Rechtsanwalt in New York

Als Rechtsanwalt in New York: Alles ganz anders?
Aufstehen, frühstücken, zur U-Bahn gehen, die mal wieder total überfüllt ist. Kurz nach neun Uhr Ankunft im Büro, mit einem Kaffee in der Hand lese ich die ersten E-Mails des Tages. So ungefähr beginnt ein ganz normaler Arbeitstag für mich – und sicherlich auch für die meisten anderen deutschen Rechtsanwälte in Wirtschaftskanzleien. Eine Besonderheit ist jedoch, dass mein Blick bei meinem morgendlichen Ritual auf die in der Sonne funkelnden Fassaden der umliegenden Wolkenkratzer in Midtown Manhattan fällt. Denn ich arbeite als einer von vier Rechtsanwälten im Representative Office von Noerr LLP in New York. So bunt und vielfältig wie das Leben in New York sind auch meine Aufgaben als Anwalt dort. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Mandatsarbeit, die Referendarausbildung und das Business Development.

Wie kommt man eigentlich nach New York?
Aber fangen wir doch vielleicht mit der spannendsten Frage an: Wie kommt man eigentlich dazu, als deutscher Rechtsanwalt in New York zu arbeiten? Für mich begann der Weg nach New York bereits in Deutschland während meines Jurastudiums in Greifswald. Ich hatte mich bewusst für die Uni Greifswald entschieden, um hier den Abschluss Bachelor of Laws zu erlangen. Dieser international ausgerichtete Abschluss sollte den Weg an eine Law School in Großbritannien oder in den USA ebnen. Am Ende kam es dann doch anders: Erst nach bestandenem Ersten Staatsexamen ging es für mich an die New York University School of Law zum LL.M.-Studium. Während des Studiums in den USA hatte ich Gelegenheit, bei Recruiting-Veranstaltungen nahezu alle großen Wirtschaftskanzleien kennenzulernen. Hier begann auch der Kontakt zu Noerr, der über meine Wahlstation im New Yorker Büro bis hin zum Einstieg als Anwalt im selbigen Büro nie abgerissen ist. Letztlich gehörte auch eine große Portion Glück dazu – denn ohne eine freie Stelle und eine Bewerbung zur rechten Zeit wäre ich jetzt nicht hier.

Mandatsarbeit und Ausbildung.
An erster Stelle steht auch in New York die Mandatsarbeit. Das New Yorker Representative Office berät dabei nicht im US-Recht. Vielmehr arbeite ich zusammen mit meinen Kollegen in Deutschland an Mandaten, die meist einen grenzüberschreitenden Bezug aufweisen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei eine effektive Kommunikation und gutes Teamwork. Schließlich arbeite ich durch die Zeitzonen-Unterschiede oft dann, wenn meine Kollegen in Deutschland nicht mehr im Büro bzw. erreichbar sind. Sie müssen sich gleichwohl darauf verlassen, dass meine Arbeitsergebnisse, die sie am Morgen im Posteingang vorfinden, gut verwertbar sind. Gerade für einen Berufsanfänger wie mich war dies am Anfang nicht immer einfach. Man muss die gestellten Arbeitsaufträge genau verstehen, Probleme antizipieren und durch Rückfragen eventuelle Unklarheiten ausräumen. Vor diesen Herausforderungen stehen natürlich auch Associates in Deutschland; für mich werden sie aber durch die große Entfernung zu meinen Kollegen noch potenziert. Wenn man sich als Berufsanfänger hiervon nicht entmutigen lässt, kann man in solchen Situationen viel lernen und enorm für das weitere Berufsleben profitieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt meiner Arbeit ist die Ausbildung von Referendaren. Über das gesamte Jahr hinweg unterstützen uns zwei bis drei Referendare im New Yorker Büro bei allen anfallenden Tätigkeiten. Die Möglichkeit, so früh in die Referendarbetreuung einbezogen zu werden, ist ein Privileg der überschaubaren Größe unseres Büros in New York. Davon profitieren auch unsere Referendare: Aufgrund der Nähe zur eigenen Ausbildung kann ich eine besonders intensive Betreuung gewährleisten und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Business Development.
Eine große Besonderheit meiner Tätigkeit in New York ist, dass auch der Bereich Business Development schon in den ersten Berufsjahren zu meinem Aufgabenspektrum gehört. Dies umfasst Marktanalysen in den USA, aber auch den direkten Kontakt zu Kanzleien und Mandanten in Nordamerika. Durch unsere Bemühungen pflegen und erweitern wir das Netzwerk von Noerr, indem wir auf Veranstaltungen gezielt interessante Kontakte ansprechen bzw. durch die Organisation von eigenen Events und Seminaren neue Kontakte hinzugewinnen.

Gleichzeitig versuchen wir, durch unseren Außenauftritt das Markenimage von Noerr in Nordamerika zu festigen. Dies ist eine spannende und zugleich herausfordernde Tätigkeit. Der Kontakt zu Kanzleien und Mandanten in Nordamerika erfordert eine positive Hartnäckigkeit und eine gehörige Portion kulturelle Anpassungsfähigkeit. Auch hierbei versuchen wir unsere Referendare aktiv einzubeziehen, um ihnen durch die Erfahrungen in New York einen Vorteil für ihre spätere berufliche Tätigkeit zu verschaffen.

Fazit.
Meine Tätigkeit in New York kombiniert die Vorteile einer kleinen Kanzlei – Eigenverantwortung und Abwechslung – mit den Vorteilen einer Großkanzlei: Teamwork, spannende Mandate und Unterstützung durch Support-Abteilungen. Es ist sicherlich der interessanteste Job, den ich mir vorstellen kann. Nicht zuletzt heißt es doch: „If you can make it here…“ – ahh, you know the rest!