„Sprachrohr in Sachen Innovation und Legal Tech“

Frau Molinari, Herr Simon, Sie sind zwei der Innovation Ambassadors unserer deutschen Büros. Wie kam es dazu?

Valesca Molinari: Unser globales Innovation Committee rief die Initiative "Innovation Ambassadors" 2017 ins Leben. Gestartet sind wir weltweit mit 100 Innovation Ambassadors, die das Innovation Committee oder das Management angesprochen hat oder die sich aktiv für die Rolle beworben haben. Schon im Unsere drei ersten Innovation Ambassadors von Baker McKenzie Deutschland ersten Jahr in unserer Kanzlei interessierte ich mich stark für diesen Bereich und engagierte mich in Sachen Innovation und Legal Tech. Durch meine Zeit als Unternehmensgründerin war ich mit den Themen Entrepreneurship und Innovation vertraut und hatte bereits Erfahrung in der Entwicklung technischer Lösungen. Umso mehr freute es mich, dass Baker ein weltweites Netzwerk von Innovation Ambassadors etabliert hat und damit den Austausch mit gleichgesinnten Kollegen und Innovatoren global fordert und fördert.

Björn Simon:
Als Innovation Ambassadors verknüpfen wir anwaltliche Expertise mit Innovations- und Legal Tech Know-how. Bereits während meiner Tätigkeit im Investment Banking arbeitete ich stets in interdisziplinären Teams mit dem Ziel, umfassende und nicht nur rein rechtliche Lösungskonzepte für die Mandanten zu erarbeiten. Wenn wir unseren Mandanten umfassende Lösungen bieten möchten, müssen wir innovative Konzepte anbieten und neue Anwendungen und Tools nutzen, die zukunftsstarke Perspektiven bieten. Genau diese Kombination ist es, die mich als Innovation Ambassador reizt. Innovation und Legal Tech sind nicht nur eine Herausforderung, sondern zugleich eine Chance, uns als innovative Law Firm am Markt zu positionieren. Wichtig ist: Wir wollen nicht bewährte anwaltliche Kernkompetenzen in Frage stellen. Innovation und Legal Tech ersetzen keinesfalls anwaltliche Kompetenzstrategien - und dürfen es auch nicht. Aber sie können grundlegende Herangehensweisen erleichtern und dazu beitragen, anwaltliche Strategien zu bündeln sowie unsere Beratung effizienter und effektiver zu gestalten. Der Nutzwert und Erfolgsfaktor ist groß, für beide Seiten.

Wie füllen Sie Ihre Rolle als Innovation Ambassador mit Leben?

Björn Simon:  Als Innovation Ambassador verstehe ich unsere Rolle besonders als "Sprachrohr". Das bedeutet zum einen, dass wir das Thema Innovation v.a. innerhalb der Kanzlei aktiv weiter vorantreiben. Innovation und Legal Tech gewinnen zunehmend an Bedeutung und gestalten immer stärker den anwaltlichen Beratungsprozess. Intern tausche ich mich daher permanent mit Kollegen aus, welche Tools und Initiativen wir einsetzen oder neu entwickeln könnten. Zum anderen sind wir extern aktiv und knüpfen, u.a. über zahlreiche Workshops und Events, Kontakte zu Ansprechpartnern in Rechtsabteilungen und Nachwuchsjuristen. Gerade die Rückmeldung der jüngeren und nächsten Anwaltsgeneration ist außerordentlich positiv. Valesca Molinari: So sehe ich es auch. Wie der Name schon verrät, sind wir als Innovation Ambassadors Botschafter nach innen und außen. Ein festgeschriebenes Anforderungs- und Tätigkeitsprofil gibt es nicht. Je nach Stärken und Erfahrungen kann jeder seinen eigenen Schwerpunkt setzen. Wichtig sind sowohl externe Themen, z.B. die Produktentwicklung und Strategieberatung, als auch interne Themen, die in den Bereich Change Management oder auch Effizienzsteigerung.


Können Sie Beispiele nennen, welche Initiativen Sie als Innovation Ambassadors bislang auf den Weg gebracht haben?

Valesca Molinari: Repräsentativ ist hier bspw. die Legal Tech Roadshow als interne Veranstaltungsreihe. Gemeinsam mit einem externen Referenten konzipierten wir einen interaktiven Workshop, den wir den Kolleginnen und Kollegen in unseren deutschen und österreichischen Büros angeboten haben. Einführend bereiteten wir einen Überblick über den Legal Tech Markt und die jüngsten Events sowie neuesten Schlagzeilen vor. Der Schwerpunkt lag dann auf der Differenzierung und Kategorisierung von Legal Tech Anbietern und zugrundeliegenden Technologien (Automation, Künstliche Intelligenz, Regelmodellierung und Visualisierung). Als größere, externe Veranstaltung fällt mir spontan die After-Work-Lecture zum Thema Legal Tech diesseits und jenseits des Atlantiks ein. Dieses Event im Legal Innovation Hub Reinvent organisierte ich gemeinsam mit unseren Partnern Dr. Florian Kästle und Prof. Dr. Jörg Risse sowie mit der Deutsch-Amerikanischen Juristen-Vereinigung. Beide Veranstaltungen fanden großen Zuspruch.

Björn Simon: Genau das ist es, was uns antreibt: der Zuspruch auch von außen. Zusammen mit Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen und einem IT Anbieter entwickelten wir z.B. 2017 eine Pilot Anwendung zur Risikoanalyse von Vertriebsverträgen für einen Mandanten. Gerade Rechtsabteilungen größerer Unternehmen interessieren sich für Innovation. Ein weiteres Projekt sind die Workshops "New Lawyer", u.a. an den Universitäten Bayreuth und Heidelberg. Zusammen mit meinem Kollegen Dr. Ingmar Oltmanns aus der Commercial & Trade Gruppe organisierten wir diese Veranstaltung, um Nachwuchsjuristen das Thema Innovation und Unternehmertum näher zu bringen. Ein weiterer Workshop folgte im September in Frankfurt bei Reinvent Law mit Silke Fritz und Ingmar Oltmanns. Das Feedback ist sehr positiv - auch von Seiten der Professoren. "Innovation" revolutioniert derzeit den Rechtsmarkt und die Kanzleiwelt. Das erleben auch die Nachwuchsjuristen v.a. in ihren Praxiseinsätzen in Kanzleien. Die Universitäten merken, dass es Zeit wird, auch in diesem Bereich ihre Türen zu öffnen. Genau da setzen wir an: Wir sind aktiv und stellen unseren Fuß auf die Schwelle.

Herr Simon, Sie sprachen die “New Lawyer“ Workshops für Studenten an. Welche Inhalte vermitteln Sie hier konkret?

Björn Simon: Wir veranschaulichen Doktoranden und Studenten, wie Legal Tech und Innovation die tägliche Arbeit eines Anwalts beeinflussen. Als Beispiel besprechen wir zusammen mit den Studenten eine Case Study und illustrieren anhand von Anwendungsbeispielen, wie wir heute bereits Legal Tech in der Praxis einsetzen. An Legal Tech und Innovation kommt mittel- bis langfristig gesehen kein Anwalt vorbei. Auch das ist eines der Themen in den Workshops. Wir diskutieren mit Studenten und Doktoranden, wie sich die Anforderungen an den Anwaltsberuf und den Arbeitsalltag in Zukunft wandeln werden.

Sie sind als Innovation Ambassadors Sprachrohr nach innen und außen. Wie wirken sich Ihre Initiativen auf Ihr Networking aus?

Björn Simon: Über das Thema Innovation konnte ich mein internes und externes Netzwerk enorm erweitern. Ich stehe in engem Austausch mit den Ansprechpartnern bei vielen Mandanten, die das Thema Legal Tech vorantreiben. Genauso verhält es sich auch kanzleiintern mit Kollegen unterschiedlicher Seniorität und Funktion, die sich als Innovation Ambassador dem Thema in ihrem Gebiet widmen. Viele Projekte wurden bereits angestoßen, z.B. in meinem Bereich Corporate/M&A ein Tool, mit dem wir künftig unsere Due Diligence Reports erstellen können. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Tools, wie u.a. Online-Plattformen zum Austausch von Informationen oder Software, die wir zur Analyse von Datenräumen einsetzen.

Valesca Molinari:
Wie Björn schon dargestellt hat, ergeben sich dadurch sowohl intern als auch extern viele Möglichkeiten und Chancen. Innovation ist für uns als Kanzlei und unsere Mandanten ein aktuelles und relevantes Thema. Als Innovation Ambassadors sind wir beispielsweise zentrale Ansprechpartner bei Veranstaltungen und Projekten im Innovation Hub Reinvent, halten Workshops oder Vorträge auf externen Veranstaltungen. Und da das Innovation Ambassador Netzwerk auch innerhalb unserer Kanzlei intensiv genutzt wird, werden wir regelmäßig von Kolleginnen und Kollegen angesprochen, um beispielsweise bei internationalen Mandantenkonferenzen mitzuwirken.

Wo sehen Sie die Chancen und Herausforderungen von Legal Tech in der Praxis?

Björn Simon: Eine der größten Herausforderungen liegt darin, dass wir in Zukunft unsere klassische Tätigkeit der Rechtsberatung mit den Möglichkeiten von Innovation und Legal Tech verknüpfen. Sinnvolle Entwicklungen gilt es voranzutreiben, nicht zuletzt mit Blick auf den nationalen wie internationalen Wettbewerb der Kanzleiwelt. Wenn wir nicht die Chancen nutzen, die Innovation und Legal Tech bieten, tut es die Konkurrenz. Doch nicht alles, was auf den ersten Blick verlockend und perspektivisch erscheint, ist sinnvoll. Es kommt auch darauf an, die Möglichkeiten und Grenzen im Auge zu behalten. In der Praxis scheitert es oft daran, innovative Lösungen umzusetzen. Gründe sind die IT Infrastruktur oder Anforderungen an den Datenschutz. Die Herausforderung heißt, strategisch zu denken und zu planen - und nachhaltig zu handeln.

Frau Molinari, Herr Simon, besten Dank für dieses Gespräch!

Die drei ersten Innovation Ambassadors von Baker McKenzie Deutschland:

Dr. Valesca Molinari

  • Co-Head of Innovation and Legal Tech von Baker McKenzie Deutschland
  • Associate der Praxisgruppe Corporate/M&A bei Baker McKenzie in Frankfurt
  • Bevor sie Anfang des Jahres 2016 zu Baker McKenzie kam, war sie als Unternehmensgründerin in der Energiewirtschaft aktiv und arbeitete von 2011 bis 2014 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt Universität zu Berlin, wo sie auch Zivil- und Privates Baurecht unterrichtete.
  • Bei Baker McKenzie berät sie Mandanten zu internationalen und grenzüberschreitenden Unternehmens-Transaktionen (M&A) und Reorganisationen sowie gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen. Zudem berät sie Mandanten zu ihrer Innovations- und Legal Tech-Strategie mit Fokus auf die Automation von Dokumenten und Prozessen sowie den Einsatz von künstlicher Intelligenz.


Dr. Björn Simon

  • Partner der Praxisgruppe Corporate/M&A bei Baker McKenzie in Frankfurt
  • Vor seinem Einstieg 2015 in unsere Kanzlei arbeitete er im Investment Banking einer in Deutschland ansässigen Privatbank und als Associated Partner einer führenden deutschen Kanzlei.
  • Er berät national und international Mandanten schwerpunktmäßig im Bereich Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht. Neben M&A-Transaktionen berät er institutionelle und strategische Investoren bei Restrukturierungen und Joint Ventures sowie Vorstände und Aufsichtsräte bei aktien- und wertpapierhandelsrechtlichen Fragen.


Dr. Nicolai Behr

  • Co-Head of Innovation and Legal Tech von Baker McKenzie Deutschland
  • Partner der Praxisgruppe Dispute Resolution bei Baker McKenzie in München
  • Als unsere Kanzlei das Career Mentorship Program 2008 startete, war er einer der ersten Teilnehmer dieses Programms. 2011 stieg er als Associate ein.
  • Er berät schwerpunktmäßig in den Bereichen Compliance und Wirtschaftsstrafrecht. Das Beratungsspektrum reicht von nationalen und internationalen internen Untersuchungen über Compliance-Richtlinien und Geschäftspartnerüberprüfungen bis hin zur Beratung vonUnternehmen im Zusammenhang mit Strafverfahren.