Kartellrecht bei Noerr – jeder Tag ist anders

An seinem seinem Job als Anwalt im Kartellrecht reizt Sebastian Janka, Associated Partner von Noerr LLP, vor allem, dass er immer wieder neu in Branchen, Märkte und das jeweilige Business des Mandanten eintauchen kann – und muss, denn nur so lassen sich Sachverhalte rechtlich richtig einordnen und die beste Strategie wählen. Häufig
streift seine facettenreiche Arbeit für globale Akteure auch internationales Recht. Einer seiner spannendsten Fälle führte ihn für einen Mandant aus der Spezialchemie im Rechtsstreit mit der Europäischen Kommission und ehemaligen Muttergesellschaften sowohl vor den Bundes-, als auch parallel vor den Europäischen Gerichtshof – Verfahren, die sich über fast zehn Jahre weiterentwickelt haben und zum Teil noch andauern.

Der Fall begann mit einem sogenannten Dawn Raid: Eine Durchsuchung im frühen Morgengrauen durch die Ermittler der Europäischen Kommission. Tritt diese Situation ein, heißt es für den Anwalt sofort ausrücken, um den Mandant zu unterstützen. Gerade in Hinblick auf den Zeitdruck und für die anschließende Aufarbeitung des Tatvorwurfs wird dabei je nach Fall ein starkes Team von gut und gerne 25 bis 30 Anwälten oder mehr benötigt.

Während einer solchen Durchsuchung sowie im Nachgang gilt es für die Anwälte, einen kühlen Kopf zu behalten: Jetzt muss schnell ein Überblick gewonnen und wichtige Entscheidungen getroffen werden. Was ist an dem Vorwurf dran? In welchem Umfang soll mit der ermittelnden Behörde kooperiert werden? Was bringt mir die Kooperation, welchen Aufklärungsbeitrag kann ich als Unternehmen leisten? Was sind negative Folgen der Zusammenarbeit? Im Einzelfall kann es dabei um Minuten gehen: Bei der Kooperation mit den Behörden durch das Stellen eines sogenannten Kronzeugenantrages wird entsprechend des Antragszeitpunkts belohnt. Wer schneller einen ›Marker‹ setzt und Kooperationswilligkeit signalisiert, hat größere Chancen auf eine höhere Reduktion des Bußgeldes.

Die Durchsuchung mündete nicht ›nur‹ in ein Bußgeldverfahren mit der Europäischen Kommission und der gerichtlichen Anfechtung bis zum Europäischen Gerichtshof, sondern zog zwei weitere, sogenannte follow-on-Klagen nach sich. Dabei handelte es sich um zivilrechtliche Schadensersatzklagen gegen die vermeintlichen Kartellanten  durch zwei ehemalige Mutterkonzerne. Eine der beiden ›Mütter‹ zog bis vor den Bundesgerichtshof, daneben ist auch noch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof anhängig.
Quelle: Audimax, Mai 2016, www.audimax.de