WissMit in Frankfurt und Hamburg

Der spontane Einstieg
Mit dem Eintreffen der Ergebnisse des ersten Staatsexamens wuchs in mir der Traum vom Referendariat im schönen Hamburg. Da es bis zum nächsten Einstellungstermin aber noch ein paar Monate waren, überkam mich recht spontan die Idee, die Zeit durch eine Tätigkeit in einer Großkanzlei zu überbrücken. Auf Latham & Watkins wurde ich bei einem Fakultätskarrieretag an der Universität Würzburg aufmerksam. Nach einem netten Gespräch am Messestand entschloss ich mich noch am selben Abend, eine Bewerbung abzuschicken. Die Einladung zum Bewerbungsgespräch folgte prompt und so fuhr ich nach Frankfurt, um erstmals nervös im schicken Fahrstuhl einer internationalen Großkanzlei zu stehen.

Diese Aufregung wurde mir aber schnell genommen, als ich sehr freundlich von einem Counsel und einer Associate begrüßt wurde. Die beiden nahmen sich sehr viel Zeit und beantworteten geduldig meine Fragen. Abgelöst wurden sie von einem Partner und zwei weiteren Associates. Nach insgesamt zwei Stunden trat ich dann die Heimreise mit dem Gefühl an, einen netten Nachmittag verbracht zu haben. Noch im Zug nach Würzburg erhielt ich ein Angebot, als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Litigation zu arbeiten. Da ich noch ein anderes Gespräch abwarten wollte, zögerte ich noch mit der Zusage, entschied mich dann aber für Latham & Watkins, weil mich die außergewöhnliche Offenheit und Ehrlichkeit im Bewerbungsgespräch überzeugt hatte. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue.

Aus der Provinz in die Großkanzlei
Wenige Tage später pendelte ich jeweils vier Tage die Woche von Würzburg nach Frankfurt. Anfangs von der Größe des Büros in der „Frankfurter Welle“ überwältigt, fand ich mich recht schnell zurecht, was nicht zuletzt an meiner netten Mentorin lag. Schnell durfte ich bei zwei spannenden Mandanten mitarbeiten und erhielt viele Einblicke in den Bereich Litigation. Da ich mich persönlich auf den Bereich noch nicht festgelegt hatte, nutzte ich die Gelegenheit, auch für andere Departments Aufgaben zu erledigen. Neben zahlreichen rechtlichen Recherchen und Memoranden hatte ich auch Gelegenheit, zusammen mit zwei anderen wissenschaftlichen Mitarbeitern an einem Schriftsatz zu arbeiten. Die Arbeitsaufträge erteilten die Anwälte stets verständlich und meist verbunden mit einem kurzen Gespräch, um sich etwas kennenzulernen. Offene Fragen wurden gerne beantwortet, die Arbeitsatmosphäre war freundlich und angenehm. Dazu trugen auch die „open door policy“ und das – jedenfalls gegenüber Associates – übliche „Du“ bei.

Aber nicht nur unter den Anwälten machte sich ein freundschaftliches Klima bemerkbar, sondern auch im Kreis der Referendare, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Praktikanten konnten rasch gute Kontakte geknüpft werden. Fast täglich verabredeten wir uns, um gemeinsam in der Innenstadt Mittag zu essen.

Der Wechsel an die Alster
Die Zeit verging auf diese Weise wie im Flug. Schneller als gedacht stand der Umzug nach Hamburg an. Wegen der knappen Unterhaltsbeihilfe für Referendare wollte ich während der einzelnen Stationen gerne einen Tag pro Woche in einer Kanzlei arbeiten. Weil mir die Zeit in Frankfurt so gut gefallen hat, sprach ich das Thema bei Latham im Frankfurter Büro an, das mir kurzfristig den Kontakt zum Hamburger Büro vermittelte. Dort setzte ich sodann ab Juli 2014 für elf Monate meine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin fort, bis im Juni 2015 die Anwaltsstation ebenfalls bei Latham & Watkins begann. Jeden Dienstag durfte ich entweder kleinere prozessuale Fragen beantworten oder an längerfristigen Veröffentlichungen mitarbeiten. Obwohl es schwieriger ist, bei nur einem Tag wissenschaftlicher Mitarbeit pro Woche eine geeignete Aufgabe zu finden, waren die Anwälte aus dem Litigation Department und meine Mentorin aus dem IP-Bereich immer gut darin, mich mit spannenden, mitunter examensrelevanten, Themen zu versorgen. Zwar hatte ich einen regelmäßigen Arbeitstag, fiel aber mal eine Pflichtarbeitsgemeinschaft oder ein Sitzungstag auf diesen Tag, konnte ich problemlos tauschen.

Im Vergleich zum Frankfurter Büro ist der Standort in Hamburg im sogenannten „Affenfelsen“ mit herrlichem Blick über die Außenalster deutlich größer – gleich ist die freundschaftliche und kollegiale Arbeitsatmosphäre, die keineswegs durch eine angebliche hanseatische Kühle geschmälert wird.

Rechtliche und rechtsfreie Veranstaltungen
Das Angebot für Referendare, Wissenschaftliche Mitarbeiter und Praktikanten ist an beiden Standorten groß. Von Burger-Essen über After Work Drinks bei Sonnenuntergang bis hin zu Discobesuchen ist alles vertreten. Daneben kann der juristische Nachwuchs an allen anderen Events teilnehmen, wie zum Beispiel der Weihnachtsfeier oder den Women Enriching Business Abenden (zumindest der weibliche Nachwuchs). In Frankfurt treffen sich zahlreiche Mitarbeiter wöchentlich zum Fußballspielen, in Hamburg zum Rudern. Besonders ausgeprägt ist zudem das Angebot an weiterbildenden Veranstaltungen. So finden regelmäßig Vorträge aus dem internen Fortbildungsprogramm TACE statt, die eine gute Basis für die Arbeit in einer Großkanzlei bilden. Die eigenen Englischkenntnisse können in einem wöchentlichen Englischkurs mit einem Muttersprachler aufgefrischt werden.

Mein Fazit
Die Tätigkeit bei Latham & Watkins ist eine enorm lehrreiche Zeit, bei der trotz der anspruchsvollen juristischen Aufgaben, die es zu lösen gilt, die Freude an der Sache nicht verloren geht.