Meine Wahlstation unter dem Eiffelturm

Vom 1. Juli bis zum 30. September 2014 absolvierte ich bei Latham & Watkins in Paris meine Wahlstation. Schon die Anwaltsstation hatte ich im Hamburger Büro der Kanzlei verbracht. Als ich den Wunsch äußerte, meine Wahlstation in einem anderen Büro der Kanzlei zu absolvieren, stellte meine Ausbilderin sogleich den Kontakt zu einem der Partner des Pariser Büros her. Nach einem kurzen Telefonat mit diesem war dann alles unter Dach und Fach. Dementsprechend groß war meine Freude, eine Station im Ausland und dazu, als angenehme Nebenerscheinung, einen Sommer in Paris verbringen zu können.

Das Pariser Büro und der Alltag in der Kanzlei
Am Pariser Standort befindet sich eines der elf europäischen Büros der aus den USA stammenden Kanzlei. Das Büro liegt unweit der Seine, auf der Rückseite der Assemblée Nationale. Von der Dachterrasse kann man einen Blick auf den Eiffelturm werfen, der nur ein paar Minuten fußläufig entfernt liegt.

In Paris arbeitete ich – wie auch schon im Hamburger Büro – in der arbeitsrechtlichen Abteilung, in der zehn von ca. 90 Pariser Anwälten von Latham & Watkins tätig sind. Dort wurde ich – wie in der Kanzlei insgesamt – sehr freundlich aufgenommen. Die Atmosphäre in dem jungen arbeitsrechtlichen Team war von einem herzlichen und humorvollen Umgang geprägt. Meine Arbeit bestand aus der Unterstützung des Teams bei der Beratung von insbesondere englischsprachigen Unternehmen. Einer der Partner, ein gebürtiger Deutscher, vertritt zudem viele in Frankreich tätige deutsche Unternehmen – auch hier wurde ich unmittelbar in die Mandatsarbeit eingebunden. Auch wenn im Tagesgeschäft immer viel zu tun war, blieb doch auch die Zeit für kurze Unterhaltungen. Dabei kamen mir meine – wenn auch etwas eingerosteten – Französisch-Kenntnisse zugute, die ich in der Schule und in einem Praktikum in Brüssel erworben hatte. Die Anwälte sprechen alle durchweg sehr gut Englisch – im Alltag dominiert aber auch in einer internationalen Großkanzlei in Paris das Französisch.

Neben der Arbeit gibt es diverse Aktivitäten für die Mitarbeiter der Kanzlei. So haben wir im Rahmen der Fußball-WM 2014 das Spiel Frankreich-Deutschland gemeinsam in der Kanzlei geschaut. Im Juli fand auch das jährliche Sommerfest statt, zu dem aus dem Mandantenkreis mehrere hundert Teilnehmer kamen. Die Freitagabende wurden öfter genutzt, um mit einem Drink in das Wochenende zu starten. Insgesamt, muss ich sagen, hielt sich die Arbeitsbelastung in Grenzen. Gerade im August herrschen in Paris quasi Betriebsferien, in denen die meisten Einheimischen vor den Touristenmassen ans Meer flüchten.

Die schönen Seiten von Paris
So blieb immer wieder Zeit, um die schönen Seiten von Paris zu erkunden. Zuerst waren die „Klassiker“ Eiffelturm, Louvre, Notre-Dame, Versailles usw. an der Reihe. Sowohl die Sehenswürdigkeiten selbst als auch die Menge der Touristen aus aller Welt waren beeindruckend. Noch faszinierender waren aber die vielen bezaubernden Parks und Viertel der Stadt. Jedes Wochenende konnte man einen anderen Stadtteil erkunden. Vor allem in Montmartre (wo ich auch gewohnt habe) und im Stadtteil Marais konnte man durch ursprüngliche Gassen schlendern und abseits der touristischen Hot Spots das „echte“ Paris erleben. An schönen Wochenenden waren der Jardin des Plantes und der Place des Vosges ideale Plätze, um zu lesen oder um einfach nur in der Sonne zu liegen.

Ein Erlebnis ist das kulinarische Angebot in Paris. Tagsüber findet man überall kleine Bäckereien und Patisserien, die Croissants, Brioches und liebevoll gestaltete Törtchen anbieten. Auch die Dichte an hervorragenden Restaurants und Bars ist beeindruckend. Der Sommer bietet mit dem großen Feuerwerk um den Eiffelturm am Nationalfeiertag und der Ankunft der Tour de France auf den Champs-Elysées zwei unvergessliche Ereignisse.

Fazit
Eine Wahlstation in Paris – noch dazu im Sommer – ist schwer zu überbieten. An die Zeit bei Latham & Watkins und das Leben in Paris werde ich auch in vielen Jahren immer gern zurückdenken.