Praktikum in der Großkanzlei

EBS: Sie kommen in dieser Woche von Latham & Watkins zurück. Wieso haben Sie sich für diese Kanzlei als Praktikumsplatz entschieden?

Wie viele EBSler hatte ich schon immer großes Interesse daran, an komplexen und internationalen Sachverhalten mitzuwirken. Die führenden Wirtschaftskanzleien bieten dafür natürlich den optimalen Raum: So sind bei Latham & Watkins über 2.700 Anwälte rund um den Globus in allen Rechtsgebieten tätig. Beispielsweise fand ich mich irgendwann in einem Team mit vielen US-Kollegen wieder. Wenn es um Details zum Mandat ging, dann habe ich einfach in Washington D.C angerufen. Das ist natürlich unglaublich reizvoll.

 

EBS: Welche inhaltliche Ausrichtung haben Sie gewählt?

Ich hatte mich für das Litigation Department entschieden. Hier laufen – vereinfacht gesagt – die Fälle auf, bei denen Unregelmäßigkeiten auftreten, also ein Prozess bzw. ein Schiedsverfahren geführt werden muss oder eine interne Untersuchung im betroffenen Unternehmen vorzunehmen ist. Über diesen Bereich hinaus bieten Großkanzleien natürlich die ganze juristische Palette; vom klassischen M&A-Geschäft, also dem An- und Verkauf von Unternehmen oder deren Fusionen, über Kapitalmarktrecht bis zu Datenschutzthemen. Gerade das ist schließlich auch das spannende für ihre Mandaten, oftmals DAX-notierte oder international agierende Konzerne.

 

EBS: Wie kann man sich eine solche Tätigkeit praktisch vorstellen?

Ich hatte das große Glück, eng in eine gerade beginnende, interne Untersuchung eingebunden zu werden. Dort war es wie so häufig: Der Vorstand eines Konzerns kommt auf die Kanzlei zu und ist beunruhigt, etwa, weil eine Ermittlung gegen ihn eingeleitet wurde oder einfach intern Unregelmäßigkeiten auffielen. Dabei kann es sich um Betrug, Korruption, Kartellbildung und ähnliche Vergehen handeln, die zumeist von Mitarbeitern solcher Unternehmen und oft ohne Wissen der Geschäftsleitung verübt werden. Das Problem für diese Firmen ist jedoch, dass sie oftmals hohe Geldbußen oder Gewinnabschöpfungen erwarten müssen. Die Höhe dieser Sanktionen übersteigt den Gewinn aus der rechtswidrigen Handlung regelmäßig um ein Vielfaches und tut finanziell ziemlich weh. Der Imageschaden in der Öffentlichkeit ist von einer solchen Kalkulation noch nicht einmal umfasst. Insofern ist es nachvollziehbar, warum die Leitungsorgane sich zu Recht solcher Fälle erwehren möchten. Sie beauftragen dann eine Sozietät mit der internen Aufklärung, um sich im Anschluss bestmöglich verteidigen lassen zu können.

 

EBS: Wie genau sahen Ihre Aufgaben aus?

Wie jeder Rechtsanwalt im Team hatte auch ich Zugang zu allen relevanten Dokumenten und habe an der Lösung der rechtlichen wie tatsächlichen Fragestellungen mitgewirkt. Ebenso war ich sowohl in der internen Kommunikation zwischen den beteiligten L&W-Büros als auch im Dialog mit dem Mandanten stets involviert. Dieses Maß an Einbindung, von dem auch meine Kommilitonen aus anderen Wirtschaftskanzleien berichten, macht uns natürlich stolz - schließlich lässt es nicht zuletzt auch Rückschlüsse auf die hohe Qualität unserer juristischen Ausbildung hier an der EBS zu.

 

EBS: Welches Resümee ziehen Sie nun nach Ihrem Praktikum?

Ich bin tief beeindruckt von der Professionalität und Internationalität, die ich erleben durfte. Gleichzeitig waren alle Mitarbeiter, von der Partnerriege bis zu den Sekretariaten, immer offen, herzlich und entspannt – den abgehobenen Anwalt, wie aus mancher Fernsehserie bekannt, sucht man hier vergebens. Stattdessen habe ich viel Teamwork und eine großartige Feedbackkultur wahrgenommen. So hat sich etwa mein Mentor, ein Rechtsanwalt aus demselben Department, stets umfassend Zeit genommen, um meine juristischen Arbeitsprodukte zu besprechen und mir Tipps an die Hand zu geben. Nicht zuletzt dieses große Maß an Mühe und Aufmerksamkeit gegenüber uns Praktikanten ist der Grund dafür, dass ich schon bald wieder zurückkehren möchte!

 

EBS: Zum Abschluss: Verraten Sie uns, wie man als Praktikant bei einer Großkanzlei angenommen wird?

Während nicht wenige Studierende die internationalen Wirtschaftskanzleien nur aus „Suits“ oder der Presse kennen, ist der Umgang mit ihnen für uns an der EBS Law School beinahe Alltag. Ob als Dozenten in universitären Kursen, im Rahmen von Veranstaltungen in der Fakultät oder bei Workshops vor Ort: Wir erleben Vertreter verschiedenerer Professionen aus dem großen Kreis unserer Partnerkanzleien, die weltweit führend aufgestellt sind. So ist die Latham & Watkins LLP als führende US-Kanzlei ebenso in unserem Kuratorium vertreten, wie auch viele der renommiertesten britischen und deutschen Sozietäten, bei denen einige meiner Kommilitonen Praktika absolvierten. Nicht zuletzt auch über die großartige Unterstützung, mit der die Partnerkanzleien als Sponsoren studentischer Veranstaltungen wie zum Beispiel des EBS Law Congress‘ auftreten, stehen wir in engem Kontakt. Natürlich muss jeder Praktikant auch den hohen Anforderungen in Bezug auf Noten und Persönlichkeit gerecht werden – dem scheinen wir an unserer Fakultät angesichts der vielen Großkanzleipraktika aber gut zu entsprechen.