Veröffentlicht am 03.04.2019
Entwicklungsmöglichkeiten bei Hogan Lovells - Nico Kuhlmann im Interview
1. Lieber Nico, Du bist bereits seit 2015 bei Hogan Lovells, zunĂ€chst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit Anfang des Jahres als Associate im gewerblichen Rechtsschutz. Warum wĂŒrdest Du Dich immer wieder fĂŒr genau diese Kanzlei entschieden?
Wegen der Kolleginnen und Kollegen. Es gibt viele verschiedene juristische Arbeitgeber und jeder muss fĂŒr sich entscheiden, welche Arbeitszeiten, welches Gehalt und welche beruflichen Freiheiten man haben möchte. Wenn diese Entscheidung gefallen ist, kommt es anschlieĂend meiner Meinung nach hauptsĂ€chlich auf die Kolleginnen und Kollegen vor Ort und auf den persönlichen Umgang miteinander an. Wenn man eine nicht unerhebliche Zeit der Woche im BĂŒro verbringt, dann sollte man sich auf die Kaffeepause mit dem BĂŒronachbarn und das kurze GesprĂ€ch in der KĂŒche freuen. Dies ist bei mir bei Hogan Lovells unabhĂ€ngig vom Standort immer der Fall gewesen.
2. Was war die gröĂte VerĂ€nderung beim Wechsel vom wissenschaftlichen Mitarbeiter zum Associate?
Die ArbeitsauftrĂ€ge wurden gröĂer und unbestimmter. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bekommt man normalerweise eine konkrete Aufgabe mit einem klar definierten Arbeitsergebnis, welches innerhalb einer bestimmten Zeit erstellt werden soll. Als Anwalt muss man regelmĂ€Ăig selbst erst einmal herausfinden, was in der konkreten Situation die nĂ€chsten sinnvollen Arbeitsschritte sein könnten, wie man diese am besten umsetzt und welcher zeitliche Einsatz angemessen ist.
3. Du zĂ€hlst zu den fĂŒhrenden Legal-Tech-Pionieren in Deutschland und hast zahlreiche Initiativen zu diesem Thema ins Leben gerufen. Was fasziniert Dich besonders an Legal Tech?
Sehr gute Frage. Unter dem Begriff Legal Tech verstehe ich vereinfacht gesagt die digitale Transformation der Rechtsbranche. Die Frage wĂ€re also in ungefĂ€hr so, als wenn man einen Pferdekutscher im 18. Jahrhundert gefragt hĂ€tte, warum er sich fĂŒr die Erfindung des Verbrennungsmotors und insgesamt die industrielle Transformation interessiert. Die Antwort ist einfach: Weil es keine andere Entwicklung gibt, die einen gröĂeren Einfluss auf die Art und Weise haben wird, wie wir leben und somit auch wie wir arbeiten. Mein Anspruch ist dann diese Entwicklung selbst mit voranzutreiben und die Zukunft nach meinen Vorstellungen mitzugestalten.
4. Was sind Deiner Meinung nach die gröĂten VerĂ€nderungen, die die digitale Transformation fĂŒr die Arbeit in Kanzleien und bei Gerichtenmit sich bringt?
Diese Frage wiederum ist gar nicht einfach zu beantworten. Es wird meiner Meinung nach in den nĂ€chsten Jahren und Jahrzehnten keine Roboter-AnwĂ€lte oder Roboter-Richter geben, die eine schwarze Robe tragen und im Gerichtssaal mit einander verhandeln. Aber diese braucht es auch gar nicht, um grundlegende VerĂ€nderungen hervorzurufen. Juristische Berufe bestehen zu einem groĂen Bestandteil daraus Texte zu lesen und auszuwerten sowie anschlieĂend darauf aufbauend neue Texte zu erstellen. Das sind jeweils Prozesse, die sich grundsĂ€tzlich sehr gut fĂŒr eine Automatisierung eignen. Die Frage ist dann lediglich, welcher Einzelaspekt noch vom Menschen erledigt werden sollte und welche Routine-AblĂ€ufe man besser dem Computer ĂŒberlĂ€sst. Die viel gröĂere VerĂ€nderung wird aber vermutlich nicht durch geĂ€nderte ArbeitsablĂ€ufe in Kanzleien und Gerichten hervorgerufen werden, sondern durch neue Anbieter auf dem Rechtsmarkt, die völlig neue Produkte und Dienstleistungen anbieten und dadurch die Erfahrungshaltung der Rechtssuchenden grundlegend verĂ€ndern werden. Die erfolgreichsten digitalen GeschĂ€ftsmodelle der Welt sind so erfolgreich, weil sie es geschafft haben, bestehende MĂ€rkte neu zu bespielen oder sogar grundlegend neue MĂ€rkte zu schaffen. Diese sogenannte Disruption hat dann immer enorme Auswirkungen auf die etablierten Strukturen. Wie eine solche disruptive Entwicklung im Detail auf dem Rechtsmarkt aussehen könnte, bin ich mir bisher auch noch nicht abschlieĂend sicher, aber mir ist kein gutes Argument bekannt, warum es ausgerecht auf dem Rechtsmarkt nicht passieren soll.
5. Du hast den ersten deutschlandweiten Legal-Tech-Wettbewerb fĂŒr Studierende initiiert. Vielleicht beschreibst Du uns kurz die Idee und die Zielsetzung dieses Wettbewerbs.
Mein Ziel war und ist es den Studierenden einen Anreiz zu geben, sich selbst aktiv mit der digitalen Transformation auseinanderzusetzen. An den deutschen UniversitĂ€ten wird â wenn ĂŒberhaupt â nur ĂŒber einzelne Aspekte der Digitalisierung gesprochen. Aber dass die Studierenden einmal die Ărmel hochkrempeln und sich fragen, was sie selbst tun können, wird kaum gefördert. Darum habe ich die Legal Tech Competition ins Leben gerufen, an der Studierende mit eigenen Ideen und eigenen Tools teilnehmen und gegeneinander antreten können. Die besten Teams werden zum Finale eingeladen und dĂŒrfen vor einer fachkundigen Jury pitchen. Alle Finalisten bekommen anschlieĂend einen Geldpreis, um die Projekte weiter vorantreiben zu können.
6. Inwiefern spielt Legal Tech eine Rolle in Deinem beruflichen Alltag als Anwalt?
Bei dieser Frage kommt es wieder ein wenig darauf an, was man unter Legal Tech versteht. NatĂŒrlich arbeiten wir in der Kanzlei mit Software zur Dokumentenautomatisierung und Dokumentenanalyse. Zudem haben wir beispielweise im Jahr 2018 einen Hackathon durchgefĂŒhrt, in dessen Rahmen wir Tools fĂŒr uns und unsere Mandanten entwickelt haben, die nun bei konkreten Rechtsfragen unterstĂŒtzen. SchlieĂlich bin ich bei uns in einer weltweiten Arbeitsgruppe, die sich speziell mit disruptiven Innovationen auf dem Rechtsmarkt beschĂ€ftigt, um diese frĂŒhzeitig zu identifizieren. Aber meine Kolleginnen und Kollegen sind noch alle aus Fleisch und Blut und statt einer Video-Konferenz ziehe ich â wenn möglich â eine Besprechung an der frischen Luft auf der Dachterrasse vor.
7. Bei Deiner Leidenschaft fĂŒr Deinen Job traut man sich kaum zu fragen. Dennoch: Wenn Du heute nicht Anwalt wĂ€rst, welcher Job könnte Dich sonst begeistern?
Interessante Frage. In einem anderen Leben wĂ€re ich vielleicht Reiseblogger. TatsĂ€chlich verreise ich unglaublich gern in fremde LĂ€nder und schreibe meine Erfahrungen wĂ€hrenddessen in meinem privaten Reisetagebuch auf. Zudem fotografiere ich sehr gern. Wenn ich durch diese TĂ€tigkeiten Geld verdienen wĂŒrde, könnte dies eine ernstzunehmende Alternative zu meinem Beruf als Anwalt sein.
8. Wie startet ein typischer Arbeitstag eines digital-affinen Anwalts in einer fĂŒhrenden Wirtschaftskanzlei?
Wie bei jedem anderen auch: mit Kaffee.
9. Welche Kompetenzen sollte ein Anwalt unbedingt mitbringen, der sich in seinem Beruf mit der digitalen Transformation beschÀftigen möchte?
Neugierde, Einsatzbereitschaft und eine Grundeinstellung mit dem Status Quo nicht zufrieden zu sein. Bei allem Hype ist die digitale Transformation eine langwierige Angelegenheit, die ein stÀndiges Hinterfragen voraussetzt und wahrscheinlich niemals wirklich abgeschlossen sein wird.
10. Welche drei Begriffe assoziierst Du mit Hogan Lovells?
ProfessionalitÀt, InternationalitÀt und Vielfalt
Nico, vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch!
