Veröffentlicht am 04.09.2019
Mein Auslandssemester an der University of Auckland, Neuseeland
Meine Entscheidung fĂŒr Neuseeland traf ich im Wesentlichen anhand von drei Kriterien: Erstens wollte ich gerne in ein englischsprachiges Land gehen, um noch einmal mein (Fach-)Englisch zu verbessern. Zweitens bietet Neuseeland als Mitgliedstaat der Commonwelath of Nations die Möglichkeit, einen Einblick in das Common Law im Gegenentwurf zum kontinentaleuropĂ€ischen Civil Law zu erhalten. Und drittens ist Neuseeland einfach sehr weit weg.
So dauerte die Anreise auch etwas mehr als einen ganzen Tag, nur um in einem den norddeutschen Breitengraden nicht unbekannten Dauernieselregen anzukommen. Dazu spĂ€ter noch etwas mehr. Erst einmal startete gleich am nĂ€chsten Morgen der fĂŒr Austauschstudenten verpflichtende EinfĂŒhrungskurs. Daneben habe ich mein Kurrikulum mit den FĂ€chern Evidence, Intellectual Property Law und Competition Law gefĂŒllt. Ein in meinen Augen begrĂŒĂenswerter Umstand ist, dass ich an der University of Auckland die ganz normalen Kurse der einheimischen Undergraduates besuchen konnte, wĂ€hrend es andernorts durchaus ĂŒblich ist, dass die UniversitĂ€ten ein separates Programm fĂŒr die Internationals haben.
Die Unterschiede der Rechtssysteme machten sich auch sogleich beim Studium bemerkbar. Aus Deutschland war ich es gewohnt, Gesetzestexte zu analysieren und deren Tatbestandsvoraussetzungen und Rechtsfolgen mit Hilfe des juristischen Werkzeugkastens auszulegen. Nun hieà es auf einmal, eine Unmenge von Gerichtsentscheidungen zu lesen und auswendig zu lernen. Auch wenn es sehr ungewohnt war, hat sich gerade beim Kurs Evidence dadurch die PraxisnÀhe der Ausbildung gezeigt, in der die Dozentin zumeist einfach aus ihrem Alltag berichtete und anhand dieser FÀlle den Studenten zeigte, wann Beweismittel zulÀssig sind oder wie man einen Zeugen im Kreuzverhör befragt.
Durch die vielen verschiedenen NationalitĂ€ten ergaben sich daneben auch hĂ€ufig noch nach den Vorlesungen spannende Fragen um Recht und Gerechtigkeit. Auch wenn jeder hĂ€ufig doch das ihm Vertraute von Zuhause letztlich am ĂŒberzeugendsten fand, zeigte es doch einmal wieder ganz deutlich: bei Jura gibt es nicht die eine richtige Antwort.
NatĂŒrlich habe ich aber auch versucht, die verbleibende Zeit zu nutzen und dieses vielseitige Land zu bewandern und zu erkunden. Gerade den zweiwöchigen Mid-Term-Break habe ich genutzt, um eine groĂe Rundreise ĂŒber die beiden Inseln mit mehreren neu gefunden Freunden zu machen. Dabei ist die Vielfalt der Natur auf so kleinem Raum fĂŒr jemanden aus der Norddeutschen Tiefebene ein ziemliches Spektakel. Vom eisbedeckten Gletscher schafft man es entspannt innerhalb eines halbtĂ€gigen FuĂmarsches bis zum Strand zum Baden gehen. Jedoch sollte man immer das wechselmĂŒtige Wetter bedenken, das unberechenbar zwischen Sonnenschein und Regenschauern hin- und herschwenken kann.
FĂŒr mich aber war es genau das Richtige und eine bereichernde Erfahrung, die mich wohl ein Leben lang begleiten wird.
