Wahlstation in Brüssel - Herbst 2018

Die Grundsteinlegung
Nachdem ich im Dezember 2016 referendariatsbegleitend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an zwei Tagen in der Woche im Düsseldorfer Büros von Latham & Watkins im Corporate Department eingestiegen war, entschloss ich mich im Frühjahr 2017 auch meine Anwaltsstation bei Latham & Watkins zu verbringen. Dies stellte sich schnell als die richtige Entscheidung heraus, da zum einen die Ausbildung der Referendare bei Latham & Watkins auf höchstem Niveau verläuft und zum anderen die tatsächliche Einbindung der Referendare in die praktische, anwaltliche Arbeit besser kaum sein könnte. Neben dem monatlichen Besuch des hauseigenen Repetitors bietet Latham & Watkins  hausinterne Kaiserseminare an den Standorten in Frankfurt und Hamburg an. Es ist dabei wichtig herauszustellen, dass es sich bei diesen Seminaren nicht um eine lediglich abgespeckte Variante der berühmten zweitägigen Kaiserseminare handelt, sondern dass es um genau die gleichen, auf zwei Tage verteilten Inhalte geht. Die meisten Kanzleien die sich mit dem Angebot von Kaiserseminaren brüsten, können hier lediglich eine eingedampfte eintägige Version anbieten.

Der Einstieg ins Kartellrecht
Zu Beginn des Jahres 2016 wurde mit dem Wechsel von Michael Esser als Kartellrechtspartner zu Latham & Watkins erstmalig eine Kartellrechtspraxis am Düsseldorfer Standort aufgebaut. Nachdem ich bereits meine Zeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter zu großen Teilen im Corporate Department im Düsseldorfer Büro verbracht hatte, bot sich nun die Gelegenheit durch ein Aufteilen der Anwaltsstation, ebenso in die kartellrechtliche Praxis hinein zu schnuppern. Wie der Zufall es wollte bahnte sich zu Beginn dieser Zeit ein großes Mandat in einem kartellrechtlichen Bußgeldverfahren an. Da das Team im Bereich Antitrust & Competition zu diesem Zeitpunkt sehr klein war, wurden auch alle verfügbaren Referendare stark mit in das Projekt miteingebunden. Sachverhaltsausklärung, Mitarbeiterinterviews, Zusammenarbeit mit den Kartellbehörden und die anschließende juristische Würdigung waren arbeits- und zeitintensiv, konnten mich aber für die kartellrechtliche Praxis vollauf begeistern. Der Wechsel ins Antitrust Department war daher als Erfolg zu bewerten und machte hungrig auf mehr.

Die Wahlstation
Nachdem die Neugier auf das Kartellrecht geweckt war, wollte ich nun noch einen Schritt weitergehen und mir während meiner Wahlstation die europäische Hauptstadt des Kartellrechts einmal näher ansehen – Brüssel. Nach einem kurzen, informellen Gespräch mit den zuständigen Personen und einem informellen Antrittsbesuch beim monatlichen Brüsseler „All-Attorneys-Lunch“ stand die Entscheidung für mich fest und ich wechselte zur Wahlstation im September 2018 ins Brüsseler Büro. Das Brüsseler Büro befasst sich ausschließlich mit Kartellrecht auf der europäischen Ebene und ist mit seiner personellen Besetzung unter den Latham & Watkins Büros weltweit mit Sicherheit einzigartig. Hier arbeiten italienische, britische, spanische, dänische, deutsche und französische Anwälte unter einem Dach und unter einem Namen und beackern als Team Competition Law & Antitrust auf höchstem Niveau. Ich war vor Beginn der Station recht kritisch, ob ich für das Brüsseler Büro einen tatsächlichen Mehrwert schaffen könnte oder nicht. Jedoch war ich bereits in der ersten Woche in diverse Mandate direkt miteingebunden und konnte mit Anwälten aus aller Herrenländer zusammen transaktionsbegleitend Zusammenschlusskontrollanmeldungen bearbeiten und prüfen, an der Sachverhaltsaufklärung europäischer Kartelle mitwirken und in direkten Gesprächen mit der Europäischen Kommission „remedies“ verhandeln. Die Arbeit im Brüsseler Büro war wahnsinnig spannend und vor allem vielseitig. Die Einbindung war tatsächlich einzigartig und sehr gut strukturiert. Insbesondere die Zusammenarbeit mit nicht-deutschen Anwälten hat Einblicke in die Arbeits- und Denkweisen anders ausgebildeter Juristen ermöglicht. Durch einen derartigen Aufenthalt wird dem (doch eher engstirnigen) deutschen Juristen vermittelt, dass man auch anders an Problemstellungen und Sachverhalte herangehen kann um sie erfolgreich zu lösen.

Don‘t lose base/touch
Auch den Kontakt zu dem Düsseldorfer Büro habe ich in der Zeit nicht verloren. Durch die Zeit im Brüsseler Büro habe ich erstmal richtig verstanden was es heißt in einer wahrhaft internationalen Kanzlei zu arbeiten und konnte erfahren, dass „Internationalität“ nicht nur eine leere Worthülse ist. In ruhigeren Phasen des Brüsseler Teams, konnte ich von Brüssel aus die Teams in Frankfurt und Düsseldorf unterstützen. Oft liefen Projekte auch parallel über mehrere Standorte gleichzeitig und die Zusammenarbeit wurde de facto gelebt. Auch war es möglich für ein verlängertes Wochenende bereits am Donnerstag in die Heimat zu fahren und dann vom Düsseldorfer Büro aus als „Visitor“ für das Brüsseler Team zu arbeiten.

Die Stadt
Auch hat Brüssel als Stadt einiges zu bieten. Brüssel ist durch die europäischen Institutionen eine wahrhaft internationale Stadt. Hier ist kulturelles High-Life angesagt. Die Bars und Cafés laden zum Trinken und Verweilen ein, die Museen und Theater sind vielfältig und jederzeit für kleines Geld zugänglich. Auch bieten die Europäischen Institutionen fast täglich verschiedenste Veranstaltungen jeder Art an. Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich das donnerstägliche Treffen der Trainees, Stagiaires und Referendare ab 18 Uhr am Place Luxembourg. Bei gutem Wetter versammeln sich die Genannten auf dem Platz, welcher zu späterer Stunde abgesperrt wird und nur noch von diesen bevölkert wird.

Alles in allem: Eine sehr gelungene Zeit!