Veröffentlicht am 30.07.2020

Der ideale erste Job als Jurist – gibt es das?

1. Womit genau fühlst Du Dich wohl und in welchem Umfeld kannst Du Deine Stärken einbringen?

In deinem ersten Job geht es zunächst darum, erfolgreich in die Berufspraxis zu starten und Dir das Gefühl zu vermitteln, dass Du mit Deinem Wissen die an Dich gestellte Aufgaben erfolgreich und zielführend beantworten kannst. Es geht darum Dir das Gefühl zu vermitteln, dass Du gut bist und in der Lage, Dein erlerntes Wissen im beruflichen Alltag auch anzuwenden.
Eine derartige Erfahrung macht Dich sicher(er) und fördert Dein Selbstvertrauen. Und je mehr Du hiervon hast und in der ersten Zeit aufbauen kannst, desto schneller wirst Du Dich weiterentwickeln und Dir neue und größere Aufgaben zutrauen. Genau diese Erfahrung wirst Du vor allem in einem juristischen Jobumfeld sammeln können, in dem Du Deine Stärken und Begabungen einbringen kannst, denn dann geht Dir die Arbeit „leicht von der Hand“.
Daher solltest Du in Deinem Berufseinstieg nicht nur darauf achten, wo Du am meisten verdienen kannst, sondern vor allem auch darauf, wo Du Deine Stärken einbringen und zeigen kannst und Dein Arbeitgeber bereit ist, diese auch einzusetzen und zu fördern. Ob dieser erste Job in einer Kanzlei, einem Unternehmen oder im Staatsdienst zu finden ist, ist dabei nicht ganz so entscheidend. Denn in jeder dieser Positionen wird es zunächst um eines gehen – theoretisches Wissen in praktische Umsetzung und Leistung zu wandeln und einen ersten Kontakt mit dem beruflichen Alltag herzustellen. Aber auch bei der Wahl Deines zweiten oder dritten Jobs solltest Du immer darauf achten, was Dir leichtfällt und wie Du unter Einsatz Deiner individuellen Stärken Deinen Arbeitgeber bereichern und unterstützen kannst. Allerdings solltest Du dabei beachten, dass Du nach wenigen Jahren Berufserfahrung deutlich leichter den Bereich und die Branche wechseln kannst, als wenn Du bereits 5-10 Jahre kontinuierlich in einem Bereich gearbeitet hast. Denn ein neues Einarbeiten und auch Umdenken wird Dir dann deutlich schwerer fallen.

2. Was genau möchtest Du in Deiner Karriere erreichen?

Aber diese Erkenntnis ist nicht die ganze Wahrheit und es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass der erste juristische Job Deinen weiteren beruflichen Weg in eine gewisse Richtung weisen kann. Nicht allein aufgrund der Tatsache, dass Du als Jurist nicht jederzeit Dich auch in andere, neue Aufgaben und Themenfelder einarbeiten kannst. Vielmehr aus der Sicht eines potentiellen Arbeitgebers, der gewisse berufliche Karrierewege im Kopf hat und sich an diesen Modellen möglicherweise auch orientiert. Und dieses solltest Du beachten. Die von mir beschriebenen berufliche Zuweisungen sind nur eine generelle Darstellung, von denen Ausnahmen natürlich jederzeit möglich sind.
Also, was genau bedeutet es, wenn Du als Deinen ersten juristischen Job diese Arbeitsfelder auswählst?

Die Großkanzlei als erster Job
In einer Großkanzlei hast Du die Möglichkeit, juristisches Expertenwissen aufzubauen und Dich auszuprobieren, ob Dir die anwaltliche Tätigkeit liegt. Mit dieser Wahl als ersten Job legst Du Dich überhaupt noch nicht fest. Du kannst danach überlegen, ob Du Karriere in dieser Kanzlei machen möchtest, in eine kleinere Kanzlei wechseln, in ein Unternehmen oder auch in den Staatsdienst gehen möchtest. Daher wählen viele Juristen diesen Weg als einen idealen ersten Jobeinstieg.

Der Einstieg in eine kleine oder mittelständische Kanzlei
Solltest Du Deinen ersten juristischen Job in einer mittelständischen oder kleineren Kanzlei suchen, dann hast Du auch aus dieser Position heraus danach viele weitere Optionen. Je nachdem, wie Deine Examensnoten aussehen, kannst Du auch nach diesem Berufseinstieg noch in eine Großkanzlei wechseln. Allerdings solltest Du bedenken, dass Du in kleineren Kanzleien möglicherweise nicht nur in speziellen Rechtsgebieten eingesetzt wirst und eventuell „breiter“ arbeiten musst. Daher kann es sein, dass Du nur bedingt die Möglichkeit hast, Expertenwissen aufzubauen.

Dein Karrierestart in einem Unternehmen
Aber auch der erste Job als Unternehmensjurist kann für Dich sehr erfolgreich uns passend sein. Auch hier werden auf Dich sicher verschiedenste Aufgaben zukommen und es gilt, sich als serviceorientierter und unternehmerisch denkender Jurist zu präsentieren, der sich selbst als interner Dienstleister der anderen Fachabteilungen definiert. In nur seltenen Fällen wirst Du Dich von Anfang an als reiner Experte entwickeln können – es sei denn, Du bist ausschließlich für gewisse Aufgaben zuständig. Natürlich kannst Du Dich auch nach diesem Jobeinstieg danach für eine Kanzlei oder den Staatsdienst entscheiden. Allerdings zeigt die Praxis, dass viele Juristen, die einmal in einem Unternehmen gestartet sind, diesem Berufszweig treu bleiben und ihre Karriere hier weitersuchen.

Der Staatsdienst oder eine behördliche Einrichtung
Auch ein Einstieg als Jurist in den Staatsdienst oder einer behördlichen Einrichtung kann äußerst attraktiv für Dich sein. Und auch diese Positionen sind selbstverständlich keine „Sackgasse“ und es gibt danach die Möglichkeit, in eine Kanzlei oder in ein Unternehmen zu wechseln. Allerdings gibt es auch hier Erfahrungswerte, dass Juristen, die einmal im Staatsdienst oder einer behördlichen Einrichtung „Fuß“ gefasst haben, gerne bleiben und dort ihre Karriere weiter beschreiten.

Also – jeder berufliche Einstieg ist für Dich möglich und Du hast danach immer noch die Option, in einen anderen Bereich zu wechseln – warte damit aber nicht zu lang. Und denke bitte beim ersten juristischen Job immer daran – wähle diesen danach aus, wo Du Deine Stärken leben kannst und die „Chemie“ passt. Viel Erfolg und ein gutes Händchen bei Deiner Wahl!

 

 



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