Chicago, Chicago

Chicago, Chicago: Wiedersehen mit einer alten Bekannten.
Seit Hagen Köckeritz dort seine Wahlstation verbrachte, lässt ihn die Metropole nicht mehr los. Der Traum, für längere Zeit in der Geburtsstadt von Baker & McKenzie zu leben und zu arbeiten, erfüllte sich für den Frankfurter Arbeitsrechtler während seines einjährigen Associate Training Programme (ATP): Im August 2012 brach er mit seiner Familie auf, lernte eine andere Rechtsordnung, amerikanische Kollegen und Mandanten sowie Land und Leute kennen. Heute kommen ihm seine Erfahrungen und Kontakte in seinem Berufsalltag zu Gute.

Es heißt, man sieht sich im Leben immer zweimal. Genau das trifft auf Hagen Köckeritz und die Stadt Chicago zu. Zuerst verbrachte er dort seine Wahlstation im Sommer 2007 in einer mittelständischen Kanzlei, fünf Jahre später brach er mit seiner Familie erneut gen Westen auf, um im Gründungsbüro von Baker & McKenzie sein einjähriges Associate Training Programme zu absolvieren. „Seit meinem Referendariat in der Metropole am Ufer des Michigansees hatte ich den Wunsch, dorthin zurückzukehren und für längere Zeit dort zu arbeiten“, sagt der heutige 37-jährige Arbeitsrechtler.

Hineinschnuppern ins Chicagoer Büro

Bereits während seiner Wahlstation nutzte Hagen Köckeritz die Gelegenheit, das Chicagoer Baker-Büro zu besuchen. Das kam nicht von ungefähr: Bevor er in die USA flog, trat er bereits mit einigen Baker-Anwälten und Personalern während der Juracon Messe in Kontakt und war angetan von den offenen und freundlichen Gesprächen. „Ich ahnte, dass ich mich bei Baker & McKenzie als Berufseinsteiger gut aufgehoben fühlen würde.“ So nahm er kurzerhand in Chicago mit dem Corporate-Partner Dieter Schmitz Kontakt auf. „Mich faszinierte auf Anhieb die Atmosphäre des Büros. Obwohl dort circa 240 Anwälte und 400 Mitarbeiter tätig sind, herrschte ein familiärer Umgang, den ich von anderen Großkanzleien bis dahin so nicht kannte.“ Diese Begegnung festigte seinen Entschluss, nach der Rückkehr nach Deutschland bei Baker einzusteigen. Nach seinen Vorstellungsgesprächen, die zeigten, dass man fachlich und persönlich zusammen passte, startete Hagen Köckeritz Anfang 2008 als Associate in der Frankfurter Arbeitsrechtsgruppe.


Vom Zimmermann zum Anwalt

„Eigentlich wollte ich früher immer Zimmermann werden“, lächelt er verschmitzt. Seine Geburtsstadt Quedlinburg im Harz, die mit ihrem historisch bebauten Stadtkern zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, ist voll von Fachwerkhäusern. „Mir machte es immer großen Spaß, mit Holz zu arbeiten. Mein Elternhaus – ein Bau- und Kulturdenkmal aus dem Jahr 1648 – hat immer für Erhaltungsaufwand gesorgt. Da lag ein handwerklicher Beruf nicht fern“, schaut er auf seine Arbeiten in seiner Jugend zurück. Kurz vor dem Abitur entschied er sich dennoch für ein Jurastudium: „Mich reizte es, mich fachlich mit einer anspruchsvollen und vielschichtigen Materie auseinander zu setzen.“ Der Wunsch, nach dem Ende des Studiums ins Ausland zu gehen, kam dann erst später“, erklärt er seinen Entschluss, Anwalt in einer internationalen Großkanzlei zu werden.


Viel Freiraum beim Mentoring

Bereut hat er seine Entscheidung nicht. „Das Arbeitsrecht ist sehr greifbar und nah am Leben, und meine Arbeit ist unglaublich vielschichtig.“ Mal arbeitet er an spannenden Fällen im Büro, mal betreut er Mandanten vor Ort oder vor Gericht oder trifft sie bei Pitches. Er erfuhr von Beginn an viel Freiraum bei gleichzeitiger Unterstützung durch seinen Mentor, den Arbeitsrechtspartner Dr. Christian Reichel, der auch Mitglied des Managementteams der deutschen Baker & McKenzie-Büros ist, sowie Günther Heckelmann, Arbeitsrechtspartner und Leiter der deutschen und europäischen Arbeitsrechtspraxis. „Beide ließen mich von Beginn an Dinge selbst in die Hand nehmen, was mich schnell enorm weiterbrachte.“ Rund die Hälfte seiner Arbeit findet im Transaktionsgeschäft statt. Daneben berät er bei Restrukturierungen, Verhandlungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften, allgemein bei Fragen betrieblicher Mitbestimmung sowie bei der Aushandlung von Anstellungs- und Aufhebungsvereinbarungen mit Führungskräften. „Meine Arbeit ist sehr international, viele meiner Mandanten stammen aus den Vereinigten Staaten“, berichtet er über seinen Arbeitsalltag. Und genau dies ebnete seinen Weg für ein Associate Training Programme in US-amerikanischen Gefilden. „Von Beginn an äußerte ich meinem Mentor gegenüber den Wunsch, für eine längere Zeit in unser Chicagoer Büro zu gehen und dort mit Kollegen und Mandanten zusammenzuarbeiten“, erklärt der Arbeitsrechtler. Nach zwei Jahren ist es grundsätzlich möglich, als Associate an dem Programm teilzunehmen. 2012 wurde sein Traum wahr: Ein Business Case, strategische Gründe und entsprechende Mandatsarbeit lagen vor, und Hagen Köckeritz konnte zusammen mit seiner Familie für ein Jahr lang nach Chicago gehen.


Amerikanische Mandanten und Rechtskultur live erleben

„Ich fühlte mich vom ersten Tag als Teil des Teams“, erinnert er sich. Schöner Nebeneffekt: Sein Büro befand sich im 48. Stockwerk im Herzen der City mit Ausblick auf den Millenium Park und den Michigansee. Seine Zeit in den Staaten empfand Hagen Köckeritz als fachlich wie persönlich sehr bereichernd. Auch in Chicago arbeitete er von Beginn an eng mit seinem dortigen Mentor, Douglas Darch, zusammen. Er arbeitete zusammen mit den amerikanischen Kollegen an der Erstellung von Gutachten, koordinierte mehrere Transaktionen aus arbeitsrechtlicher Sicht, bereitete Pitches und Präsentationen vor und betreute – in engem Austausch mit seinen Frankfurter Kollegen und dank moderner Technik – seine Mandanten in Deutschland weiter sowie amerikanische Mandanten vor Ort. „Es war ein tolles Gefühl, die Mandanten, mit denen ich zuvor telefonierte oder lediglich per Email kommunizierte, einmal live zu erleben und sie an ihren eigenen Standorten zu besuchen“, sagt der deutsche Anwalt. Auf seiner Agenda standen nicht nur Mandanten in Chicago – Abbott Laboratories und AbbVie –, sondern auch Mandanten in anderen Regionen des Landes: Chemtura in Connecticut, Ecolab in Minnesota und Cummins in Indiana. Diese persönlichen Kontakte bereichern heute seinen Arbeitsalltag im Frankfurter Büro. „Es ist ein sehr viel persönlicherer Umgang, wenn man den Namen der Kollegen und Mandanten Gesichter zuordnen kann.“


Viel mitgenommen

Hagen Köckeritz hat neben dem Fachlichen jede Menge aus seinem Aufenthalt in den USA mitgenommen: Er lernte eine andere Kultur kennen, reiste mit seiner Familie in Gebiete der USA, die er noch nicht kannte und viele seiner Kollegen sind inzwischen gute Freunde geworden, mit denen er auch jenseits des Büros viel unternommen hat. Er ist froh, diesen Schritt ins Ausland gemacht zu haben – und kann jedem empfehlen, seinen eigenen Traum zu verfolgen, kontinuierlich und gleichwohl unverkrampft. Heute erinnern in seinem Büro die Fotos der Chicagoer Skyline an seine ATP-Zeit. „Mein nächster Termin in Chicago ist schon geplant – ein Mandantenbesuch“, lächelt er. Man sieht sich im Leben eben manchmal mehr als zweimal.