Veröffentlicht am 12.05.2026
Von Kontakten zu Beziehungen: Erfolgreiches Networking beim Einstieg in den Anwaltsberuf
Von Kontakten zu Beziehungen: Erfolgreiches Networking beim Einstieg in den Anwaltsberuf
Der Einstieg in den Anwaltsberuf ist für viele Nachwuchsjurist*innen eine spannende, aber auch herausfordernde Phase. Neue Aufgaben, hohe Erwartungen, fachlicher Druck – und häufig die unausgesprochene Annahme: Wenn ich gute Arbeit in der Kanzlei leiste, wird sich alles Weitere schon ergeben.
Genau hier liegt ein verbreiteter Irrtum. Denn so wichtig fachliche Kompetenz auch ist: Für den langfristigen beruflichen Erfolg im Anwaltsberuf spielt Dein Netzwerk eine zentrale Rolle. Und dieses Netzwerk entsteht nicht automatisch mit dem Einstieg in den Beruf – es will strategisch aufgebaut und bewusst gepflegt werden.
Warum Networking gerade zu Beginn so wichtig ist
Viele junge Anwält*innen unterschätzen beim Berufseinstieg den Stellenwert von Networking und schieben das Netzwerkthema gedanklich auf später. Erst einmal im neuen Umfeld ankommen, dann fachlich sicher werden und das Gefühl zu haben, „gut genug“ zu sein. Doch ein gutes Netzwerk entsteht nicht dann, wenn man es aus beruflichen oder persönlichen Gründen mehr oder weniger dringend braucht, sondern bereits lange vor diesem Moment davor.
Gerade beim Einstieg in den Anwaltsberuf kann ein belastbares Netzwerk entscheidend sein: für fachlichen Austausch, für Orientierung, für neue Perspektiven – und nicht zuletzt für Unterstützung im (Kanzlei-)Arbeitsalltag oder in schwierigen Mandatssituationen.
Denn die Praxis zeigt immer wieder: Karrieren verlaufen selten rein linear oder ausschließlich leistungsbasiert. Vertrauen, Empfehlungen und Sichtbarkeit spielen eine große Rolle. Jede*r Nachwuchsjurist*in, welche*r schon einmal von den eigenen Kontakten profitiert hat, wird sicher bestätigen, dass „Beziehungen oft mehr als die einzelne Leistung tragen.“
Ein gutes Netzwerk ist mehr als eine Kontaktliste
Ein gutes Netzwerk besteht nicht aus möglichst vielen Kontakten, sondern aus der richtigen Mischung aus Quantität und Qualität.
Quantität in puncto Networking bedeutet, regelmäßig neue Menschen kennenzulernen – in der Kanzlei, bei Fortbildungen, auf Veranstaltungen oder über berufliche Netzwerke wie LinkedIn.
Qualität bedeutet, diese Kontakte nicht oberflächlich zu belassen, sondern einzelne gezielt weiterzuentwickeln.
Lose Kontakte sind ein Anfang. Sie werden jedoch erst dann wertvoll, wenn aus ihnen Beziehungen entstehen – zu Menschen, die wissen, wer Du bist, wofür Du stehst und was Du beruflich machst.
Die vier Ebenen eines belastbaren Netzwerks
Um Networking greifbar zu machen, hilft ein Blick auf die vier Ebenen der Grafik unten.
1. Lose Kontakte
Das sind Personen, mit denen Du kurz in Kontakt warst – etwa nach einer Veranstaltung oder über eine digitale Vernetzung über die Plattform LinkedIn. Sie kennen Dich meist nur oberflächlich.
2. Netzwerkpartner*innen
Hier beginnt strategisches Networking durch den Aufbau echter Beziehung zu ausgewählten, bislang losen Kontakten. Ihr habt euch persönlich ausgetauscht, kennt eure jeweiligen Tätigkeitsfelder und Interessen und könnt euch bei Bedarf unterstützen oder auch weiterempfehlen. Solche Kontakte entstehen durch Gespräche – etwa bei einem Kaffee, virtuell oder persönlich.
3. Kooperationspartner*innen
Auf dieser Ebene arbeitest Du mit Menschen aus Deinem Netzwerk, in der Regel Netzwerkpartner*innen, konkret zusammen, zum Beispiel bei fachbereichs- oder kanzleiübergreifenden Mandaten oder anderen Projekten wie fachlichen Publikationen, gemeinsamen Vorträgen oder der Organisation von Veranstaltungen.
4. Multiplikator*innen
Das eigentliche „Gold“ in Deinem Netzwerk sind die Menschen, die über Dich sprechen, wenn Du nicht dabei bist. Diese Schlüsselpersonen empfehlen Dich weiter, bringen Deinen Namen ins Spiel und stärken Deinen Ruf.
Ein belastbares Netzwerk wächst, indem Du regelmäßig ausgewählte lose Kontakte bewusst weiterentwickelst – Schritt für Schritt.
Drei Spielregeln fĂĽr erfolgreiches Networking
Damit Networking funktioniert, solltest Du drei grundlegende Regeln verinnerlichen:
Erstens: Geben.
Unterstütze andere, teile Dein Wissen, stelle Kontakte her – ohne sofort eine Gegenleistung zu erwarten.
Denn Vertrauen entsteht häufig genau dann, wenn Unterstützung selbstverständlich und nicht berechnend wirkt.
Zweitens: Nehmen.
Trau dich, klar zu sagen, wobei Du Unterstützung brauchst. Etwas von anderen zu erbitten ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Klarheit und Professionalität.
Dein Netzwerk kann Dich nur dann unterstützen, wenn es weiß, was Du suchst, brauchst oder erreichen möchtest.
Drittens: Dranbleiben.
Networking ist kein einmaliges Projekt. Beziehungen entstehen durch Kontinuität, Wiederholung und echtes Interesse. Ein regelmäßiger Austausch – auch ohne konkreten Anlass – sorgt dafür, dass der einzelne Kontakt lebendig bleibt und sich langfristig vertieft.
Qualität und Quantität im Alltag verbinden
Networking muss kein zusätzlicher Stressfaktor sein. Schon kleine, regelmäßige Schritte reichen ausregelmäßig neue Kontakte knüpfen, einzelne Beziehungen vertiefen und ausgewählte, bereits bestehende Kontakte durch den gemeinsamen Besuch von Veranstaltungen oder eine Verabredung zum Mittagessen pflegen. Mit überschaubarem Zeitaufwand lässt sich so langfristig ein stabiles Netzwerk aufbauen.
Ein gutes Netzwerk entsteht nicht durch Zufall, sondern durch bewusste Entscheidungen. Für Nachwuchsjurist*innen im Anwaltsberuf bedeutet das: Je früher Du beginnst, Beziehungen aufzubauen, desto mehr (und auch schneller) wirst Du später davon profitieren.
Netzwerken ist kein Selbstzweck. Es ist ein strategisches Instrument, das Dir hilft, Dich zu orientieren, sichtbar zu werden und Deinen beruflichen Weg souveräner zu gestalten. Denn oft zeigt sich der wahre Wert eines Netzwerks genau dann, wenn es wirklich darauf ankommt.
Zur Autorin:
Die Anwältin Dr. Anja Schäfer ist Expertin für Networking & Female Leadership in Kanzleien. Als Karrierementorin unterstützt sie exklusiv Jurist:innen in puncto Personal Branding, Netzwerkaufbau und Sichtbarkeit als Expert:in sowie zur strategischen Ausrichtung bei beruflicher Neu- oder Umorientierung und spricht über diese Themen in ihrem „Juristinnen machen Karriere!“-Podcast.
Zum Podcast: www.juristinnen-machen-karriere.de
