Hierzu möchte Dir Managementberater und Juristencoach Carmen Schön gerne einige Tipps geben.

Was machst Du, wenn Du in einer Kanzlei arbeitest und diese Dich als Student, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Referendar nach Deinem ehrlichen Feedback fragt? Und bist Du auch gegenĂŒber einem Partner ehrlich, der Dich um die EinschĂ€tzung Deiner Betreuung bittet? Das ist alles sicher so lange kein Problem, wenn Dein Feedback positiv ist und Du die Zusammenarbeit und Betreuung als sehr angenehm empfunden hast. Knifflig kann es aber dann werden, wenn Du auch kritisieren mĂŒsstest und Dir dabei die Frage stellst, ob sich dieses dann negativ auf Deine weitere Karriere dort auswirken könnte.

Folgende Überlegungen können Dir dabei helfen, das richtige „Maß“ fĂŒr Dein Feedback zu finden:

 

 

Überlege Dir immer genau – was ist Dein Ziel

Ein gutes und differenziertes Feedback einer Kanzlei oder Person zu geben, bedeutet fĂŒr Dich auch immer Arbeit und Aufwand. Du musst zuvor die Situation genau analysieren, Beispiele heraussuchen und Dich auf ein derartiges GesprĂ€ch meistens auch vorbereiten, um den richtigen und passenden Ton zu finden. Daher ĂŒberlege Dir immer genau, was ist Dein Ziel und wie wichtig ist es Dir, wirklich alle Punkte zu benennen, die Dir aufgefallen sind. Vielleicht handelt es sich hier um einen einmaligen Kontakt. NatĂŒrlich wĂ€re es auch dann schön, wenn Du dem GegenĂŒber auf Nachfrage ein Feedback geben wĂŒrdest. Möglicherweise hast Du aber persönlich das GefĂŒhl, dass es Dir mehr Aufwand als Nutzen bereiten wĂŒrde. Dann folge bitte auch diesem Impuls.

In Arbeits- und Lerneinheiten, in denen Du öfter tĂ€tig bist – oder auch Menschen, denen Du zukĂŒnftig hĂ€ufig begegnen wirst – ist ein Feedback dagegen immer angebracht. Und auch die damit anfallende Mehrarbeit fĂŒr Dich. Denn in dieser Situation gestaltest Du Deine ArbeitsatmosphĂ€re nachhaltig. Hier hast Du es selbst in der Hand, Kommunikation und Umgang miteinander zu besprechen und zu definieren. Auch wenn Du natĂŒrlich am Ende des Tages immer darauf angewiesen bist, dass der Feedbacknehmer ein Interesse daran hat, Deine RĂŒckmeldung in sein Verhalten zu integrieren. 

 

Wer sitzt auf der anderen Seite?

Du solltest bei der Frage, wie „ehrlich“ Dein Feedback sein sollte auch ĂŒberlegen, wer auf der anderen Seite sitzt. Was ist das fĂŒr ein Mensch, welcher Erfahrung hat dieser in der Vergangenheit mit Feedback gemacht und wie offen ist diese Person, auch konstruktiv kritisiert zu werden?

Wenn Du der Meinung bist, dass Dein GegenĂŒber immer schnell ablenkt und Themen, die Du ansprichst relativiert und nicht wirklich hören möchte, dann ist es sinnlos, weiter in das Feedback einzusteigen.

 

 

Ist kritisch konstruktives Feedback schon gelernt?

Achte zusĂ€tzlich darauf, wie genau die Person mit Deinem Feedback umgeht. Schön wĂ€re es natĂŒrlich, wenn diese nachfragt und interessiert ist. Allerdings gibt es auch Menschen, die weder dieses tun und auch nicht nur relativierend Deine Aussage darstellen, sondern diejenigen, die mit voller verbaler Macht „zurĂŒckschlagen“. Das bedeutet, Dich verbal verletzen und beleidigen. Aus dem Impuls vielleicht heraus, sich selbst zu schĂŒtzen und nicht klein zu fĂŒhlen.

Solltest Du dieses Verhalten beobachten bzw. erleben, rate ich Dir, Dein „ehrliches, konstruktiv gemeintes Feedback“ nicht weiter auszufĂŒhren. Das „Ohr“ der anderen Person ist dann hierfĂŒr einfach nicht offen und es wird weder Dich, noch den Feedbackgeber an dieser Stelle konstruktiv weiterbringen.

 

 

Diplomatisches Geschick

Wie Du bereits sicher weißt ist es wichtig, gerade konstruktive Kritik wohlwollend und ohne Bewertung des anderen zu formulieren. An dieser Stelle daher auch noch einmal mein Tipp an Dich – formuliere Deine Kritik mit FingerspitzengefĂŒhl und sei diplomatisch. Das muss und sollte keinesfalls bedeuten, dass Du Deine Themen nicht platzieren darfst. Allerdings hören Menschen auf unterschiedlichen Ohren und Du möchtest sicher auch, dass Dein GegenĂŒber sich mit Deiner Kritik nicht verletzt und abgewertet fĂŒhlt. Suche also bei der GesprĂ€chsvorbereitung nach der richtigen und passenden „Verpackung“ Deiner Kritik. WĂ€he die Worte, die Du nutzt, bedacht aus und halte Maß, wie viele Themen Du in einem GesprĂ€ch kritisierst.

Kritik zu geben – und auch zu nehmen – ist ein sehr wichtiges Werkzeug fĂŒr Dich, um Dich persönlich weiter zu entwickeln. Nutze also grundsĂ€tzlich immer die Möglichkeit, Dich in dieser GesprĂ€chstechnik zu trainieren und zu optimieren. Ich wĂŒnsche Dir dabei ein „gutes HĂ€ndchen“!