Career Choices – Sabbatical

Joachim Fröhlich, LL.M., ist Counsel der Praxisgruppe International Commercial & Trade in München. Er stieg 2007 als First Year Associate in unsere Kanzlei ein, seit 2014 ist er Counsel. 2011 nahm er eine dreimonatige für ein Sabbatical.
 
Herr Fröhlich, vor fünf Jahren haben Sie sich für ein Sabbatical entschieden. Was war der Impuls hierfür?
Ich war zu dem Zeitpunkt seit vier Jahren bei Baker McKenzie. Ich hatte mir erste „Sporen“ verdient und überlegte, dass ich noch einmal Lust hätte, ein Abenteuer zu erleben, um etwas ganz anderes zu machen. Das Fernweh trieb mich und ich wollte meinen Horizont erweitern, fernab der Kanzleiwelt. Schon während meiner Wahlstation nach dem schriftlichen Examen habe ich in Kapstadt gearbeitet und war anschließend noch einmal für meinen LL.M. dort. Insgesamt war ich circa anderthalb Jahre in Südafrika, sodass das Land für mich schon fast zu einer zweiten Heimat wurde. Aufgrund dieser engen Bindung zu Südafrika fiel meine Entscheidung, wieder dorthin zu gehen, fast von selbst. Der Unterschied zwischen arm und reich ist in Südafrika leider unübersehbar. So kam mir der Gedanke: Warum engagiere ich mich eigentlich nicht? Zunächst besprach ich meinen Wunsch, ein so genanntes „Sabbatical“ zu nehmen, mit meinem Mentor und wir überlegten gemeinsam, wie sich das am besten umsetzen ließe.

Was haben Sie in Südafrika genau gemacht?

Ich engagierte mich in einem Projekt der Stiftung Power Child und arbeitete in einem Township, rund 40 Kilometer von Kapstadt entfernt. Das Projekt unterstützt überwiegend Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene und bietet einen Treffpunkt für jedermann mit verschiedenen Angeboten wie Fußball, Theater sowie einer täglichen Mittagsmahlzeit für Schul- und Krippenkinder. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen aus dem Township betreute ich das Fußballteam und organisierte ein Turnier mit Teams anderer Townships. Das hat unheimlich viel Spaß gemacht. Die Kolleginnen, die das Team sonst alleine leiteten, hatten wenig Erfahrung mit organisatorischen Aufgaben, und es war schön für mich, sie in ihrer Arbeit unterstützen zu können.

Wie schwierig war der Weg von der Idee bis zur Umsetzung Ihres Sabbaticals?
Die größte Herausforderung bestand darin, eine Stiftung zu finden, die mich in Südafrika arbeiten ließ. Ich war überrascht, wie schwierig das ist. Große Stiftungen wie Robert Bosch oder die Friedrich Ebert Stiftung verzeichnen einen großen Andrang und ich musste feststellen, dass niemand auf mich wartet. Also habe ich mich intensiv einge arbeitet und bin den Weg über kleine Stiftungen gegangen. Das erwies sich insofern als Vorteil, als dass nach der ersten Kontaktaufnahme alles sehr schnell ging. Vor Reiseantritt musste ich mich noch um den Flug, eine Unterkunft und ein Auto vor Ort kümmern, ein Visum war für drei Monate nicht erforderlich – einer der Gründe, weshalb ich mich für diesen Zeitraum entschied.

Für wen eignet sich ein Sabbatical aus Ihrer Sicht?

Grundsätzlich eignet sich ein Sabbatical für jeden. Aus meiner Sicht ist das eine sehr individuelle Entscheidung. Zieht man ein Sabbatical in Betracht, sollte man sich überlegen, wie sich diese Auszeit mit den eigenen Karrierewünschen vereinbaren lässt und wann ein guter Zeitpunkt dafür ist. Kann und möchte man Mandatsbeziehungen gerade abgeben? Welche Vereinbarungen kann man treffen, um Mandate im Anschluss an das Sabbatical wieder zu übernehmen? Für Associates ist meines Erachtens das dritte oder vierte Jahr ein guter Zeitpunkt für ein solches Vorhaben. Schließlich sollte man mit seinem Mentor genau besprechen, wie sich das Sabbatical etwa auf die nächsten Karriereschritte oder das eigene Netzwerk auswirken wird.

Was haben Sie aus Ihrer Zeit in Südafrika mitgenommen?

Die Lage in Südafrika ist teilweise dramatisch. Einem Kind eine Freude zu machen und ihm ein warmes Essen am Tag zu bieten – das ist toll, aber das Grundproblem bleibt. Daher ist meine Erkenntnis aus dieser Zeit, dass, wenn sich jeder sozial engagieren würde, man mehr erreichen könnte. Mit meinen ehemaligen „Kollegen“ vor Ort stehe ich noch heute über Facebook in Kontakt und spende monatlich eine kleine Summe an eine Stiftung (http://www.keller-stiftung.org/), die sich mittlerweile in dem von mir unterstützen Projekt engagiert. Damit wird eine Angestellte vor Ort bezahlt. Das ist nicht viel, aber mein persönlicher Beitrag.

Herr Fröhlich, vielen Dank für das Gespräch!