03.08.2017

Meine Wahlstation in Hongkong

Nachdem Dr. Moritz Diekgräf seine Anwaltsstation im Hamburger Büro von Latham & Watkins absolviert hatte, bot ihm die Kanzlei die Möglichkeit seine Wahlstation im Office in Hong Kong zu absolvieren. Nach den Strapazen der Examensvorbereitung war die Wahlstation im Ausland für Moritz eine willkommene Belohnung und eine in vielerlei Hinsicht spannende Erfahrung:

„Welcome home!“

Die Organisation meiner Wahlstation lief aufgrund der hervorragenden Unterstützung durch das Hamburger Büro reibungslos. Das Team in Hongkong war sehr gut auf meine Ankunft vorbereitet, so dass ich gleich vom ersten Tag an gut in den Kanzleialltag integriert war. Nicht ohne Grund wurde ich von vielen Kolleginnen und Kollegen mit einem herzlichen „welcome home“ begrüßt. Auch ein von der Kanzlei für meinen ersten Arbeitstag organisiertes gemeinsames Mittagessen mit einigen meiner Team-Mitglieder hat den Einstieg sehr erleichtert, wobei alleine schon das Betrachten der Essgewohnheiten in einem authentischen chinesischen Restaurant eine interessante kulturelle Erfahrung ist. Ebenfalls in meiner ersten Woche hatte ich bei nachträglichen Drinks zum (westlichen) Neujahr Gelegenheit, die Trainees und jungen Associates in entspannter Atmosphäre auf Einladung der Kanzlei etwas besser kennenzulernen. Ich habe mich daher trotz der großen, nicht nur örtlichen, Entfernung zwischen Hongkong und Hamburg sehr schnell wieder als vollwertiges Mitglied der Latham-Familie gefühlt.

Der berufliche Alltag

Jeder Arbeitstag begann für mich mit einem beeindruckenden Weg von Sheung Wan entlang am Victoria Harbour hinein in den Finanzdistrikt, in dessen Zentrum die Kanzlei sitzt. Zwar ist die Skyline abends ungleich imposanter, doch gibt es sicherlich langweiligere Wege, um morgens zur Arbeit zu kommen und sich auf den Tag einzustimmen. Das Büro in Hongkong unterteilt sich in die Praxisgruppen Litigation & Trial, Corporate und Finance. Viele der Anwältinnen und Anwälte sind neben dem in Hongkong bzw. dem chinesischen Festland geltenden Recht auch auf englisches oder US-amerikanisches Recht spezialisiert. Es bieten sich daher vielfältige Einblick-Möglichkeiten für deutsche Referendarinnen und Referendare. Sollten sich dennoch einmal keine passenden Aufgaben finden lassen, kann man sich natürlich auch an eines der deutschen Büros wenden und die Zeitverschiebung nutzen. Ich persönlich war, entsprechend meiner Anwaltsstation in Hamburg, primär in den Bereichen Finance und Corporate tätig, in denen ich sehr vielfältige und interessante Aufgaben mit einem hohen Grad an Eigenverantwortung übernehmen durfte. Da man als Referendarin oder Referendar bei Interesse an den umfassenden Fortbildungsprogrammen der Kanzlei (TACE) teilnehmen darf, konnte ich auch spannende Einblicke in andere Bereiche gewinnen. Generell tut Latham & Watkins sehr viel dafür, dass sich die Trainees und Associates wohlfühlen und auch jenseits beruflicher Inhalte ein reger Austausch untereinander herrscht. Beispielsweise wurde anlässlich des chinesischen Neujahrs der größte Konferenzraum zu einer Bar mit imposantem Blick auf das Feuerwerk umfunktioniert.

Das Expat-Leben

Als junge Europäerin oder junger Europäer ist man in Hongkong kein Exot. Vielmehr tummeln sich gerade im Finanzdistrikt, rund um die legendäre Lan Kwai Fong und im angrenzenden Soho zahlreiche junge „Expats“ insbesondere aus dem Vereinigten Königreich. Es gibt daher (fast schon rund um die Uhr) eine ausgesprochen offene Feierabendkultur, die etwa mittwochs bei den abendlichen Pferderennen mitten in der Stadt zum Ausdruck kommt. Das erleichtert es sehr, auch über den Kreis der Kolleginnen und Kollegen hinaus neue Kontakte zu knüpfen. In dieser Enklave lebt es sich, mit allen Vor- und Nachteilen, fast wie in London oder New York – bei anderem Wetter, was je nach dem Zeitraum der Wahlstation nicht ganz unwichtig sein kann. Innerhalb von wenigen Metern und Minuten kann man jedoch auch ein ganz anderes Hongkong kennenlernen und den kulturellen Horizont erweitern. Insofern hat man in Hongkong „das Beste aus beiden Welten“.

Mehr als nur Hochhäuser

Anders als die meisten Ergebnisse einer Bildersuche bei Google suggerieren, besteht Hongkong aus viel mehr als seiner beeindruckenden Skyline. Fast drei Viertel von Hongkong sind Grünflächen, so dass sich ein großer Teil der Freizeit, besonders an den Wochenenden, im Freien abspielt. Für jeden Geschmack lässt sich etwas Passendes finden, seien es der Südteil der Hauptinsel, die vorgelagerten Inseln oder die New Territories, verschiedene Sportarten, Wanderungen, Strände oder Naturschutzgebiete. Darüber hinaus bietet sich die Möglichkeit, relativ günstig in andere Gebiete zu fliegen und den Puls sowie die Vielfalt Asiens zu erleben.

Fazit

Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, eine Wahlstation im Ausland zu verbringen, um nicht nur weitere berufliche, sondern zugleich kulturelle Erfahrungen zu gewinnen. Meines Erachtens bietet es sich dafür besonders an, eine Großkanzlei zu wählen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Großkanzleien ist es, dass man unmittelbar von vielen gleichaltrigen Trainees und Associates umgeben ist und somit schnell Anschluss in dem neuen Umfeld findet. Nach der langen Ausbildung und den Examensklausuren hat man es sich verdient, ein wenig in eine andere Welt einzutauchen. Mit spannenden Aufgaben und den umfassenden Angeboten für die Trainees und Associates ist Latham & Watkins hierfür eine besonders reizvolle Option.