Meine Wahlstation in London

Viele Menschen verbinden London nur mit Fish and Chips, Tee mit Milch, schlechtem Essen und noch schlechterem Wetter. Für mich war London aber schon immer der Ort, an dem ich die Wahlstation meines Referendariats verbringen wollte. Gleichzeitig war es mir auch wichtig, während dieser Zeit in möglichst vielen Teilgebieten des deutschen Zivilrechts tätig zu sein. Diese selten anzutreffende Kombination ermöglichte mir Noerr. Das Londoner Büro der Kanzlei berät seine deutschen und ausländischen Mandanten ausschließlich im deutschen Recht. Während des Beginns meines Referendariats hatte ich schon ein Jahr lang in Nebentätigkeit im Frankfurter Büro von Noerr im Bereich Tax & Private Clients gearbeitet. Dabei konnte ich die Kanzlei und viele ihrer Anwältinnen und Anwälte bereits gut kennen lernen.

Als sich die Möglichkeit ergab, meine Wahlstation in London zu absolvieren, zögerte ich nicht lange. Noerr eröffnete sein dortiges Büro im Jahr 2010. Es liegt ungemein zentral in der berühmten Londoner „City“, dem wohl bedeutendsten Banken- und Finanzzentrum Europas, und bietet aus dem 40. Stock eines Wolkenkratzers einen überwältigenden Blick über die Stadt an der Themse. Im Büro wurde ich überaus freundlich aufgenommen. Es herrscht dort eine sehr familiäre Atmosphäre. Beim Barbecue, welches einer der Partner für das gesamte Kanzlei-Team bei sich zuhause veranstaltete, und beim für London typischen Feierabenddrink konnte man die Kolleginnen und Kollegen dann auch noch außerhalb des Büros näher kennenlernen. Beim wöchentlich stattfindenden Referendarsstammtisch gab es zudem die Möglichkeit sich mit Referendaren aus ganz Deutschland auszutauschen.

Zu Beginn meiner Station arbeitete ich an Problemen aus dem allgemeinen Zivilrecht. Daraufhin war ich im Bereich Gesellschaftsrecht tätig. Die meiste Zeit beschäftigte ich mich allerdings mit Themen aus dem Bereich Corporate Finance. Bei einem Kick-off-Meeting konnte ich hautnah die Zusammenarbeit zwischen einer Bank und der Kanzlei bezüglich einer Projektfinanzierung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien miterleben. Etwa zur Mitte meiner Wahlstation erhielt ich die Möglichkeit, an der Summer Academy der Humboldt European Law School teilzunehmen, welche zu dieser Zeit in London für deutsche, englische und französische Jurastudenten stattfand und unter anderem von Noerr veranstaltet wurde. Das Thema der Academy war die „Corporate Citizenship“, also das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen, welches speziell aus dem anwaltlichen Blickwinkel betrachtet wurde. Gegen Ende meiner Wahlstation konnte ich schließlich auch noch ein Seminar zum Thema Non-Performing Loans (Notleidende Kredite) besuchen.

Mein für mich zuständiger Ausbilder kümmerte sich jederzeit hervorragend um mich und achtete darauf, dass ich an möglichst vielen abwechslungsreichen Themen mitarbeiten konnte. Unter anderem arbeitete ich standortübergreifend mit Kolleginnen und Kollegen aus New York, Berlin und Frankfurt. Die Anwältinnen und Anwälte vertrauten den Wissenschaftlichen Mitarbeitern, Praktikanten und Referendaren durchweg anspruchsvolle Aufgaben an. Es wurde dennoch stets darauf geachtet, dass diese genügend Zeit haben, um die schier endlosen Freizeitmöglichkeiten Londons erkunden zu können. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen verlief äußerst kollegial und höchst professionell.

Mein Fazit: Der Aufenthalt in London war ein absoluter Erfolg. Ich sammelte wertvolle Erfahrungen, begegnete vielen netten und interessanten Menschen und lernte die Stadt als unglaublich lebendig und vielseitig kennen. Fish and Chips ist sehr lecker, Tee mit Milch schmeckt besser als gedacht, das Londoner Essen ist dank der asiatischen und indischen Einflüsse überaus abwechslungsreich und das Wetter war, entgegen aller anderslautenden Prophezeiungen, ausgezeichnet.