Registrierung

Für Nachwuchsjurist*innen

Du bist Berufseinsteiger, Referendar oder Student mit außergewöhnlichen Leistungen? Sichere Dir alle Vorteile und bewirb Dich jetzt für unser Talentprogramm!

  • Kostenlose Registrierung
  • Top-Kanzleien bewerben sich bei dir
  • Kostenfreie Förderleistungen
  • Mentoring durch berufserfahrene Anwälte
Als Nachwuchsjurist registrieren

Für Berufserfahrene

Du hast bereits erste Berufserfahrung als Associate gesammelt? Lass dich von unseren Partnerkanzleien überraschen und begeistern!

  • Kostenlose Registrierung
  • Sei Teil des exklusivsten Karriere-Netzwerk
  • Top-Kanzleien kommen auf dich zu
  • Anonym deine Jobanfragen verwalten
Als Berufserfahrener registrieren
Veröffentlicht am 26.06.2026

LL.M. im Ausland:„Chicago ist die schönste Stadt Amerikas, du wirst es lieben!“

clavisto Talent Laetitia Breitenbach nimmt uns mit auf ihre LL.M.-Reise nach Chicago. Sie erzählt von ihrem Studienalltag an der Northwestern Pritzker School of Law, internationalen Begegnungen, „Cold Calls“, Deep Dish Pizza und dem Leben am Lake Michigan. Ein lebendiger Erfahrungsbericht über Mut, neue Perspektiven und eine Stadt, die sie am Ende wirklich lieben gelernt hat.

„Chicago ist die schönste Stadt Amerikas, du wirst es lieben!“ Diesen Satz hörte ich oft, als ich von meiner Zusage an der Northwestern Pritzker School of Law berichtete. Doch die Zeit vor meinem LL.M.-Studium war von großer Unsicherheit geprägt. Die Zusage erhielt ich bereits wenige Wochen nach meiner Bewerbung. Ausgerechnet, als ich mich für mein F1-Visum bewerben wollte, setzten das US-Außenministerium die Terminvergabe aus. Niemand wusste, wann wieder Termine verfügbar sein würden und ob ich das Studium überhaupt wie geplant antreten würde. Da das LL.M.-Studium zeitlich perfekt zwischen meinem ersten Staatsexamen und dem Beginn des Referendariats lag, war es für mich die ideale Möglichkeit, diese Zeit sinnvoll zu nutzen. Gleichzeitig musste ich mich jedoch mit der Frage auseinandersetzen, ob mein Traum vom Studium in Amerika überhaupt Realität werden würde. Einen Monat vor dem geplanten Studienstart hatte ich weder ein Visum noch eine Unterkunft. Die Zeit wurde knapp und die Nervosität wuchs. Ich aktualisierte stündlich die Terminseite des Konsulats in Frankfurt am Main, aber stets erfolglos. Als eines Morgens plötzlich Termine verfügbar waren, reservierte ich ohne zu zögern den erstmöglichen Termin. Die Erleichterung war riesig. Endlich war ich meinem Traum, in Amerika zu studieren, einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Nach meinem nur rund zwanzigminütigen Termin im Konsulat hielt ich ca. zwei Wochen später meinen Reisepass inklusive des Visums in den Händen.

Doch damit war die Herausforderung noch nicht beendet. Mittlerweile war es Anfang August und ich hatte immer noch keine Wohnung gefunden. Die Mietpreise waren im Vergleich zu Deutschland deutlich höher, weshalb ich gezielt nach günstigeren Alternativen, wie WG-Zimmern, suchte. Zunächst stieß ich auf ein Wohnhaus, das einzelne Zimmer vermietete. Die Kommunikation gestaltete sich jedoch äußerst schwierig. Mit jeder E-Mail tauchten neue versteckte Kosten auf, die man den Vermittlern regelrecht aus der Nase ziehen musste. Obwohl mein Abflug nur zehn Tage entfernt lag, entschied ich mich gegen dieses Angebot. Meine letzte Hoffnung waren Facebook-Gruppen. Dort fand ich glücklicherweise eine Studentin, die für ihre Zweier-WG eine Nachmieterin von Mitte August bis Ende Mai suchte - exakt der Zeitraum meines LL.M.-Studiums. Bereits am nächsten Tag telefonierten wir miteinander, und nur drei Tage später hatte ich den Mietvertrag unterschrieben. Besonders bemerkenswert war, dass ich nicht in irgendeinem Wohnhaus in Chicago wohnte. Die Wohnung befand sich im River City Building, einem ikonischen Gebäude des renommierten Chicagoer Architekten Bertrand Goldberg. Auch die Lage hätte kaum besser sein können. Das Gebäude liegt direkt am Chicago River und an der Loop, dem Knotenpunkt des Straßenverkehrsnetzes. Viele der bekanntesten Sehenswürdigkeiten, wie die Bean oder das Art Institute, waren bequem zu Fuß erreichbar. Nach Wochen voller Unsicherheit hatte sich schließlich alles gefügt – dem Start meines amerikanischen Abenteuers stand nun nichts mehr im Weg.

Den Studienauftakt bildete die „Orientation Week“ mit zahlreichen Einführungsveranstaltungen. In den Pausen bot sich die Gelegenheit, die ersten Mitstudierenden aus allen Programmen (J.D., MSL und LL.M.) kennenzulernen. Die ersten Tage waren mit Abstand die intensivsten, da ich nicht nur versuchte, die universitären Abläufe zu verstehen, sondern gleichzeitig möglichst viele neue Leute – und vor allem Freunde – kennenlernen wollte. Auch privat organisierten wir schnell Treffen. Bereits in den ersten Tagen fand ein gemeinsamer Abend der LL.M.-Studenten auf einer Dachterrasse statt. Rückblickend war es ein verrückter Abend, an dem alle versuchten, möglichst viele andere Studierende kennenzulernen, ohne zu wissen, wer am Ende zu den engsten Freunden gehören würde.

In der darauffolgenden Woche starteten die Vorlesungen. Für jeden Kurs mussten wir ein Lehrbuch kaufen. Preise für Lehrbücher von etwa 300 € pro Buch waren keine Seltenheit. Darüber hinaus verfügte jeder Kurs über einen „Reading Schedule.“ Vor jeder Unterrichtsstunde mussten wir die zugewiesenen Texte vorbereiten, denn einige Professoren arbeiteten mit „Cold Calls“, bei denen sie Studierende ohne Vorwarnung aufriefen. Einer meiner Professoren behielt die ausgewählte Person sogar für die gesamte Stunde bei, sodass sie sämtliche Fragen zum jeweiligen Fall beantworten musste. Ebenso gab es Professoren, die auf eine freiwillige Beteiligung setzten, was mit Seminaren an deutschen Universitäten vergleichbar war. Auch die Abschlussprüfungen waren mit deutschen Prüfungsmethoden vergleichbar. Es gab Klausuren, Präsentationen sowie kurze Hausarbeiten. Gelernt habe ich überwiegend in der Jurabibliothek, die einen unmittelbaren Blick auf den Lake Michigan bot. Jedes Mal war ich aufs Neue von der Größe des Sees überwältigt, der eher an ein Meer erinnert.

Die neun Monate in Chicago vergingen wie im Flug. Kaum hatte ich mich eingelebt, stand schon die Graduation im Chicago Theater bevor. Die Location war einzigartig und unterstrich den feierlichen Anlass. Während meiner Zeit in Chicago hatte ich das Glück, einen Anwalt kennenzulernen, der Alumnus der Northwestern University war. Als NU-Alumnus konnte ich ihn als meinen „Hooder“ (Person, die die akademische Kapuze über die Schultern legt) benennen, was der Graduierungszeremonie eine persönliche Note verlieh.

Neben dem Studium gab es in Chicago jeden Tag etwas zu entdecken, sei es von Museen bis hin zum Essen mit der traditionellen Deep Dish Pizza. Mit die größten Events waren der grün gefärbte River zum Saint Patrick´s Day, sowie die Holiday Train und der deutsche Weihnachtsmarkt, in der bis zu -30° Celsius kalten Adventszeit.

Insgesamt war die Zeit in Chicago persönlich sowie akademisch von unschätzbarem Wert. Besonders wertvoll war die Möglichkeit, so viele internationale StudentInnen kennenzulernen, denen ich sonst nie begegnet wäre. Darüber hinaus war es eine einzigartige Erfahrung, für mehrere Monate in den USA zu leben und den amerikanischen Alltag aus nächster Nähe kennenzulernen. Ein LL.M.-Studium in Chicago ist eine Erfahrung, die ich jedem wärmstens empfehle. Rückblickend kann ich sagen: 

Chicago ist die schönste Stadt Amerikas, du wirst es lieben!