Dr. Anne Löhner

Steckbrief Associate bei Latham & Watkins seit Oktober 2012 // Praxisgruppe Litigation // Standort München // LL.M.-Studium an der Columbia University (NY, USA) // Referendariat am OLG München // Promotion an der LMU München // Studium der Rechtswissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Mein LL.M.-Studium an der Columbia University

Im August 2011 war es so weit – ich reiste für ein einjähriges LL.M.-Studium an der Columbia University in die aufregendste Stadt der Welt, New York City.

Den Bewerbungsprozess hatte ich schon über ein Jahr früher mit TOEFL-Test, Bewerbungsschreiben und Zeugnissen übersetzen lassen begonnen. Nicht ganz einfach war die Fertigstellung der Bewerbungen in der Hochphase kurz vor dem schriftlichen Zweiten Staatsexamen im Herbst 2010. Nicht zuletzt wegen des hohen Aufwandes beschränkte ich meine Bewerbungen in der ersten Runde daher auf nur vier Universitäten, von denen ich glücklicherweise am Tag der letzten Examensklausur Mitte Dezember 2010 bereits die ersten Zusagen erhielt.

Ich entschied mich relativ schnell für das Programm der Columbia University, das meinen Interessen (Dispute Resolution) am nächsten kam und mir zudem einen günstigen Kredit über einen Teil der Studiengebühren anbot. Darüber hinaus erhielt ich ein großzügiges Stipendium vom DAAD.

Eine Wohnung fanden mein Mann und ich überraschend schnell über eine kleinere Webseite, die Wohnungen zur Zwischenmiete an Akademiker und Universitätsangestellte auflistete („sabbaticalhomes.com“). Ein Freund, der gerade sein LL.M.-Studium hinter sich gebracht hatte, schaute sich die Wohnung vor Ort für uns an. Den Schlüssel bekamen wir noch vor unserer Einreise per Post. Die Wohnung war noch dazu für New Yorker Verhältnisse bezahlbar und toll gelegen, zwei Blocks vom Central Park entfernt und in der Nähe des Lincoln Centers.

Nach einer Woche Einleben und Sightseeing begann dann schon Mitte August das LL.M.-Programm mit diversen Einführungsveranstaltungen für die immerhin rund 250 Studenten aus aller Welt. Danach sollte es mit einem dreiwöchigen Einführungslehrgang zu dem US-amerikanischen Recht weitergehen. Ich hatte allerdings bereits in Deutschland einen mehrsemestrigen, von amerikanischen Professoren gehaltenen Kurs hierzu besucht und wählte daher die Option des „opt out“. Dafür musste man eine Prüfung schreiben, bei der es im Wesentlichen darum ging, die amerikanische Version des Gutachtenstils zu beherrschen. Von da an hatte ich drei weitere willkommene Sommerwochen Zeit, New York kennenzulernen und an einigen übergreifenden Universitätsveranstaltungen teilzunehmen.

Die regulären Vorlesungen und Seminare begannen ab Anfang September, wobei wir LL.M.-Studenten prinzipiell freie Kurswahl hatten, was ich sehr schätzte. Ich hatte mich schon vorab von Deutschland aus auf einen der begehrten „Clinic“-Plätze, konkret der Mediation Clinic beworben. Hieran nahmen jedes Semester nur zwölf Studenten, davon ein LL.M.-Student, teil. In einem fünftägigen Workshop absolvierten wir zunächst eine Ausbildung zum Mediator. Anschließend waren wir das ganze Semester über ein- bis zweimal pro Woche in Teams von jeweils zwei Co-Mediatoren an New Yorker Zivilgerichten in Brooklyn, Manhattan und Harlem sowie bei verschiedenen Mediationszentren freiwillig tätig. Daneben gab es ein wöchentliches Seminar. Neben der Herausforderung, auf Englisch und unter relativ großem Zeitdruck an der Beilegung der unterschiedlichsten Konflikte mitzuwirken, bot die clinic die Gelegenheit, meine amerikanischen Kommilitonen und ein anderes New York besser kennenzulernen. Daher fiel mir am Ende des Semesters auch die Entscheidung sehr leicht, im Sommersemester als Teaching Assistant und Coach weiterzumachen.

Neben diesem Höhepunkt nahm ich an weiteren Seminaren zur Prozessführung und zu Schiedsverfahren teil und besuchte auch so klassische Vorlesungen wie „Corporations“ und „Copyrights“.

Das Jahr verging wie im Flug, zumal die Universität ständig spannende Veranstaltungen anbot. So nahm ich an Debatten mit der Supreme Court-Richterin Sonia Sotomayor oder dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon teil. Daneben gab es ermäßigte Vorstellungen der Metropolitan Opera, des New York City Ballets oder verschiedener Theater sowie unzählige LL.M.-Veranstaltungen und Parties.

Darüber hinaus gab es das ganze Jahr über bei verschiedenen Veranstaltungen, Abendessen und der LL.M.-Job Fair die Gelegenheit, Anwälte der verschiedensten Kanzleien in lockerer Atmosphäre kennenzulernen. So lernte ich unter anderem meine heutigen Kollegen bei Latham & Watkins kennen. Latham ermöglichte mir dann auch, ein weiteres Jahr in New York zu bleiben und dort als Associate im ersten Jahr im New Yorker Büro anzufangen. So verbrachte ich die Wochen direkt nach der Graduation Mitte Mai 2012 mit den Vorbereitungen auf das New Yorker Bar Exam. Ende Oktober hatte ich dann meinen ersten Arbeitstag – der wegen Hurrikan Sandy erst einmal um zwei Tage verschoben werden musste!

Nach einem weiteren, ereignisreichen Jahr in New York kehrte ich schließlich im November 2013 nach München zurück.

 

 

 

 

DATUM 14.09.2015