24.09.2015

Mein erstes Staatsexamen

clavisto-Talent Maximilian Wolf hat letztes Jahr das geschafft, wovon viele Jurastudenten träumen: Er hat sein erstes Staatsexamen mit beachtlichen 15,99 Punkten bestanden! Mit diesem Ergebnis war Maximilian Landesbester in 2014 und hat damit die bislang beste erste juristische Prüfung in der Geschichte des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern abgelegt. Grund genug für uns bei Maximilian einmal nachzufragen, wie man sich nach Erhalt eines solch tollen Ergebnisses fühlt und wie denn eigentlich die optimale Vorbereitung auf das erste Staatsexamen aussieht.

1. Maximilian, wie fühlt man sich nach einem so tollen Ergebnis?

Als ich den Brief vom LJPA geöffnet habe, war ich zunächst einmal ziemlich perplex, weil ich mit einer Vornote von 15,25 Punkten in den Klausuren des staatlichen Teils natürlich nie im Leben gerechnet hätte. Erst im Laufe mehrerer Tage habe ich das so wirklich realisiert. Langfristig fühle ich mich aber nicht anders als vorher. Geändert hat sich eher das Verhalten von anderen. Nachdem sich meine Note herumgesprochen hatte, gab es auf einmal Leute, die nicht mehr mit mir gesprochen haben genauso wie Leute, die auf einmal mit mir befreundet waren, obwohl ich sie gar nicht kannte. Juristen gelten gemeinhin ja als missgünstig – Stichwort Bücher verstecken – und das habe ich dann auch ab und an erfahren. Ich habe sogar Professoren erlebt, die in der Vorlesung predigen, wie wichtig ein gutes Examen ist – und wenn dann jemand ein gutes Examen hat, finden sie es unerhört, wie man schon im Freischuss so viele Punkte haben kann. Ich selbst freue mich natürlich über die beruflichen Perspektiven, die ein solches Ergebnis eröffnet, mir ist aber auch bewusst, dass das erste Examen nur ein Etappensieg auf dem langen juristischen Ausbildungsweg ist.

2. Deine erste Handlung nach dem Erhalt der Ergebnisse?

Ich habe erst einmal einen Kaffee gemacht und die Zeitung gelesen.

3. Wie hast Du Dich vorbereitet um ein solch großartiges Examensergebnis zu erzielen? Hast Du Dich in Eigenregie oder mithilfe eines Repetitoriums vorbereitet?

Meine Examensvorbereitung habe ich circa achtzehn Monate vor den Klausuren geplant. In dieser Zeit habe ich den gesamten Examensstoff anhand von Lehrbüchern und Skripten zusammengefasst und parallel insgesamt etwas über 70 Übungsklausuren geschrieben. Darüber hinaus habe ich noch eine Lerngruppe mit zwei Kommilitonen gebildet, in der wir alle Rechtsgebiete anhand von Fällen durchgesprochen haben. Parallel war ich auch bei einem Repetitorium – aber weniger, um den Stoff da erstmalig zu lernen, sondern eher zur Wiederholung und zur Selbstkontrolle. Vom zeitlichen Aufwand her verteilte sich das ungefähr so: 55 % Selbststudium, 15 % Klausuren schreiben, 15 % Lerngruppe, 15 % Repetitorium. Für Wiederholungszwecke halte ich das Repetitorium auch rückblickend für sinnvoll, ich würde persönlich aber davon abraten, das „Rep“ ins Zentrum seiner Examensvorbereitung zu stellen und darauf zu bauen, sich das nötige Prüfungswissen alleine anhand der Rep-Unterlagen anzueignen.

4. Deine 3 ultimativen Tipps für eine optimale Prüfungsvorbereitung?

Erstens: Sich nicht verrückt machen lassen davon, wie „die anderen“ sich vorbereiten. Von daher möchte ich auch die beiden nachfolgenden Tipps keinesfalls verallgemeinern. Aus meiner Examensvorbereitung lässt sich vielleicht schlussfolgern, dass dieser Weg für mich sinnvoll war. Für andere mag eine ganz andere Vorbereitung besser sein.
Zweitens – wie gesagt, nur meine subjektive Erfahrung: Fälle, Fälle, Fälle. Das muss nicht immer das Schreiben fünfstündiger Klausuren unter Prüfungsbedingungen sein – das ist sicher wichtig, aber zur ständigen Übung hat mir auch das laufende Erstellen von Lösungsskizzen anhand von Fällen in den Ausbildungszeitschriften geholfen.
Drittens: Sich den Examensstoff in allen Details aneignen. Das mag überraschend klingen, weil viele Professoren predigen, es komme weniger auf Streitstände an als mehr auf das Systemverständnis. Daran stimmt nach meiner Erfahrung aber nur, dass im Examen reines Sachwissen ohne Systemverständnis natürlich nicht reicht. Um in die hohen Notenbereiche zu gelangen, braucht man nach meiner Erfahrung aber Detailwissen. In den Klausuren und der Mündlichen wurden bei mir Dinge abgefragt wie Nachhaftung ausgeschiedener KG-Gesellschafter, Verfügungsverbote in der Zugewinngemeinschaft, Rückgriff bei Hypothek und Grundschuld oder Aussagedelikte in allen Einzelheiten. Ein „sehr gut“ konnte ich in den jeweiligen Prüfungsteilen nur schaffen, weil ich diese Probleme im Detail darstellen konnte. „Systemverständnis“ allein hätte mir da wenig weitergeholfen. Zu diesem Zweck habe ich mir beispielsweise eine Liste angefertigt, in der ich den zivilrechtlichen Pflichtfachstoff in 1000 Einzelprobleme aufgeteilt habe. Da schaue ich auch jetzt im Referendariat öfter mal rein, weil ich das Zivilrecht bislang nirgendwo anders so komprimiert gefunden habe.

5. Hattest Du zwischendurch denn auch mal ein „Motivationstief“? Wenn ja, wie bekommt man am Besten die Kurve?

Klar, nicht nur einmal. Mir hat der sportliche Ausgleich zumindest gegen kurzfristige Motivationstiefs sehr geholfen. Geholfen hat mir außerdem eine „Zeiterfassung“. Dazu habe ich jeden Tag die Zahl der Stunden aufgeschrieben, die ich gelernt hatte. Der Vorteil daran war, dass ich, sobald ich acht Stunden voll hatte, aufgehört habe zu lernen und ganz ohne schlechtes Gewissen Freizeitaktivitäten nachgehen konnte. Während meiner Freizeit habe ich dann auch nicht über Jura nachgedacht – durch diese Trennung konnte ich Motivationstiefs schnell überwinden.

6. Was würdest Du denn eigentlich am Jurastudium ändern wollen?

Inhaltlich würde ich nichts ändern wollen, sehr wohl aber an der Form der Ausbildung. Ich kenne wirklich kein anderes Fach, in dem am Ende eine Prüfung steht, auf die einen die Lehrenden so wenig vorbereiten. Es gibt natürlich unter den Professoren auch viele Ausnahmen – ein großer Teil beschränkt sich aber leider darauf, irgendwann im Grundstudium eine Vorlesung mit kleinen Beispielsfällen zu halten und wenn die Studenten das nach acht Semestern nicht in eine fünfstündige Klausur umsetzen können, liegt die Schuld natürlich bei den Studenten. Selbstverständlich setzt jede Abschlussprüfung intensives Selbststudium voraus. Dennoch würde es nicht schaden, wenn die universitäre Ausbildung stärker als gezielte Prüfungsvorbereitung ausgestaltet würde.

7. Wie geht es für Dich jetzt weiter?

Nach der mündlichen Prüfung im Frühjahr 2014 habe ich mit der Promotion im Bereicherungsrecht begonnen und war parallel dazu als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Baker & McKenzie in Berlin und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Greifswald tätig. Im August 2015 habe ich die Dissertation eingereicht. Seit September 2015 bin ich jetzt Referendar im Landgerichtsbezirk Düsseldorf.

Maximlian, vielen lieben Dank für das Interview!