Soft Skills: Worauf Personalverantwortliche bei neuen juristischen Mitarbeitern Wert legen
Ein Interview mit Claudia Trillig - Baker & McKenzie
Frau Trillig, Soft Skills spielen für die Bewerberauswahl neben der fachlichen Kompetenz zunehmend eine entscheidende Rolle. Was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff?
Zunächst einmal: Eine allgemeine Definition von Soft Skills gibt es nicht. Häufig versteht man unter diesen so genannten „weichen“ Fähigkeiten die soziale Kompetenz, also Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen - aber auch im Umgang mit sich selbst. Daher zählt man zu den Soft Skills neben Kommunikations-, Team- und Kritikfähigkeit beispielsweise auch Engagement, Selbstdisziplin, Motivation und Eigenverantwortung. Diese Schlüsselqualifikationen sollte ein Nachwuchsjurist mitbringen, der sich bei uns bewirbt.
Wieso sind Soft Skills so wichtig im Anwaltsberuf?
Der Beruf des Anwalts ist ein People's Business, in dem der persönliche Kontakt mit Mandanten und Kollegen groß geschrieben wird. Exzellentes Fachwissen zu haben, ist eine Sache. Eine andere ist es, sich in die Bedürfnisse des Mandanten eindenken zu können und dadurch in der Lage zu sein, stets einen Schritt voraus zu sein. Bei einem Pitch beispielsweise kommt es nicht nur darauf an, die Branche des Mandanten bestens zu kennen, sondern dieses Know-how auch entsprechend präsentieren zu können – Stichwort Rhetorik. Es geht ferner darum, schnell die Situation zu erfassen und flexibel zu reagieren. Außerdem ist entscheidend, wie das Team auftritt und die einzelnen Teammitglieder miteinander harmonieren. Ein Anwalt ist kein Einzelkämpfer. Vielmehr ist ein starkes, kompetentes Team der Schlüssel zum Erfolg. Das gilt übrigens nicht nur für die Pitchsituation, sondern für jeden Fall und jede Transaktion im Arbeitsalltag eines Anwalts. Daher kommt es nicht von ungefähr, dass ein Kandidat teamfähig sein muss, um bei uns einzusteigen.
Auf welche „weichen“ Faktoren legen Sie außerdem Wert?
Ein Anwalt sollte in der Lage sein, strategisch an Aufgaben heranzugehen und eine gewisse Kreativität mitbringen, um ganz unterschiedliche Probleme zu lösen, die seine Mandanten an ihn herantragen. Daher ist neben Teamfähigkeit auch eigenverantwortliches Handeln gefragt. Darüber hinaus achten wir darauf, ob der Bewerber interkulturelle Kompetenz mitbringt, ebenfalls Teil der sozialen Kompetenz. In unserer international agierenden Kanzlei muss man als Anwalt dazu in der Lage sein, erfolgreich mit Mandanten und Kollegen anderer Kulturkreise rund um den Globus zu agieren.
Wie testen Sie, ob ein Bewerber die gewünschten Soft Skills tatsächlich besitzt?
Zum einen erkennen wir dies teilweise bereits aus den Unterlagen. Hat der Bewerber angegeben, dass er sich seit längerem in einer studentischen Vereinigung oder Unternehmensberatung engagiert, ist das für uns ein erster Anhaltspunkt. Auch Hobbies oder soziales Engagement können Aufschluss darüber geben, ob der Bewerber eine engagierte, kommunikative Persönlichkeit ist. Ein Praktikum oder eine Wahlstation im Ausland ist für uns ein Zeichen, dass der Bewerber erste Erfahrungen auf internationalem Parkett gesammelt hat und idealerweise interkulturelle Kompetenz besitzt. Daher sollten Bewerber uns bereits in ihren Unterlagen über solch „weiche“ Faktoren informieren. Zum anderen testen wir während des Gesprächs, ob der Bewerber diese, für seinen Beruf als Anwalt relevanten Fähigkeiten mitbringt.
Wo erlernt man diese „Soft Skills“?
Einige „weiche“ Fertigkeiten erlernt man in der Regel im Rahmen des Zusammenlebens – beispielsweise einen höflichen und freundlichen Umgang. Andere Schlüsselqualifikationen werden weniger beiläufig vermittelt. Diese müssen gezielt geschult werden, wie zum Beispiel Konfliktfähigkeit und Verhandlungsgeschick. Genau hier liegt allerdings die Crux: Soft Skills stehen häufig nicht auf dem Lehrplan der Schulen und Universitäten. Daher hat beispielsweise unsere Kanzlei das Ruder selbst in die Hand genommen: Wir lehren selbst Nachwuchsjuristen früh in Sachen Soft Skills und tragen auf diesem Wege dazu bei, diese Ausbildungslücke zu schließen.
Wie sehen Ihre Soft Skill-Angebote für Nachwuchsjuristen konkret aus?
Wir bieten talentierten Nachwuchskräften ganz unterschiedliche Möglichkeiten: Im Rahmen unserer regelmäßig stattfindenden Workshops bringen wir angehenden Juristen Themen wie „Motivation“ und „Teamfähigkeit“ praxisnah anhand von Fallstudien näher – oft mit Referenten aus anderen Bereichen als der Juristerei, beispielsweise aus dem Sport. Sie geben den Teilnehmern zusätzliche Impulse. Zudem veranstalten wir in unserem Frankfurter Büro jährlich den so genannten Pre Moot Court, in dem wir studentische Teams auf den internationalen „Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot“ in Wien vorbereiten. Viele unserer Partner und Associates agieren als Schiedsrichter, wenn Teams diverser Universitäten einen Tag lang in Probeverhandlungen gegeneinander antreten. Die Studenten haben Gelegenheit, in der Praxis zu argumentieren sowie die eigene Argumentation erneut zu überdenken und zu schärfen. Darüber hinaus vermitteln wir engagierten Nachwuchsjuristen im Rahmen unseres Career Mentorship Programme beispielsweise neben harten Fakten auch Soft Skills wie Rhetorik, Legal Writing und Verhandlungsführung. Im Mittelpunkt dieses Programms steht das persönliche Coaching und Feedback durch einen Mentor während der gesamten Ausbildung – im Idealfall bis zum Einstieg in unsere Kanzlei. Inzwischen sind aus sieben Mentees Associates geworden.
Letzte Frage: Welche Tipps können Sie Bewerbern in Sachen Soft Skills geben?
Knüpfen Sie bereits früh Kontakte, die Ihnen helfen, Soft Skills zu trainieren. Seien Sie neugierig und probieren Sie viel aus – seien es Praktika im Ausland oder ein soziales Engagement. Diese Aktivitäten bringen Sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiter. Für das Gespräch rate ich: Seien Sie informiert, interessiert und interaktiv – dann können Sie bei uns punkten. Und zu guter Letzt: Seien Sie authentisch. Wenn Sie den Faden verlieren, dann sprechen Sie dies ruhig aus und erzählen dann entspannt weiter. Dies wirkt sympathisch und glaubwürdig. Denn am Ende entscheidet – neben Ihren fachlichen Fähigkeiten –, dass die Chemie zwischen Ihnen und uns stimmt.
Frau Trillig, vielen Dank für dieses Gespräch.
Quelle: Newsletter Karriere-Jura, Zweite August-Ausgabe 2011,
www.karriere-jura.de
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