Globetrotter mit Faible fürs Argumentieren

Dr. Markus Altenkirch, Associate der Praxisgruppe Dispute Resolution, kann eigentlich schon ein zehnjähriges Firmenjubiläum feiern – angefangen als Praktikant, über eine wissenschaftliche Mitarbeit und Referendarstation, bis hin zu seinem Einstieg als Associate in unserem Frankfurter Büro. Wir sprachen mit ihm unter anderem über den Reiz des Argumentierens, Emotionen bei Verhandlungen und die thematische Vielfalt und Internationalität seines Rechtsgebiets.

„Ganz klar, meine Teilnahme am Moot Court hat mein Leben verändert“, sagt Markus Altenkirch, wenn er über seine bisherige Karriere spricht. Und das glaubt man ihm aufs Wort. Wenn der Dispute Resolution Anwalt über diese Station seines Lebens redet, merkt man, dass es sich um ein Schlüsselerlebnis handelt: Vor mehr als zehn Jahren, im Jahr 2004, war er Mitglied des Moot Teams der Universität Mainz, an der er Jura studierte – und lernte dabei nicht nur seinen heutigen Arbeitgeber kennen, sondern entdeckte auch seine Leidenschaft für die internationale Schiedsgerichtsbarkeit.

„Der Willem C. Vis Moot in Wien – heute mit mehr als 300 teilnehmenden Teams aus allen Kontinenten – zählt zu den wichtigsten und prestigeträchtigsten Hochschulwettbewerben für angehende Juristen“, berichtet er über die Veranstaltung. Er sei für Studenten vor allem deshalb so interessant, weil er Gelegenheit gebe, über den Tellerrand des gewöhnlichen Studiums hinaus zu schauen und internationale Einblicke zu gewinnen. Während seiner Vorbereitung auf diesen Wettbewerb kam Baker & McKenzie ins Spiel: Die Kanzlei veranstaltet traditionell so genannte Pre Moot Courts in den Räumen ihres Frankfurter Büros und macht studentische Teams für den Willem C. Vis Moot fit. Die Teams treten in Probeverhandlungen gegeneinander an und demonstrieren ihr Können; viele Partner und Associates der Kanzlei agieren dabei als Schiedsrichter. „Während dieser Probeverhandlungen lernte ich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen meiner heutigen Praxisgruppe kennen. Mein Bauchgefühl sagte mir bereits damals: „Hier möchte ich gern einmal arbeiten.“
Gut vorbereitet, trat er schließlich in Wien mit seinen Mitstreitern aus Mainz gegen zahlreiche internationale Mannschaften an und schaffte es unter die besten 16 aus 151 Universitätsteams. „Das war für uns ein tolles Ergebnis, das mich anspornte, in dieses Rechts gebiet tiefer einzutauchen“, sagt er und man merkt, dass er mit Herzblut bei der Sache ist. Markus Altenkirch mag den Wettbewerb und sieht es stets als eine spannende Herausforderung an, einen Dritten (Richter / Schiedsrichter) von der eigenen Position zu überzeugen.

Früh übt sich
…
Und so wurde aus Übung „Ernst“: Heute begleitet Markus Altenkirch seine Mandanten fast ausschließlich bei internationalen Schiedsverfahren – also genau die Arbeit, die er sich seit dem Vis Moot erträumt hatte. Zwischen dem Wettbewerb und seinem Einstieg als Associate im Jahr 2012 liegen zahlreiche Schritte, die ihn immer wieder zurück in die Dispute Resolution Gruppe von Baker & McKenzie führten: vom Praktikum über die wissenschaftliche Mitarbeit und dem Austausch mit Partner Prof. Dr. Jörg Risse im Rahmen seines Dissertationsthemas bis hin zum Referendariat. „Nach dem Moot Court gab es nur noch eine Kanzlei, die mich für meine weitere Karriere interessierte“, sagt er rückblickend. Während der einzelnen Stationen konnte er sich davon überzeugen, dass Internationalität und Teamgeist in der Kanzlei tatsächlich gelebt werden.

Es menschelt im Gerichtssaal

Die Schiedsverfahren, die er heute betreut, führen ihn rund um den Globus, zahlreiche von ihnen auf den asiatischen Kontinent, zum Beispiel nach Shanghai, Tokio oder Taiwan. Dass es bei den Verhandlungen menschelt, erfährt er immer wieder, wie zum Beispiel in folgender Situation: Kürzlich vertraten sein Team und er einen CEO eines taiwanischen Unternehmens, das einen schwäbischen Mittelständler übernommen hatte. Markus Altenkirch erinnert sich, dass sein Mandant während seines Closing Statements mit tränenerstickter Stimme feststellte: „Mein Vater sagte mir stets, man müsse immer nur die Wahrheit sagen, niemals lügen.“ Die mündliche Verhandlung habe ihm noch einmal vor Augen geführt, dass er von den mittel – ständischen Unternehmern betrogen worden sei. Der Käufer empfand dies nicht nur als geschäftlichen Verlust, sondern auch als persönlichen Affront gegen seinen Ehrenkodex. Das Schiedsgericht wird einen Schiedsspruch in dieser Sache voraus – sichtlich Mitte 2016 er las sen. „Wir sind alle gespannt, wie das Schiedsgericht entscheiden wird.“ Dieser Fall zeigt einmal mehr: „Anwalt zu sein bedeutet nicht nur, bestmögliche juristische Lösungen auf dem Papier auszuarbeiten, sondern beispielsweise auch Einfühlungsvermögen in die individuelle Situation des Mandanten zu haben und bei internationalen Mandaten auch die Kultur des Gegenübers zu verstehen und darauf eingehen zu können“.

Abwechslung und Nervenkitzel

Neben der Internationalität schätzt er auch das breite Spektrum an Rechts gebieten, in das er während seiner täglichen Arbeit eintaucht. „In der einen Woche sind es Post M&A Streitigkeiten, in der anderen geht es um einen Werkvertrag im Anlagenbau oder um eine Lieferung von Fernsehern von China in die Slowakei“, gibt der Associate Einblicke in seine tägliche Arbeit. Spannend sei es für ihn, sich stets in neue Sachverhalte einzuarbeiten. „In der letzten Woche habe ich beispielsweise eine Werkstofftagung besucht“, berichtet Markus Altenkirch. Grund für die Teilnahme an der Tagung war, dass ein Sachverständiger der Gegenseite dort als Redner auftrat. Die Mandantin hatte uns gebeten, zu beobachten, ob der Sachverständige eine Meinung äußerte, die in der mündlichen Verhandlung gegen ihn verwendet werden könnte. Ganz besonders sind die Tage, an denen ein Schiedsspruch veröffentlicht wird. „An solchen Tagen steigt mein Puls und ich kann es kaum erwarten, bis der Schiedsspruch in meinem elektronischen Postfach ankommt“, sagt der 32-jährige lachend. „Wenn ich die Mail geöffnet habe, scrolle ich blitzschnell ans Ende, um herauszufinden, ob wir nach vielen Jahren Rechtsstreit gewonnen oder verloren haben. “

Eigene Projekte entwickeln – “Global Arbitration News”

Global ist Markus Altenkirch auch mit eigenen Projekten aktiv, wie zum Beispiel im Rahmen der Online-Plattform Global Arbitration News. Es handelt sich um einen Blog, der sich auf Neuigkeiten rund um den Arbitration Bereich fokussiert. Anfang 2015 hat er den Blog im Internet etabliert, mit inzwischen 21 Jurisdiktionen. „Die Idee stammt von meinem Associate Kollegen aus München, Nicolai Behr, der einen ähnlichen Blog – die Global Compliance News – etwa ein Jahr zuvor ins Leben gerufen hat”, weist er auf die Wurzeln des Blogs hin. Auf dem Markt gebe es keine vergleichbaren Plattformen und beide Portale haben sich zu viel gelesenen Seiten entwickelt. „Für mich ist es bereichernd, mich unternehmerisch zu engagieren und eigene Initiativen umsetzen zu können”, sagt er über die Möglichkeit, in der Kanzlei solche Projekte aus der Taufe heben zu können.

Einen Schwerpunkt setzen

Ziele hat Markus Altenkirch nicht nur, was „seinen” Blog anbelangt. Auch in seiner juristischen täglichen Arbeit hat er sich einiges vorgenommen. Wenngleich er die große Bandbreite seiner Arbeit schätzt, möchte er sich künftig stärker auf Streitigkeiten aus Unternehmenskaufverträgen spezialisieren. „Das ist ein Rechtsgebiet, das viele interessante rechtliche Fragen aufwirft, was ich besonders reizvoll finde”, verdeutlichte er seine Beweggründe. Dazu kommt, dass er sich für betriebswirtschaftliche und bilanzrechtliche Zusammenhänge interessiert. Und diese kann er im Rahmen von Unternehmenskaufverträgen beleuchten, zum Beispiel, wenn es darum geht, Jahresabschlüsse unter die Lupe zu nehmen. „Das nötige Wissen habe ich mir während meines LL.M. Studiums und während der Seminare der Inhouse University unserer Kanzlei aneignen können”, erklärt er.

Mindestens 40 Länder bis 40

Seine privaten Ziele passen ebenfalls ins Bild: Markus Altenkirch liebt die Internationalität nicht nur beruflich, sondern auch jenseits des Büros. Mindestens 40 Länder zu bereisen bis zu seinem 40. Geburtstag – das hat er sich vorgenommen. Aus Neugier, ganz unterschiedliche Regionen der Welt kennenzulernen und zu sehen, wie Menschen dort leben. 35 Länder hat er bereits bereist – wenn man Puerto Rico, ein Überseegebiet der USA, als eigenes Land zählt. „Ich finde, man fühlt sich in Puerto Rico eher wie in Lateinamerika als in den USA. Spanisch ist die Landessprache. Zudem ist die Mentalität nicht amerikanisch.” 2016 stehen Tansania, Sri Lanka und Norwegen auf seiner Agenda. Seine Frau, eine gebürtige Inderin, teilt seine Leidenschaft für das Unterwegssein. Mitunter schlagen jedoch zwei Herzen in seiner Brust, wenn er sich in einem besonders reizvollen Land aufhält: „Manchmal denke ich, hier ist es so schön, ich möchte gern auch den nächsten Urlaub wieder hier verbringen. Letztendlich überwiegt dann aber doch die Freude am Entdecken neuer Länder.” Von jeder seiner Touren bringt er Impressionen mit nach Hause, die jeweils für ein halbes Jahr sein Büro schmücken. Bis er nach der nächsten Reise neue Fotos im Gepäck hat. Die Leidenschaft für das Internationale lässt ihn wohl nicht mehr los.
Im Alltag laufen bei ihm alle Fäden zusammen: Als Moderator und Herausgeber der Global Arbitration News steht er in engem Kontakt mit Arbitration Anwälten aus dem Ausland – von New York über Singapur bis São Paulo –, mit denen er Brainstorming zu Themen betreibt, die die internationale Leserschaft interessieren könnten. Mindestens einmal monatlich schalten sich die Kollegen in einer Telefonkonferenz zusammen. „Wir sammeln und redigieren die Beiträge der Länder, die wir im Rahmen des Blogs betreuen, überlegen, welche Themen unsere Leser interessieren könnten”, schildert Markus Altenkirch die enge Zusammenarbeit mit dem weltweiten Redaktionsteam. Er selbst ist für den EMEA Raum zuständig. Mittelfristig ist es sein Ziel, einen Blogger pro Land zu haben, der schnell über die rechtlichen Neuigkeiten berichten kann und weiß, was „sein” Land in punkto Arbitration bewegt.